Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Mode-Revolution aus Bentwisch
Mecklenburg Rostock Mode-Revolution aus Bentwisch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:34 22.09.2017
Hier geht die (modische) Post ab: Andreas Bartolf stellt mit Madeleine Schnabel im neuen Lager Bestellungen zusammen. Quelle: Fotos: Ove Arscholl
Bentwisch/Stadtmitte

Es ist der am schnellsten wachsende Markt im Internet-Handel: Mehr als 14 Milliarden Euro geben die Deutschen in diesem Jahr bereits online für Mode aus. In vier Jahren sollen es dann bereits 20 Milliarden sein. Und eine neue, junge Firma aus Bentwisch will an diesem Trend kräftig mitverdienen: Vor den Toren der Hansestadt – im Gewerbegebiet am Heydeweg – arbeitet das Team des Start-Ups „Adcada“ an nicht weniger als einer Revolution des Mode-Handels. „Wir sind der erste Shop, der das Geschäft im Internet und den stationären Handel in den Innenstädten mit einander verbindet“, sagt Geschäftsführer Benjamin Kühn. Mit Erfolg: In diesem Jahr will Adcada mit seinen Portalen bereits mehr als zwei Millionen Euro umsetzen, spätestens 2021 die Zehn- Millionen-Euro-Marke knacken.

„Adcada“ geht neue Wege im Online-Handel – und lockt Investoren aus ganz Europa

50 Bestellungen pro Tag verlassen derzeit das „Adcada“-Lager in Bentwisch. Montags sogar bis zu 200. Kurz vor Weihnachten sind es dann bis zu 450 Pakate täglich.

Zwei Internet-Portale gehören zum Unternehmen

Vor wenigen Wochen ist die Firma in neue, hochmoderne Räume am Heydeweg gezogen. Von dort aus betreibt „Adcada“ gleich zwei Shops im Internet: Auf der Seite www.outlet.fashion bieten die Bentwischer Vorjahreskollektionen von Designern bis zu 70 Prozent reduziert an. „Unsere wichtigste Marke ist aber www.fashion.zone“, sagt Geschäftsführer Kühn. Er ist 20 Jahre alt und führt die Firma zusammen mit Co-Chef Detlef Flüß. Auf die Idee, ein eigenes Geschäft im Internet aufzubauen, kam Kühn während seiner Ausbildung zum Kaufmann bei der Deutschen Post. „Ich habe da auch die eigenen Shops der Post kennengelernt. Das fand ich total spannend.“ Dass er in den Bereich Mode gehen wollte, war ihm auch schnell klar: „Aber es durfte kein normaler Shop werden. Das hat keine Zukunft.“ Denn Anbieter für „Ware von der Stange“ gibt es bereits genügend. Der US-Riese Amazon ist in dem Bereich aktiv, aus Deutschlands stammte zudem Europas größte Online-Modehändler Zalando. „Genauso wie Zalando wollen wir gerade nicht sein“, sagt Kühn.

Premium-Mode und neueste Designer-Kollektionen

Der Firmenchef und sein mittlerweile 18-köpfiges Team setzen stattdessen auf Premiumware: „Wir haben Premium-Mode, Designer-Ware aus dem In- und Ausland im Angebot.“ Bekannte Namen wie Guido Maria Kretschmer, Tiger of Sweden, van Laack oder Roberto Cavalli bieten auf www.fashion.zone. ihre neuesten Kollektionen an. Aber auch junge Marken wie Gaudi aus Italien oder Donna Carolina sind mit dabei.

„Unsere Kunden sind sehr trendbewusst“, so Kühn. In diesem Winter seien beispielsweise Rollkragen für Herren stark im Kommen. „Und legere Business-Kleidung geht auch immer.“ In den kommenden Monaten soll die Auswahl auf den Bentwischer Portalen wachsen: Kühn will mindestens 25 Herren- und 50 Damen-Marken anbieten.

Dienstleister für den Kunden, Geschäfte und Designer

„Adcada“ – und das ist das eigentlich Besondere – lebt aber nicht nur von einem Geschäftsmodell: „Wir verkaufen unsere Mode nicht nur an den Endkunden, sondern auch an stationäre Händler“, erklärt der junge Unternehmenschef. Dafür nutzt die Firma ihr neues Lager in Bentwisch: „Für kleine Einzelhändler ist es schwer, die neuesten Kollektionen von Designern anzubieten. Sie müssen die Ware acht Monate vorab bestellen und im Voraus bezahlen. Wir bieten diesen Geschäften an, diese Ware von uns zu beziehen – aus unserem Lager“, erklärt Kühn. Das gelte auch für andere, kleinere Online-Shops.

