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Rostock Netzwerk: Bevölkerungsprognose ist ein Zerrbild
Mecklenburg Rostock Netzwerk: Bevölkerungsprognose ist ein Zerrbild
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00:01 13.12.2017
Warnemünde

Die Bürgerinitiative Alter Fährhafen in Warnemünde setzt nun ihre Bestrebungen gegen die massive Bebauung der Mittelmole mit Hochhäusern fort und zieht die Bevölkerungsprognose der Hansestadt Rostock in Zweifel. Dazu hat das Netzwerk Rostocker Bürgerinitiativen (RoBin) die Vorarbeit in der Arbeitsgruppe Prognoseanalyse geleistet. „Die Bevölkerungsprognose geht davon aus, dass Rostock im Jahr 2035 auf gut 230000 Einwohner anwachsen wird“, sagte gestern Heiko Schulze, er ist einerseits Sprecher der Bürgerinitiative Alter Fährhafen und Koordinator der Arbeitsgruppe. „Damit ist das Zahlenwerk ein Totschlagargument, um den Widerstand gegen Bauvorhaben zu brechen.“

Woher sollen bis zum Jahr 2035 rund 30000 neue Rostocker kommen? / Das Netzwerk Rostocker Bürgerinitiativen hat nicht nur Fragen, sondern auch Zweifel / Das Gutachten sei „ein Totschlagsargument“ für weitere Wohnbebauung

In Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Bürgerinitiativen und der Unterstützung von Professor Dirk Linowski – einem Fachmann auf dem Gebiet der Wirtschaftsmathematik und der Analysemethodik – habe man die Bevölkerungsprognose der Hansestadt kritisch gewürdigt, sagte Schulze, der in der stadteigenen Prognose ein „Zerrbild“ sieht, dass zu fragwürdigen Entscheidungen auch im Hinblick auf die Bebauung der Mittelmole führen könne. „Uns scheinen die Prognosezahlen der Stadt ein eher unsicheres Fundament zu bilden“, sagte Schulze.

Damit die Hansestadt ihre Bevölkerungszahlen wie vorausgesagt erreichen kann, ist es nach Darstellung der Bürgerinitiative Alter Fährhafen vor allem notwendig, Arbeitsplätze zu schaffen. „Allerdings kann man aus der Studie des Hauptamtes nicht erkennen, wie hier ein Ansteigen der Beschäftigung erreicht werden kann“, sagte Schulze und bezieht sich dabei auf das Papier des Netzwerks Rostocker Bürgerinitiativen. So seien von den weltweit 9000 Beschäftigten bei Aida Cruises lediglich rund 900 in Rostock tätig, beim Entstehen der städtischen Bevölkerungsprognose sei schon bekannt gewesen, dass Bedienstete nach Hamburg umgesiedelt würden.

Ebenso sehen die Bürgerinitiative, das Netzwerk und ihr Fachmann nicht, dass weitere Landes- oder Bundesbehörden in Rostock angesiedelt werden sollen, sie aber seien ein möglicher und notwendiger Treiber für das Bevölkerungswachstum. Eine solche Kraft werde auch die Universität nicht entwickeln, deren „Studierendenzahlen auf einem historisch niedrigen Niveau“ angelangt seien. „Die Hochschule ist eine Regional-Uni“, sagt Heiko Schulze, „sie zieht bestenfalls Studenten aus Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg an.“

Rückblickend erkennt das Netzwerk an, dass ein Zuzug durch Flüchtlinge hätte entstehen können, wie es in der Bevölkerungsprognose festgehalten ist. Nun allerdings müsse dies neu bewertet werden, weil die Zahl der Abschiebungen steige, so dass dies eher zu einer negative Bevölkerungsentwicklung beitragen könne. „Mit diesen Problemen hat sich auch schon die Lokale Agenda 21 beschäftigt“, sagte Heiko Schulze, „deren Mitglieder konnten auch nicht so recht nachvollziehen, woher das Bevölkerungswachstum kommen soll.“

Ulrich Kunze, Sprecher der Stadtverwaltung, sagte gestern, im Internet sei nachzuvollziehen, auf welchen Grundlagen die Bevölkerungsprognose basiere. „Das kann dort jeder nachschauen.“ Man habe sich damals dafür entschieden, „diese Prognose selbst zu machen“, so Kunze weiter, „weil es damals – nicht nur in Rostock – viel Unzufriedenheit mit externen Partner gegeben habe. Sie waren einfach zu weit von der Realität entfernt.“ Das Zahlenwerk sei heute „ein absolut zuverlässiges Instrument für die Arbeit der gesamten Stadtverwaltung“, fügte der Pressesprecher hinzu.

Die Zuwachszahl von 30000 Bürgern betreffe in erster Linie jüngere Menschen und ältere, „die Zahl jener im erwerbsfähigen Alter steige nicht so stark“, sagte Kunze mit Blick auf die Arbeitsplätze in der Stadt.

Daniel Peters (CDU) wertete die Kritik an der Bevölkerungsprognose als „Störfeuer einiger Bürgerinitiativen“. Teils seien die Einwände „ an den Haaren herbeigezogen“, so sei es beispielsweise schon entschieden, dass die Marine ihre Präsenz in der Hansestadt verstärken wolle, und Arbeitsplätze bringe, sagte der Christdemokrat: „Wir stehen einfach unter dem Druck, etwas zu tun.“

„Man muss die Prognose mit Vorsicht genießen“, sagte Eva-Maria Kröger (Die Linke). „Denn wir wollen auch nicht alles mit Wohnungen zuknallen“, setzte sie hinzu. An Prognosen allerdings werde derjenige kein Interesse haben, der nun nach einer Wohnung in Rostock suche: „Wir haben jetzt das Problem auf dem Wohnungsmarkt.“

„Grundsätzlich schauen alle Gutachten in eine Glaskugel“, befand Uwe Flachsmeyer (Bündnis 90/Die Grünen), aber klar sei: „Wir haben zu wenig Wohnraum.“ Den Druck sehe man auch in anderen Städte, „und da ist es unwahrscheinlich, dass Rostock davon abgekoppelt wird.“

Michael Schißler

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