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Rostock Marteria im Interview: „Das können wir noch mal schaffen!“
Mecklenburg Rostock Marteria im Interview: „Das können wir noch mal schaffen!“
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07:53 28.11.2018
Marteria vor 33 000 Zuschauern bei seinem Konzert am 1. September 2018 im Rostocker Ostseestadion. Quelle: Chris Schwarz
Rostock

Anlässlich der Veröffentlichung seiner DVD zum Konzert im Rostocker Ostseestadion haben wir Marteria zum Interview getroffen.

Marteria, ihr zeigt auf der DVD eine längere Sequenz, bei der du mit deiner Crew bei den Vorbereitungen zur Show zu sehen bist. Bei diesen Aufnahmen spürt man, wie eine starke Anspannung in der Luft liegt. Aber auch eine große Herzlichkeit untereinander.

Ja, das war für alle etwas Besonderes. Paul Ripke hat uns ja schon morgens kurz nach dem Aufstehen gefilmt. Die Aufregung war echt und sie war groß. Es war nicht nur die Sache, dass wir im Ostseestadion vor 33 000 Menschen spielen. Es war auch das Ende einer längeren Tour, da wussten wir: Das ist auch ein bisschen wie Abschied für eine längere Zeit. Danach werden wir uns eine Weile nicht sehen. Aber so ein Abschluss ist auch wichtig, weil dann etwas Neues anfangen kann. Für jeden von uns.

Ist das Ostseestadion für dich ein magischer Ort?

Das Ostseestadion ist auf jeden Fall der wichtigste Ort für uns alle in Rostock, wo man sich trifft und den wir alle mit einer großen Emotionalität verbinden. Wenn ich früher an der Stadthalle vorbeigefahren bin, hab ich mir immer gesagt, dass ich dort mal spielen werde. Das ist ja das Ziel für jeden Musiker in seiner Heimatstadt. Aber an das Stadion habe ich nie gedacht. Das war viel zu unrealistisch und wurde höchstens mal von Helene Fischer oder Tina Turner voll gemacht.

Ist dies die erste Musik-DVD, die im Ostseestadion aufgenommen wurde?

Ja, das ist wohl so. Ich hab ja schon das Konzert aus dem Rostocker Iga-Park 2015 veröffentlicht, aber das haben wir damals kostenlos rausgehauen. Jetzt wollten wir es noch mal richtig machen.

Du hattest in Rostock eine Reihe von musikalischen Gästen dabei, da merkt man auch eine gewisse Verschworenheit untereinander. Amüsant ist auch die Szene, als Monchi sagt: Ich hatte im Ostseestadion mal fünf Jahre Stadionverbot und jetzt spiele ich hier.

Ja, der Monchi ist total ehrlich. Das mag ich auch an ihm, und überhaupt hat seine Band jetzt einen guten Lauf. Feine Sahne Fischfilet hat gerade die Chance, richtig groß zu werden. Sie könnten die nächsten Toten Hosen werden.

Dein nächstes Projekt läuft bereits. Du hast mit Casper die CD „1982“ aufgenommen und ihr seid jetzt auf Tour. Was verbindet euch eigentlich?

Unsere Karrieren verliefen sehr ähnlich. Wir sind fast gleichaltrig und ab 2010 kamen unsere Karrieren richtig in Fahrt, bei Casper mit „XOXO“ und „Hinterland“, bei mir mit den beiden „Zum Glück in die Zukunft“-Alben. Casper und ich, wir haben uns dabei immer gegenseitig beobachtet, es war klar, dass wir mal was zusammen machen wollen. Und dann war es soweit.

Nicht nur die Musik, auch der Fußball verbindet euch.

Ja, bei mir ist es Hansa und bei Casper ist es Arminia Bielefeld. Das ist auch so eine Fahrstuhlmannschaft. Der Tabellenplatz ist nicht so wichtig, eine Heimmannschaft verbindet die Leute, sie schafft eine wichtige Identität.

Ist es denn fast egal, in welcher Liga die Heimmannschaft spielt?

Wichtiger ist, dass sie die Fans zusammenbringt, ein starkes Gemeinschaftsgefühl schafft. Egal, auf welchem Tabellenplatz der Verein gerade ist.

Große Emotionen, ein gewaltiger Sound, gleißende Lichtspiele: Vor 32.000 Fans erlebt der Rostocker Rapper im ausverkauften Ostseestadion „die schönste Nacht seines Lebens.“

Casper und du, ihr habt euch ja gegenseitig eure Heimatstädte gezeigt. Du warst mit Casper in Bielefeld und im letzten Oktober auch im Rostocker Ostseestadion. Ihr habt ja bei der Gelegenheit auch ein bisschen trainiert. Bei eurem Stadionbesuch hat euch ja Trainer Pawel Dotchev ziemlich hart rangenommen.

Ja, das war ganz schön hart, aber es war auch lustig. Und Pavel Dotchev ist wirklich ein guter Trainer.

Wie geht es weiter in deinem Leben und deiner Karriere, willst du mit deiner Musik alt werden? Gibt es eine langfristige Planung?

Langfristig kann man sowieso nicht planen. Aber ich will noch verschiedene Dinge ausprobieren.

Was würdest du denn noch mal machen wollen?

Zum Beispiel will ich noch mal längere Zeit im Ausland leben, ohne auf ein bestimmtes Datum zurückkommen zu müssen.

Und meinst du, dass das noch einmal geht im Ostseestadion? Kannst du das wiederholen?

Wenn wir das einmal geschafft haben, können wir das auch noch mal schaffen!

Zur Person

Marteria (geb. 4. Dezember 1982 in Rostock; bürgerlich Marten Laciny) ist ein deutscher Rapper, auch unter dem Namen Marsimoto bekannt. Sein Künstlername geht auf die Anfangsbuchstaben seines Vornamens zurück sowie auf „Materia“, das lateinische Wort für Materie, er wuchs im Rostocker Stadtteil Groß Klein auf. Der Fußballer war Kapitän der Jugendmannschaften des F.C. Hansa Rostock. 1999 wurde er bei einer Reise nach New York von einem Modelscout entdeckt. Seine Fußballkarriere gab er zugunsten der Modelkarriere in den USA auf. 2003 stieg er aus dem Modelgeschäft aus, um eine Rap-Karriere zu verfolgen. Der Musiker zog nach Berlin und absolvierte er eine Ausbildung zum Schauspieler. Seit 2010 nahm die Karriere als Rapper zunehmend Fahrt auf. Seitdem veröffentlichte Marteria unter anderem die CDs „Zum Glück in die Zukunft“ (2010), „Roswell“ (2017) und zusammen mit Casper „1982“ (2018); als Marsimoto unter anderem „Grüner Samt“ (2012) oder „Ring der Nebelungen“ (2015).

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Thorsten Czarkowski