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Rostock Neue Beratungsstelle: Behinderte helfen Behinderten
Mecklenburg Rostock Neue Beratungsstelle: Behinderte helfen Behinderten
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00:58 19.04.2018

In ihrem Büro im Gemeinsamen Haus in Evershagen warten Margit Glasow, Deike Ludwig, Anne Winter und Arne Behrens seit Anfang April auf ihre „Kundschaft“. Sie beraten Menschen mit Behinderung, neutral und unabhängig von Ämtern oder Kassen. Das Besondere und Neue: Die Berater leben selbst mit einem Handicap und wissen, wovon sie reden. „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung“ heißt das deutschlandweite Projekt des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS).

Das Team der neuen Beratungstelle im Gemeinsamen Haus in Evershagen: Margit Glasow, Anne Winter, Arne Behrens (v.l.) und Deike Ludwig (vorn). Quelle: Foto: Thomas Niebuhr

„Das hat es so bisher noch nicht gegeben. Wir sind selbst Betroffene und beraten auf Augenhöhe“, berichtet Deike Ludwig. Zum Beispiel, wenn es darum geht, eigenständig zu wohnen. Der Ansatz: Menschen mit Behinderungen oder solche, die davon bedroht sind, haben ein Recht auf selbstbestimmte Teilhabe in der Gesellschaft. „Dabei kann eine gute Beratung helfen, um sie in ihrem Recht auf Selbstbestimmung zu stärken und sie dabei zu unterstützen, individuelle Teilhabeleistungen wahrzunehmen“, heißt es in der Projektbeschreibung. Zur Zielgruppe in der Stadt und im Landkreis Rostock gehören auch Angehörige.

Hemmschwelle für die Betroffenen ist geringer

„Die Hemmschwelle ist geringer, mit Leuten zu sprechen, die wissen, worum es geht“, sagt Margit Glasow. Unabhängig von denen, die das Geld für bestimmte Hilfsmittel oder die Betreuung geben, unabhängig von Ärzten und Ämtern. Sie denkt an Menschen, die zum Beispiel nach einem Unfall frisch mit einer Querschnittslähmung klarkommen müssen.

In der Hansestadt hat der 2014 gegründete Verein Rostocker für Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe den Zuschlag durch das BMAS bekommen. Das sei eher Ausnahme, denn in anderen Städten hätten sich die üblichen großen Wohlfahrtsverbände das Projekt geschnappt, berichtet Margit Glasow. Für einen kleinen Verein sei es schwierig, den geforderten Eigenanteil aufzubringen. „Da sind wir auch auf Spenden angewiesen“, erklärt Deike Ludwig.

Die vier Berater, die fast alle mit einer Behinderung leben, haben unterschiedliche Kompetenzen. Ihren Erfahrungsschatz wollen sie teilen, sagt Deike Ludwig. Sie beraten insbesondere zu Fragen der Inklusion in der Schule und auf dem Arbeitsmarkt, zum persönlichen Budget, zur persönlichen Assistenz, zur Hilfsmittelversorgung, dem selbstbestimmten Wohnen, aber auch zur Alltagsbewältigung und zu sozialrechtlichen Fragen. Dort, wo das eigene Wissen nicht ausreicht, holen sich die Berater Unterstützung. Jacqueline Prinz von der Rostocker Selbsthilfegruppe für Hörgeschädigte und Angehörige sagte bereits Hilfe zu. „Wir können die Fragen zu Hilfsmitteln für taube Menschen beantworten und wissen, wie den Betroffenen in der Freizeit und bei Behörden geholfen werden kann.“ Eine Rechtsberatung findet nicht statt.

Natürlich hätten sich Behinderte auch schon in der Vergangenheit gegenseitig geholfen, erzählt Deike Ludwig. Da lief das alles ehrenamtlich, jetzt gebe es feste und auch bezahlte Stellen. Bis 2020 finanziert der Bund das Projekt. Danach muss entschieden werden, ob das Arbeitsministerium diese Art der Beratungsstellen fördert. Die erste Aufgabe, die sie im neuen Büro haben: „Wir müssen unser Angebot bekannt machen“, erklärt Deike Ludwig. Am 15. Mai soll im Gemeinsamen Haus die feierliche Eröffnung gefeiert werden.

Büro im Gemeinsamen Haus in Evershagen

Die Beratungsstelle arbeitet unabhängig von Leistungsträgern und Leistungserbringern und niedrigschwellig für alle Ratsuchenden. Das Büro ist im Gemeinsamen Haus in Evershagen, Henrik-Ibsen-Straße 20, in Raum 1.33 zu finden und wochentags von 9 bis 12 Uhr und dienstags und donnerstags darüber hinaus von 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet. Am 15. Mai wird es dort eine offizielle Eröffnung geben, zu der alle Interessierten eingeladen sind. Solche Beratungsangebote werden mit dem Bundesteilhabegesetz seit 1. Januar durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Rahmen der Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung gefördert.

Thomas Niebuhr

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