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Rostock Neptun-Koch hängt Kelle an den Nagel
Mecklenburg Rostock Neptun-Koch hängt Kelle an den Nagel
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00:00 14.08.2018
Warnemünde

Mehr als sein halbes Leben hat Michael Sellmann als Koch im Hotel Neptun in Warnemünde gearbeitet. In 47 Jahren hat er Prominente, Politiker, aber auch Urlauber und Einheimische bekocht. „Also ein bewegtes Leben. Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, erklärt der 63-Jährige.

Chefkoch Michael Sellmann geht in den Ruhestand. In 47 Jahren hat er im Neptun Hotel in Warnemünde einiges erlebt.

Geboren in Schwerin und aufgewachsen in Rostock hat sich Sellmann schon als Kind für das Kochen interessiert. „Meine Oma war Köchin und meine Mutter konnte auch gut kochen“, erzählt er. Der Berufswunsch war klar und er begann, im Hotel Neptun zu arbeiten. Zu DDR-Zeiten zu kochen sei nicht immer ganz einfach gewesen. „Eine Warenvielfalt wie heute gab es damals nicht.“ Doch in der zum Hotel Neptun gehörenden „Schillerstraße 14“ mit seinen sechs Restaurants sei das nicht das Problem gewesen. Hier gab es auch russische, asiatische oder skandinavische Küche. „Austern hatten wir sicherlich nicht, aber Kaviar gab es.“

Das Hotel hat dabei schon immer berühmte und mächtige Leute angelockt, die Sellmann schließlich bekochen durfte. 1972 war der kubanische Präsident Fidel Castro zu Besuch im Neptun. Abendbrot bestellte er sich in der Kegelbahn – ein Steak. „Schnell musste es gehen“, sagt Sellmann. Als das Steak ankam, freute sich Castro, winkte aber ab. Er war mit Kegeln dran. „Also wurde das Steak wieder in die Küche gebracht, wo es warmgehalten wurde. Noch fünfmal ging das so, bis Castro endlich aß!“

Auch an einen Scheich kann sich der Koch erinnern. Die meiste Zeit blieb dieser auf seinem Zimmer. „Er liebte Steak mit Champignons – und ich musste dieses Gericht jeden Tag für ihn kochen – zehn Tage lang.“ Der wohl verrückteste Gast sei 2010 der Box-Promoter Don King gewesen. Mit großem Presse-Rummel ging es zum Eisbein-Essen ins Restaurant. „Ich musste mich neben ihn setzen und ihm beim Essen das Rezept verraten“. Laut habe dieser herumgerufen: „Isch bin ein Roschtocker!“ Und während Fußballmannschaften eigentlich immer Nudeln mit Bolognese-Soße oder Milchreis essen würden, habe Helmut Kohl eine große Portion bestellt. „Und die hat er auch bekommen.“

In seiner Position als Koch hatte Sellmann sogar schon zu DDR-Zeiten die Chance, die Welt zu sehen. Zunächst sollte er als Koch eine Antarktis-Forschungsreise begleiten. „Als ich gefragt wurde, habe ich laut ,Hurra’ geschrien.“ Daraus wurde zwar nichts, doch dafür wurde er Anfang der 1980er Jahre nach Afrika geschickt – nach Angola. Ein Jahr lebte er in dem vom Bürgerkrieg gezeichneten Land und bekochte Fahrzeugschlosser aus der DDR. Hungern musste die Gruppe nicht. Doch nur, wenn sie wirklich alles aßen, was es gab. So musste er mit ranziger Butter und mit Würmern befallenem Mehl arbeiten. „Wer kochen kann, kann überall kochen und das Beste daraus machen“, lernt er daraus.

Deutlich mehr Möglichkeiten hatte er Ende der 80er Jahre, als er Koch in der DDR-Botschaft in London wurde. „Da wurde ich schon von ein paar Leuten beneidet, da es für sie damals keine Chance gab, in solche Länder zu reisen“, erinnert sich der 63-Jährige. Ihn habe diese Möglichkeit natürlich gefreut. Nach fünf Jahren kam er wieder zurück zum Neptun-Hotel, seit 1996 hat er hier dann durchgängig als Küchenchef gearbeitet.

Wie er seinen letzten Arbeitstag am 30. September verbringt, weiß er schon ganz genau. „Ich werde Inventur machen“, erzählt er schmunzelnd. Danach will er wieder öfter zu Hause kochen. „Ich habe den Spaß am Kochen nicht verloren.“ Hier verarbeitet er auch gern Produkte aus dem eigenen Garten. „Ich habe gerade erst Tomatensugo eingekocht.“ Auch Apfelmus und Marmelade gibt es bei ihm aus heimischer Produktion. Bei seinen Leibspeisen muss es dann jedoch etwas Herzhaftes sein. „Ich esse Rinderbacken für mein Leben gern.“ Auch Fisch liebt der Hobby-Angler – vor allem Dorsch. „Man kann ja viele Lieblingsgerichte haben“

Johanna Hegermann

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