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Rostock Nach Unfall: Beging Rostocker Stadtentsorgung Fahrerflucht?
Mecklenburg Rostock Nach Unfall: Beging Rostocker Stadtentsorgung Fahrerflucht?
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18:11 08.12.2018
Ulf Bonte steht auf der Gerhart-Hauptmann-Straße an der Einmündung zur Wielandstraße, wo sein Fahrzeug beschädigt wurde. Quelle: OVE ARSCHOLL
Rostock

 Ulf Bonte ist sauer. Es hat einen Unfall mit seinem parkenden Campingbus gegeben, seitdem trägt sein Mercedes zwei tellergroße Beulen. Schaden: rund 2000 Euro. Zeugen: drei Nachbarn. Diese geben an, dass ein Fahrzeug der Stadtentsorgung beim Rangieren gegen Bontes Auto gefahren sei. Trotzdem wurde das Verfahren gegen das städtische Unternehmen eingestellt. Bonte hat sich nun einen Anwalt genommen, er will Gerechtigkeit.

Zeugen aus der Nachbarschaft

Der Rostocker selbst hat den Unfall an seinem Bus, der sich am 5. Mai 2017 in den Morgenstunden ereignete, nicht mitbekommen. Sein „Mercedes 309“ parkte an der Kreuzung Gerhart-Hauptmann-Straße / Wielandstraße, als ein Fahrzeug der Stadtentsorgung mit dem Wagen kollidiert sein soll. Die Nachbarn haben das Geschehen beobachtet, das Kennzeichen notiert und sich an die Polizei gewandt, schildert Bonte. „Sie haben auch gesehen, dass der Fahrer einfach weiterfuhr und waren entsetzt darüber.“

Der Lehrer selbst hat von den Zeugen-Aussagen erst erfahren, als am 19. Juni 2017 ein Schreiben der Polizeidirektion in seinem Briefkasten lag. „Es ging um die Ermittlung zur Höhe des Sachschadens an meinem Bus“, sagt Bonte. Durch den Brief erfuhr der 43-Jährige das Kennzeichen des Unfallverursachers, das einem Fahrzeug der Stadtentsorgung zugeordnet werden konnte.

Bonte war daraufhin zunächst erleichtert und wendete sich an die Schadensstelle der Stadtentsorgung. „Dort wurde mir gesagt, dass der Fahrer sich an nichts erinnern könne und auch kein Schaden am Müllfahrzeug festgestellt wurde“, erinnert er sich. „Im Endeffekt wurde der Schaden geleugnet. Als wäre nichts passiert. Das Auto mit dem Nummernschild stünde zudem nicht mehr auf dem Hof.“ Es gab eine Anzeige von der Polizei wegen Fahrerflucht. Das Ermittlungsverfahren wurde jedoch eingestellt, es gebe keinen hinreichenden Tatverdacht, hieß es. Das war im November 2017.

Klage eingereicht

„Es gibt ein Aktenzeichen und Zeugenaussagen. Menschen, die sich detailliert an den Unfall erinnern können. Reicht das nicht?“, fragt Bonte. Er fühlt sich im Stich gelassen. Ein Verkehrsrechtsanwalt prüft nun den Vorfall. Ohne Rechtsschutzversicherung müsse der 43-Jährige allerdings in Vorkasse gehen. „Die Stadtentsorgung zieht von Instanz zu Instanz. Ich sitze nun auf den Kosten und weiß nicht, ob ich das Geld wiedersehe.“ Sein Anwalt habe sich bereits an den Versicherer der Stadtentsorgung gewandt. Bis sich dieser zurückmeldete, vergingen fast zwei Fristen. „Erst dann wurde eine Reparaturkalkulation durchgeführt.“

Niemand kommt für Schaden auf

Im Oktober 2018 hat er nun Klage auf Schadensersatzansprüche eingereicht. Die Gerichtskosten trägt der Geschädigte erst einmal selbst. Nun hofft Bonte auf eine faire Verhandlung. „Das Schlimme ist, dass es so ungerecht zugeht“, sagt er. Er habe sein Auto ordnungsgemäß geparkt, ein Fremder verursacht einen Schaden und niemand, außer er selbst, müsse dafür aufkommen. „Das ist doch gewissenlos.“ Menschen, die nicht in Vorkasse gehen könnten, wären laut Bonte von vornherein die Verlierer. „Nicht jeder hat die Zeit und die finanziellen Mittel, dagegen anzugehen. Das macht mich sauer“, so Bonte. Für ihn übernehme die Stadtentsorgung keine Verantwortung.

Stadtentsorgung: Es war keine Fahrerflucht

Steffen Böhme, Sprecher der Stadtentsorgung Rostock, nimmt Stellung: „Die Polizei war bei uns im Haus und hat ermittelt. Daraufhin hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren eingestellt. In diesem Sinne ist es keine Fahrerflucht.“ Mehr möchte man zu dem Vorfall nicht sagen. Grundsatz sei, wenn ein Müllauto einen Schaden verursache, informiere der Fahrer den Einsatzleiter. „In der Regel kommt dann die Polizei“, so Böhme. Die Mitarbeiter seien in solchen Fällen versichert. „Natürlich passieren auch mal Schäden. Dann gibt es ein geregeltes Verfahren“, sagt der Sprecher. In diesem Fall sei dem Mitarbeiter kein Verschulden bewusst. Nun erwarte Ulf Bonte Post vom Gericht und hofft, dass es zu einer Verhandlung kommt. „Und derjenige für den Schaden aufkommt, der ihn verursacht hat“, ergänzt er.

Lea-Marie Kenzler