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Rostock Nach tödlichem Unfall: Rostocks Radfahrer fordern mehr Sicherheit
Mecklenburg Rostock Nach tödlichem Unfall: Rostocks Radfahrer fordern mehr Sicherheit
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19:23 11.03.2019
Ein 86 Jahre alter Radfahrer ist von einem Lkw erfasst worden und erlag seinen schweren Verletzungen. Quelle: Stefan Tretropp
Rostock-Stadtmitte

Dieser Unfall sorgt für Diskussionen in Rostock: Ein 86 Jahre alter Radfahrer ist in Lütten Klein von einem Lkw erfasst worden und am Freitag seinen schweren Verletzungen erlegen. Er ist der erste Verkehrstote der Hansestadt in diesem Jahr. Die Ermittlungen zum genauen Unfallhergang dauern laut Polizei noch an. Die InitiativeRadentscheid Rostock“ ist aber sicher: Mit einer besseren Verkehrsführung an der Kreuzung hätte der Unfall verhindert werden können. Die Aktivisten hielten daher eine Mahnwache ab. „Wir setzen uns dafür ein, dass es in Rostock nie wieder zu solch einem furchtbaren Unfall kommt“, sagt Gabriele Köpke vom Radentscheid.

Die Initiative fordert dafür eine Änderung der gesamten Rad-Infrastruktur. Diese müsse endlich so gestaltet werden, dass Zusammenstöße von vornherein vermieden werden, heißt es. Die Unfallkreuzung in Lütten Klein sei dafür ein Beispiel: Hier hätte eine geringere Geschwindigkeit des Lkws vor dem Abbiegen dafür gesorgt, dass der Fahrer den Radstreifen womöglich besser im Blick gehabt hätte. Die Initiative fordert neben sicheren Kreuzungen aber auch ausreichend breite und vom Autoverkehr getrennte Radwege.

Im Sommer 2018 gegründet

Der Radentscheid Rostock ist eine Initiative, die sich für sicheren Radverkehr in Rostock einsetzt. Der Radentscheid hat sich im Sommer 2018 gegründet. Die Aktiven haben mehrere Ziele für eine fahrradfreundliche Stadt formuliert, die sie mit einem Bürgerentscheid durchsetzen wollen. Kontakt: www.radentscheid-rostock.de

Die Rostocker Stadtverwaltung solle sich an den Niederlanden ein Vorbild nehmen. „Stattdessen bleibt sie tatenlos und kann die körperliche Unversehrtheit der Bürgerinnen und Bürger nicht garantieren“, sagt Marie Heidenreich vom Radentscheid. Gerade Radfahrer und Fußgänger seien in deutschen Städten übermäßig häufig Leidtragende des motorisierten Verkehrs. In Rostock waren im Jahr 2017 rund 43 Prozent der Schwerverletzten bei Verkehrsunfällen Radfahrer. Und 2018 kamen zwei Fußgänger ums Leben.

Stadt: Alle Straßen und Kreuzungen sicher

Der Leiter des städtischen Amtes für Verkehrsanlagen, Heiko Tiburtius, betont jedoch, dass sich die Stadt bei allen Bauplanungen an Empfehlungen und Richtlinien fürs Radfahren halte. Ziel sei stets eine klare und eindeutige Verkehrsführung. Positive Beispiele seien der Umbau von Kreuzungen zu Kreisverkehren, die Einführung des geplantes Radschnellwege-Netzes und auch die aktuelle Umgestaltung der Steintor-Kreuzung mit einer eindeutigen Radverkehrsführung. Gleiches gelte für den Brückenbau über der Stadtautobahn.

Die Initiative „Radentscheid Rostock“ hielt am Donnerstagabend am Unfallort eine Mahnwache ab. Quelle: Radentscheid Rostock

Laut Tiburtius sind sämtliche Straßen und Kreuzungen in Rostock sicher. „Verkehrsunfälle sind – bei aller menschlichen Tragik – in der Regel auf das Fehlverhalten einzelner Unfallbeteiligter zurückzuführen“, so der Amtsleiter. Werden jedoch Sicherheitsdefizite erkannt oder gemeldet, erfolge unverzüglich eine Überprüfung. Dafür gebe es auch eine örtliche Unfallkommission, die mehrmals im Jahr tage und die Verkehrsunfälle anhand von Gutachten analysiere. Und sofern es die Situation erfordere, werde die Verkehrsführung geändert.

Fahrradclub: Politik zugunsten des Autos

Der Fahrradclub ADFC Rostock bestätigt: „Immer häufiger werden Planungen nach den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen erstellt und können so in die Zukunft wirken“, sagt Club-Chef Michael Reitz. Auch das Aufstellen von Fahrradparkmöglichkeiten sei zu begrüßen. Doch das allein reiche nicht aus. „Wir sehen eine immer größer werdende Anzahl von Radfahrenden, die sich den Platz mit immer mehr Verkehrsteilnehmern teilen müssen.“ Dabei stoße die Infrastruktur in Rostock zunehmend an Grenzen und berge das Risiko von Konflikten. „Wir benötigen größere Aufstellflächen vor Kreuzungen und Ampeln.“

Reitz sieht ein grundsätzliches Problem in Rostock: „Während die Signale der Menschen bezüglich der Verkehrswende auf ,grün’ stehen und eine immer größere Anzahl auf alternative Verkehrsformen umsteigt, ruckelt der Motor der Stadtverwaltung nur und wird offensichtlich durch die Politik ,zu Gunsten des Autos’ gebremst.“ Dadurch entstehe nur ein Flickenteppich. „Ein Rad- und Fußweg parallel zur Hinrichsdorfer Straße nützt aber nichts, wenn an den Anschlüssen doch wieder miserable Verkehrsführungen beibehalten werden.“ Für Reitz ist klar: „Es wird mehr Geld zum Ausbau der Radwegeinfrastruktur benötigt.“ Das habe die Stadt schon vor vielen Jahre gewusst – „und ignoriert“.

Verstöße gegen Verkehrsregeln

Gleichzeitig müsse auf das Verhalten der Menschen im Straßenverkehr aktiv eingewirkt werden. „Zunehmend beobachten wir das Übertreten von Verkehrsregeln bei Auto- und Radfahrern“, sagt Reitz. Das Überfahren roter Ampeln, das Parken auf Radwegen, die Nutzung von Handys während der Fahrt und auch das Radfahren auf Gehwegen seien inzwischen zum Normalfall geworden.

André Wornowski

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