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Rostock Klimawandel bedroht die Ostseeküste
Mecklenburg Rostock Klimawandel bedroht die Ostseeküste
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20:46 09.10.2018
Wellen brechen sich am Strand von Altefähr auf der Insel Rügen. Im Hintergrund zeichnet sich die Hansestadt Stralsund ab. Quelle: Stefan Sauer/dpa
Rostock

Wo heute an den Küsten Mecklenburg-Vorpommerns tausende Menschen leben, könnten – wenn es mit dem Klimawandel ganz schlecht läuft - in Zukunft Wellen tosen. Nach Einschätzung des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages gelten an der Ostseeküste jene Gebiete als potenziell überflutungsgefährdet, die bis zu drei Meter über dem Meeresspiegel liegen. Das berichtet Spiegel Online. Betroffen wären Städte wie Rostock, Wismar und Ribnitz-Damgarten, Stralsund und Greifswald, aber auch weite Teile von Fischland-Darß-Zingst, Rügen und Usedom. An der Nordsee wären demnach sogar alle Gebiete bis zu fünf Meter über dem Meeresspiegel betroffen. Laut den Bundestagswissenschaftlern leben 3,2 Millionen Menschen in den küstennahen Abschnitten in Deutschland.

Anstieg des Meeresspiegels der Ostsee hat sich deutlich beschleunigt

Michael Naumann, Forscher am Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde, hat die Entwicklung des Ostsee-Meeresspiegels der vergangenen 8000 Jahre untersucht. Das Drei-Meter-Szenario bezeichnet er als „extrem“. Dennoch: „Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den letzten 150 Jahren deutlich beschleunigt“, sagt er. In Warnemünde sei der Spiegel in dem Zeitraum um 20 Zentimeter gestiegen, im Schnitt mache das 1,4 Millimeter pro Jahr. In dem 5800 Jahren davor sei lediglich ein Anstieg von 0,5 Millimetern nachzuweisen. Wichtigste Ursache sei der Temperaturanstieg auf der Erde, der zu einer Ausdehnung des Wassers und zum Abschmelzen von Gletschern und Polkappen führe. Das Oberflächenwasser der Ostsee ist laut Michael Naumann seit 1990 um 1,5 Grad wärmer geworden. „Wir wissen nicht genau, wie stark der Mensch dafür verantwortlich ist. Sicher ist aber, dass er seinen Teil zu dem Problem beiträgt“, sagt Naumann. Wissenschaftliche Prognosen würden davon ausgehen, dass der Meeresspiegel der Ostsee in den nächsten 100 Jahren zwischen 40 Zentimetern und einem Meter steigen könnte.

Extremereignisse wie Sturmfluten werden häufiger

MV investiert nach Angaben des zuständigen Landwirtschaftsministeriums jedes Jahr vier bis fünf Millionen Euro in den Küsten- und Hochwasserschutz. Seit 1990 sind 70 Millionen Euro für Deiche und weitere 100 Millionen Euro für sogenannte Aufspülungen ausgegeben worden. „Es ist unbedingt zu beachten, dass der Meeresspiegelanstieg nur eine Komponente im Küstenschutz und bei der Gefährdung der Bevölkerung ist. Eine vermutlich ebenso große Bedeutung muss der prognostizierten Zunahme der Häufigkeiten und Intensitäten von Sturmfluten, also insgesamt von Extremereignissen, beigemessen werden“, sagte Ministeriumssprecherin Martina Plothe. Potentiell seien in MV 1080 Quadratkilometer überflutungsgefährdet.

Der Weltklimarat hat in der Nacht zu Montag erklärt, eine Begrenzung der gesamten Erderwärmung auf 1,5 Grad sei immer noch möglich – aber nur, wenn der Ausstoß von Klimagasen, insbesondere Kohlenstoffdioxid, sofort und entschieden gesenkt wird. Zugleich machten die Wissenschaftler deutlich, dass eine Erwärmung des Weltklimas auf zwei Grad deutlich drastischere Folgen hätte, etwa für das Hunger- und Armutsrisiko der Weltbevölkerung, die Wahrscheinlichkeit extremer Wetterlagen, den Anstieg der Meeresspiegel oder die Artenvielfalt.

Alexander Müller