Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Mit der Machete ins Zuckerrohr

Stadtmitte Mit der Machete ins Zuckerrohr

Arbeitseinsatz in Kuba: Matrosenlehrlinge der „Georg Büchner“ halfen 1969 bei der Ernte.

Voriger Artikel
Hansa leiht Griechen Nikolaos Ioannidis aus
Nächster Artikel
Weniger Busse: RSAG dünnt Angebot im Nordosten aus

Peter Noack, 1970 im ersten Lehrjahr zum Vollmatrosen. 2002 ist Peter Noack verstorben.

Stadtmitte. Tausende Seeleute sind zu DDR-Zeiten mit dem Ausbildungsschiff „Georg Büchner“ das erste Mal in See gestochen. Nun liegt die „Büchner“ vor der polnischen Ostseeküste auf Grund, gesunken vor einigen Wochen auf dem Verschrottungskurs. Die OSTSEE-ZEITUNG hatte danach ehemalige Fahrensleute aufgerufen, ihre Erinnerungen an das Schiff aufzuschreiben und zu schicken. Die OZ plant ein Buch mit diesen Geschichten.

0000zn6e.jpg

Schwarz-Weiß-Aufnahme aus der DDR-Zeit von 1977: Das Fracht- und Ausbildungsschiff „Georg Büchner“ lässt bei vielen Seeleuten Erinnerungen aufkommen..

Zur Bildergalerie

„Mein Vater hat auf der ‘Georg Büchner‘ gelernt“, schreibt Kai Noack aus Bayern, Gründer der Facebook-Seite „Rettet die Georg Büchner“. 2001 habe sein Vater Peter Noack seine Bordgeschichten notiert.

„Leider ist er 2002 verstorben und vor Rostock seebestattet.“ Die Geschichte von Peter Noack, „Junge, komm bald wieder nach Hause“, stellte der Sohn nun zur Veröffentlichung zur Verfügung.

„Im August 1969 beginne ich meine Ausbildung zum Vollmatrosen bei der DSR. Voller Erwartungen betrete ich die Gangway des Fracht- und Lehrschiffes ‘Georg Büchner‘, welches mein neues Zuhause sein wird“, schreibt Peter Noack darin. Und schildert seine ersten Eindrücke an Bord, unterteilt die Wohnbereiche in Blech-, Holz- und Polsterklasse. Er beschreibt das „Backen und Banken“ — Tisch decken und essen, und strenge Kontrollen nach dem „Reinschiff“.

„Nun bekommt jeder sein Besteck zugeteilt für die Zeit auf dem Schiff. Das müssen wir dann natürlich auch selbst abwaschen. Danach geht es zum Einkleiden in die Kleiderkammer. Es erhält jeder eine blaue und eine khakifarbene Uniform. Dazu Seesack, Bordpäckchen, Taklerhose, Pudelmütze, Pelzmütze, Wattejacke . . .“, erinnert sich Noack. Die erste Reise führte die angehenden Matrosen von Rostock nach Havanna, der kubanischen Hauptstadt.

„Unser Kapitän Schickedanz versteht es gut, mit Lehrlingen umzugehen. Er hat einen Ostpreußen-Dialekt. Bei Bordversammlungen am Rednerpult holt er sein Monokel aus der Tasche und klemmt es ins Auge“, zeichnet Noack in seinen Erinnerungen ein Bild des legendären Wustrower Flottenkapitäns Herbert Schickedanz. Beeindruckt scheint der junge Noack vom „smoke-time-Raum“. „Er befindet sich im achteren Deckshaus und wird rege genutzt. Auf Holzbänken wird gequalmt, was die Lunge verträgt.“

