Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Meerglas – Strandschätze mit Geschichte
Mecklenburg Rostock Meerglas – Strandschätze mit Geschichte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 21.07.2017
Naturführer Martin Hagemann erzählt auf seinen Bernsteinführungen immer auch von den weniger bekannten „Juwelen des Meeres“. Er selbst ist fasziniert von den Fundstücken und sammelt sie. Quelle: Fotos: Privat
Prerow/Bützow/Rostock/Kühlungsborn

Wenn Martin Hagemann vom Strand nach Hause kommt, sind seine Taschen meistens ein bisschen ausgebeult. Der Naturführer bietet unter anderem Bernsteinwanderungen im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft an – hat aber nebenbei immer einen Blick für sogenanntes Meerglas. Während er mit einer Gruppe am Strand westlich von Prerow unterwegs ist, hält er eine scharfkantige Scherbe ins Sonnenlicht. „Was ist das für Sie?“, fragt er in die Runde. „Müll?“ Der braungebrannte Blondschopf schmunzelt unter seinem Schlapphut hervor, dann kramt er ein weiteres, im Laufe der Jahre von Wellen und Sand abgerundetes Glasstück aus der Jacke und kommentiert: „Wenn man genug Zeit hat, dann können aus Müll solche wunderbaren Schätze werden.“

Bunte Scherben faszinieren eine weltweite Sammlergemein- schaft. Naturführer Martin Hagemann erzählt auf seinen Bernsteinführun- gen von den „Juwelen des Meeres“

Früher, als kleiner Junge, hat sich Martin Hagemann einfach über die Schönheit der bunten Glaskiesel gefreut. Heute ist das Sammeln für ihn nur ein kleiner Teil dessen, was ihn daran fasziniert.

„Solche Meerglasstücke können Geschichten erzählen“, schwärmt der 48-Jährige. Sobald er wieder ein interessantes Exemplar nach Hause getragen hat, beginnt er mit der Recherche. Ist das Fundstück schon alt? Was mag es früher gewesen sein? Wo und wie wurde es hergestellt? Fragmente von Schriftzeichen und Mustern verraten dabei oft schon die grobe Richtung, in der er weiter recherchiert. Im Internet oder bei Glassammlertreffen finden sich weitere Hinweise und manchmal schreibt Martin Hagemann auch Unternehmen an, die als mögliche Produzenten infrage kommen. „Das ist richtige Detektivarbeit, aber es macht unheimlich viel Spaß“, versichert er.

Ähnlich wie dem Mecklenburger Naturführer ist es Ann-Christin Wimber aus Kiel ergangen. Strandgut hat auch sie als Kind schon gesammelt. Nach dem Studium in Rostock aber war sie ab und an in Amerika – und stellte verblüfft fest, dass es dort nicht nur dicke Bücher über „Sea-Glass“, sondern auch mehrere Meerglas-Vereinigungen gab. Deren Mitglieder kommen einmal jährlich zusammen, um bei diesen Treffen unter anderem die „Scherbe des Jahres“ zu küren – ein Anstoß, Ähnliches auch in Deutschland zu etablieren.

Ann-Christin Wimber tat sich mit anderen Sammlern zur Interessengemeinschaft Meerglas zusammen und betreibt die Internetseite www.meerglas.info. Über diese Plattform werden Tipps zum Bestimmen der Funde oder zu idealen Sammelstellen ausgetauscht. Nach und nach arbeitete sich die Frau, die hauptberuflich als Journalistin ihr Geld verdient, immer mehr in das Thema ein und schrieb schließlich das Buch „Meerglas suchen, finden, bestimmen“, in dem sie ihr Wissen weitergibt.

Martin Hagemann betrachtet nachdenklich seine Sammlung. Bunte Flaschenböden, ein alter Glasknopf, lila, schwarzgrün oder sogar zweifarbig schimmernde Stücke . . . Aus einigen seiner Strandschätze bastelt er schon mal Mobiles, Bilder oder kleine, mit bunten Schuppen besetzte Fische. Und am Finger trägt er einen Ring, in den die Rostocker Schmuckdesignerin Julia Kintrup eine ultramarinblaue Scherbe eingearbeitet hat.

Immer häufiger sind auf Märkten und in Ateliers in jüngster Zeit solche Arbeiten aus Meerglas zu finden. Jana Vagt zum Beispiel ist damit regelmäßig im Hafen von Dierhagen anzutreffen. Auch die in Bützow (Landkreis Rostock) ansässige Anne Gehlhaar arbeitet gerne mit diesem Material – und hat dazu eine ganz persönliche Beziehung. „Mein Mann und ich sind nach dem Studium für zehn Jahre in die Schweiz gegangen, weil es hier einfach keine Arbeit gab“, so erzählt sie.

In den Ferien kehrte die Familie aber immer wieder in die Heimat zurück und nahm Strandgut von der Ostsee als Souvenir mit. Anne Gehlhaar: „Irgendwann ist mir dann gedämmert, dass es viel zu schade ist, das nur auf der Fensterbank liegen zu lassen.“ Sie begann mit den ersten Meer- Schmuck-Produktionen, lernte, das Glas mit Diamantbohrern und stets in kaltem Wasser zu bearbeiten, damit es nicht zerspringt . . . und stellt ihre Werke heute in der Alten Büdnerei in Kühlungsborn aus. Die Frau, die von Hause aus Historikerin ist, ist überzeugt: „Ein Stück mit so einer langen Geschichte wie dieses Meerglas verdient auch einen vernünftigen Auftritt.“

Wann und wo sich das Sammeln lohnt

Wer Meerglas finden will, der wird an feinen Sandstränden nur wenig Glück haben. Besser ist es, nach einem kräftigen Sturm an steinigen Küsten den Spülsaum abzusuchen. Ideale Fundorte sind dabei vor allem Strände in der Nähe von Siedlungen und Orten, an denen in den vergangenen 50 bis 100 Jahren intensiv Handel getrieben wurde.

Als Eldorado für Meerglas- Freunde gilt in Deutschland vor allem die Nordseeinsel Helgoland, aber auch an der Küste westlich von Warnemünde, nahe dem Sassnitzer Hafen oder am Strand von Lubmin hat Martin Hagemann schon Schätze gefunden. Sein Tipp: Gerade bei Regen und Wind sind die Erfolgschancen groß. Dann nämlich befreit der Wind die Scherben vom Sand und die Nässe lässt sie in der Sonne glänzen.

Katja Bülow

Rostock OZ-Schulnavigator Teil 20: Das Förderzentrum an der Danziger Straße - Lernen für ein selbstbestimmtes Leben

Die Schule setzt den Schwerpunkt auf das Lernen. Auch die Berufsorientierung und der Umgang mit Medien werden gefördert.

02.02.2018
Rostock OZ-Schulnavigator Teil 19: Das Gymnasium Reutershagen - Eine Schule für junge Talente

Das Gymnasium ist Leitschule für die Förderung hochbegabter Schüler. Neben Naturwissenschaften gibt es auch ein sprachliches Profil.

06.02.2018
Rostock OZ-Schulnavigator Teil 18: Die Borwinschule - Wo aus Schülern „Borwinesen“ werden

Die Borwinschule ermöglicht alle Abschlüsse und setzt auf Wertschätzung und Toleranz / Individuelle Förderung von Schülern möglich

07.02.2018