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Morgensterns bewiesen gutes Gespür

Reutershagen Morgensterns bewiesen gutes Gespür

Das Rostocker Morgenstern-Streichquartett ist für das Kammermusikangebot in der Stadt ein stabiler und unverzichtbarer Faktor. Seit mehr als einem Jahrzehnt hält es unverdrossen die Würde des Streichquartettspiels hoch, mit regelmäßigen jährlichen Konzerten mit anspruchsvollen Programmen für die Kennerschaft.

Reutershagen. Auch bei ihrem gestrigen Konzert in der sehr gut besuchten Kunsthalle bestätigten die vier Musiker der Norddeutschen Philharmonie Bert Morgenstern (49, 1. Violine), Bettina Goffing (39, 2. Violine), Martin Poetsch (39, Viola) und Henning Ladendorf (36, Cello) ihr künstlerisches Format und ihre Lust auf musikalische Herausforderungen.

Es begann mit Schubert und endete mit Beethoven. Das Streichquartett Nr. 7 D-Dur von Schubert spielten sie gleichsam ungeglättet, enthoben bloß samtener Romantik, mit klaren Linien, dynamisch kontrastreich ausprofiliert, mit einer kleinen Restschärfe im Klang. Das tat ihm gut und ließ unter der Oberfläche seiner schönen Melodien eine kleine Bitternis und vage Wehmut erscheinen. Auch Beethovens Streichquartett A-Dur, die Nr. 3 aus op. 18, beließen sie nicht nur im ausgependelten klassischen Adel, sondern setzten deutlich kontrastierende Markierungen.

Dazwischen aber hatten die „Morgensterns“ ihr bestes Stück dieses Nachmittags platziert, das Streichquartett Nr. 1 (1924) des noch zu unbekannten Prager Komponisten Erwin Schulhoff, der als Jude und Kommunist von den Nazis verfemt und verfolgt wurde und erst 48-jährig in einem ihrer Internierungslager umgekommen war. Sein Quartett zeigt Parallelen zu den Klangwelten Bartóks und Strawinskys, ist aber durchaus eigenständig in seiner Mischung aus ursprünglichem Musikantentum und konstruktiver Arbeit: heftige Motorik, fahle Melancholie, folkloristisches Temperament und resignative Polytonalität.

Das Morgenstern-Quartett zeigte hier eine bravouröse Leistung, technisch überzeugend, mit musikalischer Vehemenz und kontrollierter Ausdruckskraft und mit einem guten Gespür für die klanglichen Effekte der gut beherrschten avancierten Spieltechniken. Zum Schluss gab es so viel Beifall, dass sie noch ein parodierendes Amüsement von Hindemith als Zugabe spendierten.

OZ

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