Dann endlich Kuba. „Kuba ist ein Fest. Kuba ist Lebensfreude, Fröhlichkeit und Gastfreundschaft“, erzählt Peter Noack in seiner Geschichte. Es wurde viel gefeiert und wenig gearbeitet. „Wir können nicht ewig hier im Hafen liegen. So beschließen wir als Schiffsmannschaft selbst Hand anzulegen. Jeder ausgerüstet mit einer Machete gehen wir dem Zuckerrohr auf den Feldern an den Kragen. Wir nennen es Subbotnik“, erzählt Noack, der trotz 30 Grad im Schatten Spaß an dieser Arbeit hatte. Für den Durst hatten die Compagneros 200-Liter-Wasserfässer mit Eisstücken auf die Felder gestellt. Getrunken wurde aus einer Blechbüchse mit Loch im Boden. „Der daraus fließende Wasserstrahl muss den geöffneten Mund treffen, das erfordert Übung“, so Noack.

Im Dezember 1969 beginnt für Peter Noack die zweite Lehrlingsreise auf der Büchner. Wieder geht es nach Kuba, diesmal aber mit einem Abstecher nach Mexiko.

Schreiben Sie uns
Tausende Seeleute wurden zu DDR- Zeiten auf dem MS „Georg Büchner“ ausgebildet. Das bedeutet eine Vielzahl von Erinnerungen, Anekdoten, Geschichten. Schicken Sie, liebe Leser, uns Ihre Erlebnisse und Begegnungen auf und mit dem Schiff, das unter mysteriösen Umständen untergegangen ist. Die OZ möchte diese Geschichten in einem Buch drucken.

Schreiben Sie an die OSTSEE-ZEITUNG, Lokalredaktion Rostock, 18055 Rostock, Richard-Wagner-Straße 1a. E-Mail: lokalredaktion.rostock@ostsee-zeitung.de.

Beim Tanz die Frau fürs Leben gefunden
Schmarl — „Für mich wurde die ,Georg Büchner‘ im September 1979 für ein halbes Jahr zu meinem neuen Zuhause. Zu diesem Zeitpunkt lag das Schiff schon fest vertäut in Rostock-Schmarl.

Meine Eltern brachten mich als 16-Jährigen aus Leipzig zum Beginn meiner Lehrausbildung zum Schiff.

So sehr ich mir wünschte, zur See zu fahren, mir war an diesem Tag zum Heulen zumute. Als ich aber dann am Abend, von meiner Kammer C-26, die Lichter im Rostocker Hafen sah, wurde mir ganz warm ums Herz. Romantik pur! So viel Charme hat, wo ich auch fuhr, kein anderes Schiff versprüht.

Das Ereignis, weshalb die ,Büchner‘ mein Leben wie keine andere Begebenheit geprägt hat, ist aber noch ein anderes: Am 11. Dezember 1979 lud unsere Lehrlingsklasse — so wie es damals öfter vorkam — eine Mädchenklasse aus der Shanty-Jugendmode in Evershagen ein. Auf diesem Tanzabend lernte ich meine heutige Frau Angela kennen. Im größten Schneetreiben habe ich sie dann am späten Abend zu Fuß

(Busse fuhren da nicht) bis zum S-Bahnof Lütten Klein gebracht und habe mir hier den ersten Kuss ,verdient‘. Seit 1982 sind wir nun über 30 Jahre glücklich verheiratet. Da soll noch mal jemand sagen:

Frauen bringen auf Schiffen Unglück.“

Jörg Beier, ehemaliger Lehrling

 

 

Doris Kesselring

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Rostock

Vor 25 Jahren wütete vor dem Sonnenblumenhaus der Mob. Vier Tage lang flogen Steine und Brandsätze gegen Flüchtlinge, Vietnamesen und Polizeibeamte. Die Anwohner applaudierten. Der Ausnahmezustand überforderte alle – Politik, Polizei und auch die Presse.

Hier finden Sie eine Multimedia-Reportage zum Thema. mehr

Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Beilagen
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

OZ-Bild
Das Thema Erben stellt sich mindestens zweimal im Leben

200 Leser informierten sich gestern im OZ-Medienhaus zu Nachlass und Pflege