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Nach Feuer: Gutshaus rottet vor sich hin

Groß Potrems Nach Feuer: Gutshaus rottet vor sich hin

Verfahren zur Brandursache eingestellt / Besitzerin kümmert sich nicht um Denkmal in Groß Potrems

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Seit dem Brand des Dachstuhls im Sommer 2017 rottet das ehemalige Schlosshotel in Groß Potrems vor sich hin.

Quelle: Foto: Ove Arscholl

Groß Potrems. Der Rauch ist längst verflogen, doch ein großes Loch im Dach, verkohlte Deckenbalken und herabhängende Regenrinnen erinnern noch immer an den Brand des Gutshauses in Groß Potrems. Am 10. Juli 2017 stand das ehemalige Schlosshotel Nordland in Flammen. Der Hotelbetrieb war eine Woche zuvor eingestellt worden.

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Verfahren zur Brandursache eingestellt / Besitzerin kümmert sich nicht um Denkmal in Groß Potrems

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Die Polizei ging zunächst von Brandstiftung aus. „Wir haben Spuren gesichert, Vernehmungen durchgeführt, aber letztlich keinen Täter und keine Brandursache ermitteln können“, sagt Kristin Hartfil von der Polizeiinspektion Güstrow. Der Fall wurde der Staatsanwaltschaft Rostock übergeben, die das Verfahren inzwischen eingestellt hat, wie Sprecherin Maureen Wiechmann informiert. Bis zum Landratsamt in Güstrow ist das noch nicht vorgedrungen. Das Bauamt geht weiter davon aus, dass „Untersuchungen zur Brandursache und das Verfahren nach hiesigem Stand noch nicht abgeschlossen . . . und bei der Staatsanwaltschaft Rostock anhängig“ sind.

Und so rottet die denkmalgeschützte Immobilie vor sich hin. Wind und Wetter greifen die Substanz des alten Herrenhauses über den offenen Dachstuhl seit Monaten massiv an. Der Verfall scheint programmiert. Andreas von Gadow, ein Nachfahre des früheren Eigentümers, ist in Sorge. Er fordert Gemeinde und Behörden auf, sich für den Erhalt des Gebäudes einzusetzen. „Warum wird nicht wenigstens eine Plane, wie sie über jede Zuckerrübenmiete gezogen wird, über das Dach des denkmalgeschützten Gutshauses gebreitet?“, fragt von Gadow.

„Die notwendigen Sicherungsmaßnahmen an dem Gebäude sind durch die Höhe des Gebäudes und die schwer geschädigte Mauerkrone nur sehr aufwendig möglich und keinesfalls mit einer Notplane zu bewerkstelligen“, heißt es in einer Stellungnahme des Landkreises Rostock. „Die Sicherung des Denkmals kann nur durch eine Einrüstung mit eigenständigem Notdach erfolgen. Das ist sehr kostenintensiv und nur sinnvoll, wenn sich eine Instandsetzung des Denkmals anschließt“, teilt Kreissprecher Michael Fengler mit. Zuerst sei die Eigentümerin in der Pflicht, darauf verweist auch Dummerstorfs Bürgermeister Axel Wiechmann. Die Gemeinde habe nach dem Brand eine Notsicherung vorgenommen. Doch die Besitzerin der Gutsanlage, die in Berlin wohnt, habe bislang nichts unternommen. Anfragen der OSTSEE-ZEITUNG ließ sie bisher unbeantwortet. Funkstille zunächst auch gegenüber dem Landkreis. Bauamt und Untere Denkmalschutzbehörde hatten nach einer sofortigen Begutachtung des Objektes in Abstimmung mit dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege MV klargestellt, „dass der Denkmalwert des Gutshauses auch nach einer Beseitigung des umfangreichen Brandschadens und folgenden Löschmaßnahmen weiter gegeben ist. Ein Abbruch des geschädigten Gebäudes wird aus denkmalpflegerischer Sicht ausgeschlossen“, teilt Kreissprecher Fengler mit. Die Eigentümerin sei am 7. August 2017 darüber informiert worden, „dass sie gemäß Paragraf 6 des Denkmalschutzgesetzes MV als Eigentümerin verpflichtet ist, das Denkmal im Rahmen des Zumutbaren zu sichern und instandzusetzen“.

Die Aufforderung blieb ohne Reaktion. Erst nach weiterer Recherche konnte der Kreis die Besitzerin erreichen. „Ihr wurde mitgeteilt, dass es zwei ernsthafte Kaufinteressenten für das geschädigte Denkmal gibt“, erklärt Fengler, doch sie habe mit Hinweis auf das laufende Verfahren bei Staatsanwalt und Polizei „eine Kontaktaufnahme mit den Kaufinteressenten und eine Stellungnahme abgelehnt“.

Obgleich, wie beschrieben, das Verfahren eingestellt wurde.

Ein Kaufangebot stammt von Andreas von Gadow. Er will den einstigen Familienbesitz, seinen Eltern gehörte das Gutshaus bis zur Enteignung 1945, zurückerwerben – „allein um weiteren Schaden abzuwenden“, wie er betont. „Derzeit ist die Eigentümerin jedoch nicht zum Verkauf des Hauses bereit.“

Unter der Nummer 965 ist die „Gutsanlage mit Gutshaus, Park, Friedhof im Park, Pferdestall, Arbeiterwohnhaus/Stallspeicher“ in der Denkmalsliste des Landkreises Rostock aufgeführt. „Das Gutshaus stellt auch wegen seiner Stuckaturen eine Einmaligkeit für Mecklenburg dar und ist ein wesentliches kulturhistorisches Identifikationsmerkmal der Gemeinde Dummerstorf“, betont von Gadow. „Jeder Tag, an dem das Dach nicht geschlossen wird, ist eine Entscheidung für den Verfall des denkmalgeschützten Hauses.“

Bürgermeister Wiechmann ermutigt von Gadow, das Gutshaus zu kaufen. „Wir würden das begrüßen“, so Wiechmann, die Gemeinde könne das Objekt nicht übernehmen. „Wir haben mit zwei eigenen denkmalgeschützten Immobilien, dem Rittergut Bandelstorf und der Kapelle in Reez, gut zu tun.“

Viele Jahre Familienbesitz

Groß Potrems wurde erstmals 1373 erwähnt. 1871 wurde das Gutshaus errichtet und nach einem Brand 1879 im spätklassizistischen Stil (1891) wiederaufgebaut. Das ehemalige Rittergut befand sich über 300 Jahre im Besitz der Familie von Bülow. 1804 übernahm Familie von Gadow die Anlage bis zur Enteignung 1946. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren u.a. Wohnungen und der Dorfkonsum im Herrenhaus. 1993 erwarb es der Berliner Hotelier Erwin Opel, der es sanierte und 1996 als Schlosshotel mit etwa 30 Zimmern eröffnete. Nach Opels Tod 2007 mit 73 Jahren erbte seine 25-jährige Witwe.

Doris Deutsch

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