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Messerstecherei in Groß Klein: Angeklagter schweigt

Stadtmitte Messerstecherei in Groß Klein: Angeklagter schweigt

Seit gestern steht ein 19-Jähriger vor Gericht, der mit 14 erstmals in Haft saß.

Stadtmitte. Graue Jogginghose, blaues Sweatshirt, Fußfesseln — und zwei Verteidiger. Michael H. aus Groß Klein muss sich seit gestern am Landgericht wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Er soll am 21. März 2012 und am 5. Februar 2013 im Streit mehrfach auf den Geschädigten Daniel L. mit einem Springmesser eingestochen und dabei den Tod des Opfers in Kauf genommen haben.

Selbst wollte sich der mehrfach vorbestrafte, 19-jährige Angeklagte vorerst nicht äußern im Prozess. Bei zwei Verteidigern solle es aber bleiben, gab er dem Gericht zu verstehen. Seinen Wahlverteidiger bezahle er selbst. „Ich hab‘ genug Geld, glauben Sie mir“, sagte er dem Richter, der wissen wollte: woher? „Ich arbeite im Knast, verdiene genug“, antwortete H., der sich ansonsten in der Verhandlung lässig zurücklehnte und über die Zeugenaussagen seiner Kumpel sehr zu amüsieren schien.

„Keine Ahnung“, war eine der meist gebrauchten Vokabeln der Zeugen im Gerichtssaal. Richter, Staatsanwältin und Verteidiger mussten sich im Verlaufe der Verhandlung manch freche Antwort anhören. Oder sie bekamen keine: „Ich werd‘ sowieso nichts sagen“, äußerte gleich der erste Zeuge. Erst als ihm der Vorsitzende Richter nach einer kurzen Sitzungsunterbrechung klar machte, dass er einen Teil der Verfahrenskosten zu tragen und außerdem bis zu sechs Monate Beugehaft absitzen müsse, wenn er nicht aussage, ließ er sich auf Fragen ein.

Auch das Opfer Daniel L. war nicht besonders redselig. Er berichtet von einer Rangelei und einem „Brustpuffer“, mit dem er H. weggestoßen habe. Von Hass auf den Angeklagten, der seine Freundin beleidigt und schließlich zehnmal zugestochen habe. Viel Alkohol, Drogen, „Schulvermeider“, keine Ausbildung, Kinderheim, Jugendgefängnis, Prügeln als Freizeitbeschäftigung und ein teilweise langes Straftatenregister — das beschrieb beim Prozessauftakt gestern nicht nur den Angeklagten, sondern auch einige seiner Kumpel, die als Zeugen geladen waren. Der Angeklagte, der noch sechs Geschwister hat, kam mit sechs Jahren in ein Kinderheim, mit 14 in Jugendhaft und seitdem immer nur kurzfristig frei.

Die Staatsanwaltschaft will H. nun für fünf Jahre in Haft bringen, die Verteidigung dagegen hält schon vier Jahre für zu viel. Fest steht, dass der 19-Jährige in einen Sicherungsentzug soll, um vom Alkohol loszukommen und irgendwann mal aus dem kriminellen Umfeld auszusteigen. Am 16. September wird die Verhandlung fortgesetzt. Doris Kesselring

 

OZ

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