„Die Geschäfte minimieren ihr Risiko und können ihren Kunden zugleich eine größere Auswahl bieten. Da helfen wir, fungieren als Marktplatz.“ Geschäftsmodell Nummer drei: In Bentwisch baut „Adcada“ein eigenes Fotostudio. „Wir fotografieren darin nicht nur unsere eigenen Produkte für die Internet-Seiten, sondern auch für Dritte.“ Für junge Designer, die erst noch groß rauskommen wollen, fungiert „Adcada“ als Dienstleister: „Wir setzen die Mode in Szene, kümmern uns um Werbung und Marketing“, erklärt „Adcada“-Marketingchef Marcel Rudolph.

Investoren glauben an Konzept

Als 20-Jähriger ein eigenes Unternehmen zu gründen – „ohne die Hilfe der Familie geht das nicht“, sagt Benjamin Kühn. Seine Eltern hätten die Anschub-Finanzierung übernommen. „Meine Mutter ist auch sehr modeaffin. Wir sind halt ein Familienunternehmen.“ Bis heute hält Dana Kühn 90 Prozent am Unternehmen.Doch um weiter wachsen zu können, hat sich „Adcada“ auch für Investoren geöffnet – und die glauben offenbar an das Geschäftsmodell: 1,5 Millionen Euro haben Geldgeber aus ganz Deutschland und auch aus dem Ausland zur Verfügung gestellt. „Das sind private Anleger – zum Teil aus der Modebranche“, so Kühn. Banken hat er mit Absicht nicht ins Boot geholt. Die Anleger bekommen ihr Investment mit bis zu elf Prozent verzinst. „Wir wollen gesund wachsen. Nicht auf Druck.“

„Fashion.Zone“ plant eigene Geschäfte

Der nächste Schritt für „Adcada“: „Wir wollen auch eigene Laden- Geschäfte eröffnen – in Rostock, Hamburg, Berlin“, verrät Kühn. Die sollen ebenfalls revolutionär sein: „Bei uns stellen sich die Kunden vor riesige Bildschirme, werden dann gescannt und können so jedes Produkt digital anprobieren – aber ohne das lästige An- und Ausziehen.“ Im Frühjahr soll die erste Test-Boutique in Bentwisch entstehen.

In der Rostocker City schaut sich „Adcada“ bereits nach dem nächsten Standort um. „Aber Eines nach dem Anderen.“

2000 Euro: Erstmals Preis für gelungene Firmen-Übergabe

Mutige Gründer zu fördern – das ist das Ziel des OZ-Gründerpreises, der zum 15. Mal vergeben wird. Für den Sieger gibt es 5000 Euro, je 2000 Euro für die Gewinner der Sonderpreise "Mut zur Selbstständigkeit", gestiftet von der Creditreform von der Decken KG, und "Interessante Gründerstory" (Stifter: VR-Banken MV).Teilnehmen können Firmen mit Sitz in MV, die vor dem 1. Juni 2016 gegründet wurden und nicht älter als fünf Jahre sind. Erstmals wird zudem ein mit 2000 Euro dotierter „Nachfolgepreis“, gestiftet von der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Rostock, vergeben:

Teilnehmen können alle Firmen mit Sitz in MV, bei denen geplant ist, dass in den kommenden fünf Jahren ein Nachfolger die Firma übernehmen soll bzw. die innerhalb der letzten drei Jahre übergeben wurden.

Bewerbung: Fragebogen herunterladen auf www.ostsee-zeitung.de, online ausfüllen oder zuschicken an:

OSTSEE-ZEITUNG, Wirtschaft,

R.-Wagner-Straße 1a, 18055 Rostock.

Bewerber können den Fragebogen auch

anfordern unter der Telefonnummer

☎ 0381 / 365381 oder per Mail

existenzgruenderpreis@ostsee-zeitung.de

Andreas Meyer

Mehr zum Thema

Ein Vorschlag der Grünen zur Belebung der Innenstadt stößt auf Für und Wider

19.09.2017

Bei der Ernährung ist für viele klar: Was wir uns in den Bauch schlagen, sollte bio sein. Auch in der Mode wächst die Nachfrage, doch noch ist dieser Markt sehr klein. Wie erkennt der Verbraucher also, ob es sich etwa um herkömmliche oder Bio-Baumwolle handelt?

19.09.2017

Mit teils veralteten Seiten präsentieren sich Schönberg und Dassow im Internet / Die Gemeinde Selmsdorf macht’s besser

21.09.2017

Pünktlich zum 5. Geburtstag des Darwineums: Das am 24. Juli geborene Affen-Mädchen wurde im Rostocker Zoo getauft. An einer Online-Abstimmung hatten sich runf 7000 Zoofreunde beteiligt.

10.02.2018
Rostock OZ-Schulnavigator Teil 25: Das Abendgymnasium - „Jeder hat eine zweite Chance verdient“

Auf dem zweiten Bildungsweg können Erwachsene am Abendgymnasium das Abitur oder einen Teil der Fachhochschulreife erwerben.

07.02.2018
Rostock OZ-Schulnavigator Teil 24: Die Krusensternschule - 330 Schüler, 15 Länder und eine Schule

Die gebundene Ganztagsschule setzt auf vorbildliche Berufsorientierung und die Förderung von Schülern aus allen Nationen.

02.02.2018