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Rostock Wiro deckelt Miete für 800 Wohnungen in Rostock
Mecklenburg Rostock Wiro deckelt Miete für 800 Wohnungen in Rostock
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12:21 27.10.2018
Rostocks Bauamtsleiterin Ines Gründel und Ralf Zimlich, Vorsitzender der Wiro-Geschäftsführung, stellten die neue Initiative vor. Im Hintergrund ist die Lange Straße zu sehen. Quelle: André Wornowski
Stadtmitte

Die städtische Wohnungsgesellschaft Wiro führt in Rostock einen „Miet-Anker“ ein: Für bis zu 800 Wohnungen friert das Unternehmen die Kaltmiete bei maximal 5,30 Euro pro Quadratmeter ein. Profitieren sollen Geringverdiener bei der Anmietung einer neuen Wohnung. Voraussetzung ist, dass im Haushalt mindestens ein Kind unter 18 Jahren lebt. Außerdem gelten Einkommensgrenzen wie bei einem Wohnberechtigungsschein.

„Wir wollen die Teile der Bevölkerung schützen, die vom Mietanstieg hart betroffen sind“, sagt Ralf Zimlich, Vorsitzender der Wiro-Geschäftsführung. Es gehe um soziale Gerechtigkeit. Von der neuen Mietpreisbremse seien hier keine großen Effekte zu erwarten. „Die Mietpreisbremse ist sicherlich ein nettes Signal, aber sie hilft hier in Rostock niemandem.“ Denn die Wiro und die Wohnungsgenossenschaften würden allein 60 Prozent des Rostocker Wohnungsmarktes unter sich aufteilen. „Und wir liegen alle unterhalb der vorgegebenen Grenzen“, so Zimlich. Die Wiro erhöhe ihre Mieten zum Beispiel maximal um ein bis drei Prozent pro Jahr.

Wohnungen über alle Stadtteile verteilt

In das Anker-Programm werden nach und nach frei werdende Wohnungen aufgenommen, verteilt über die gesamte Stadt. Die Wiro deckelt die Mieten hier zunächst befristet bis 2025. Eine Prognose, wie viele Rostocker davon profitieren könnten, liegt nicht vor. „Sollte sich aber herausstellen, dass die 800 Wohnungen nicht ausreichen, werden wir die Zahl erhöhen“, sagt Zimlich.

Große wirtschaftliche Einbußen erwartet die Wiro nicht. Schließlich liegt die Kaltmiete bei 17000 Wohnungen des Unternehmens ohnehin unter sechs Euro pro Quadratmeter. Insgesamt hat die Wiro mehr als 35 000 Wohnungen im Bestand.

Bauamt prüft Einkommen

Wer vom neuen Programm profitieren will, braucht einen sogenannten Anker-Schein. Diesen gibt’s beim städtischen Bauamt. Hier wird zunächst das Einkommen geprüft: Die Grenze für eine alleinerziehende Mutter mit Kind liegt zum Beispiel bei 12500 Euro pro Jahr, wie aus dem Wohnraumförderungsgesetz hervorgeht. Bauamtsleiterin Ines Gründel betont jedoch, dass es einen großen Spielraum gebe und jeder Fall einzeln betrachtet werden müsse.

Nach erfolgreicher Prüfung ist der Anker-Bescheid für ein Jahr gültig. Anschließend muss der Mieter seine Einkünfte erneut offen legen, um eine Verlängerung für zwei Jahre zu bekommen.

Sollte das Einkommen in der Zwischenzeit gestiegen sein und der Antragsteller erfüllt nicht mehr die Voraussetzungen, darf er dennoch in der Wohnung bleiben. „In diesem Fall wird aus der ,Anker-Wohnung’ wieder eine reguläre Wiro-Mietwohnung“, sagt Zimlich.

Der Pool mit Anker-Wohnungen werde bei Bedarf mit einer anderen Wohnung wieder aufgefüllt. Dies sei kein Problem, weil auf dem Markt viel Bewegung herrsche. Monatlich würden 300 bis 400 Wohnungen bei der Wiro frei, so Zimlich weiter.

Angebot gilt nicht für Hartz-IV-Empfänger

Für Empfänger von Transferleistungen, wie Hartz-IV, gilt das neue Programm hingegen ausdrücklich nicht. Denn diese seien auf dem Wohnungsmarkt schon gut gestellt, sagt der Wiro-Chef. So sei zum Beispiel ihre Bonität durch die staatliche Unterstützung gesichert. „Beim Miet-Anker geht es um eine Zielgruppe, die nicht viel mehr als ein Hartz-IV-Empfänger verdient“, betont Zimlich.

Die Linke begrüßt den neuen Mietanker. „Das ist ein guter Schritt. Wiro und Genossenschaften sollen gemeinsam mit der Stadt dafür sorgen, dass für alle Menschen, egal wie alt sie sind oder wie viel Einkommen sie haben, Wohnraum vorhanden ist“, sagt Eva-Maria Kröger, Linke-Fraktionschefin in der Bürgerschaft.

Generell sollte die Stadt laut Kröger endlich darüber reden, dass die Wiro nicht mehr jedes Jahr 14 Millionen Euro ans Rathaus ausschütten muss. „Stattdessen sollte die Wiro ihre Gewinne nutzen können, beispielsweise für Sanierungen, Verbesserungen des Wohnumfeldes und auch, um auf Mieterhöhungen verzichten zu können“, sagt Kröger. Die Linke habe bereits einen entsprechenden Antragsentwurf zur Diskussion an die anderen Fraktionen überreicht.

Hier gibt es den „Anker-Schein“

Die Prüfung der Einkommensverhältnisse erfolgt wie bei einem Wohnberechtigungsschein. Es gelten die gleichen Einkommensgrenzen. Der „Anker-Schein“ für die Wohnungssuche und auch der spätere „Anker-Bescheid“ für die Verlängerung werden für alle Interessenten beziehungsweise Mieter gebührenfrei erteilt.

Fragen von Interessenten beantwortet das Rostocker Bauamt, Sachgebiet Wohnungswesen und Wohnraumförderung, unter der Telefonnummer 0381 381 6055. Anträge werden zu den Öffnungszeiten im Haus des Bauens, Holbeinplatz 14, entgegengenommen: Dienstags 9 bis 12 und 13.30 bis 18 Uhr sowie donnerstags 9 bis 12 und 13.30 bis 16 Uhr.

André Wornowski

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