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Rostock Marteria: Spektakel der Superlative im Ostseestadion
Mecklenburg Rostock Marteria: Spektakel der Superlative im Ostseestadion
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10:33 28.11.2018
Rapper Marteria ist am Sonnabend vor 32000 Besuchern im Rostocker Ostseestadion aufgetreten. Quelle: Ove Arscholl
Rostock

„Ich habe mir immer gewünscht, einmal im Ostseestadion zu spielen und jetzt stehe ich hier. Das ist die schönste Nacht meines Lebens“, ruft Sänger Marteria seinen Fans zu. Er ist verschwitzt, vollgepumpt mit Adrenalin – passenderweise hat er das gleichnamige Lied seines neuen Albums 1982 zuvor mit Rapper Casper performt – und einfach nur verdammt glücklich. Der Rostocker hat sich seinen Kindheitstraum erfüllt. Er hat das Ostseestadion mit 32 000 Fans gefüllt und ein grandioses Spektakel abgeliefert. Das liegt zum einen an seiner Musik, aber auch an dem emotional aufgeladenen Ort und dem engen Bezug zu seiner Heimatstadt. Denn: Es ist nicht nur ein Konzert, es ist auch die Lebensgeschichte des Marten Laciny, die an diesem Abend im Ostseestadion zelebriert wird.

„Ich war zum ersten Mal mit zwei Jahren im Ostseestadion“

Eine Geschichte, die eng verknüpft ist mit der Hansestadt und dem FC Hansa Rostock. „Ich war zum ersten Mal mit zwei Jahren im Ostseestadion mit der ganzen Familie. Hansa gegen Magdeburg und wir haben gewonnen“, ruft der Sänger in die Menge. Das Stadion, für den 35-Jährigen ist es ein „magischer Ort“. Laciny kickte dort seit seinem sechsten Lebensjahr, stand mit seiner Mutter oft im B-Block. Er war Kapitän in den Jugendmannschaften des FC Hansa, spielte später sogar für das U17-Nationalteam. Jetzt ist er der erste Rapper, der ein eigenes Stadion gefüllt hat. Etwas, was Kollegen wie Bushido, Kollegah, Sido oder Samy Deluxe nie gelang. „Wir haben Geschichte geschrieben, hier in MV, hier in Rostock. Das ist unsere Geschichte“, ruft Marteria seinen Fans zu. Der Heimatbezug, sicher einer der Bausteine für seinen Erfolg. Symbolisch dafür steht die Rostock-Flagge, in die sich Marteria gegen Ende des Konzertes einhüllt, fast ungläubig auf die Fans blickt, die ihn frenetisch beklatschen und mit Sprechchören feiern, die Hände vors Gesicht schlägt und sich die Flagge über den Kopf zieht. So sieht es aus, wenn coole Jungs Gefühle zeigen.

Konzert als ein Stück Identität

Das Konzert geht weit über das reine Musikerleben hinaus. Es ist ein Stück Stadt- und Fußballgeschichte, es ist ein Stück Heimat, und nicht zuletzt auch ein Stück Identität, das dort „auf heiligem Boden“ unterlegt mit lässigen Hip-Hop-Beats serviert wird.  „Hansa Rostock, das Stadion und Marteria, das gehört einfach zusammen“, sagt Mia Barton. Seit mehr als zehn Jahren lebt sie in Berlin. Ihre Wurzeln hat die gebürtige Rostockerin nie vergessen.Genau wie Laciny. Trotz seines Erfolges ist er der „Rostocker Jung“ geblieben. „Du hast mich groß und stark gemacht/Ich zieh'los und such' mein Glück/Doch dein Licht zieht mich zu dir zurück/Mein Rostock“. Es ist, als hätte der 45-Jährige diese Zeilen eigens für den Abend im Ostseestadion geschrieben. Und die Fans danken es ihm, strömen gemäß des Konzertmottos „Alle oder keiner“ zu Zehntausenden ins Stadion und feiern mit ihrem Idol eine zweieinhalbstündige Party der Superlative. Denn: Das müssen selbst Kritiker seiner Musik neidlos anerkennen – selten bis nie gab es Konzerte, die (vor allem bei den sonst als so unterkühlt geltenden Norddeutschen) im positiven Sinn so eskaliert sind.

Mischung aus Science-Fiction und Hippie-Festival

Schon bei dem ersten Lied „Aliens“, das er mit Beatsteaks-Frontmann Arnim Teutoburg-Weiß performt, hat er die Fans fest im Griff. Angeheizt von der Vorband, den Punkrockern von „Feine Sahne Fischfilet“, sind die Fans bereit, mit Marteria „von Level zu Level zu Level“ zu springen. Ein Level, das sich während des Konzerts in immer ungeahntere Höhen schraubt. Neben Liedern wie „Scotty beam mich hoch“, „El Presidente“, „Das Geld muss weg“, oder „Links“ von dem 2017 erschienen Album Roswell, holt er auch Rapper-Kollege Casper auf die Bühne, mit dem er jüngst das Album 1982 herausgebracht hat. Titel wie „Champion Sound“, „Supernova“ oder „Adrenalin“ wirken irgendwie bezeichnend für die Intensität des Abends und die emotional aufgeladene Atmosphäre. Verstärkt wird das Ganze durch Lichteffekte – etwa, wenn das Stadion bei Klassikern wie „Lila-Wolken“ in lilafarbenes Licht gehüllt wird, wenn das Publikum bei „Welt der Wunder“ die Handylämpchen aufleuchten lässt oder wenn beim Auftritt von Martens Alter Ego „Marsimoto“ grüner Nebel durch das Publikum wabert. Letzteres ist bunt gemischt: Da feiern Eltern mit Kindern vor brennenden Bengalos, in der Luft der süßliche Duft von Hasch und verschüttetem Bier. Das Szenario wirkt wie eine Mischung aus Science-Fiction und Hippie-Festival. Letztlich werden die springenden Fans unter einem bunten Luftschlangenregen begraben. Und Marteria? Der beendet das Konzert mit nacktem Oberkörper symbolträchtig im Publikum. „Viele Jahre hat es niemanden interessiert, was ich mache“ hat er mal gesagt. „Irgendwann hat es dann boom gemacht. Dafür bin ich sehr dankbar und ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist.“

Büssing Stefanie