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Rostock Neue Deponie für Rostocks Müll: Trinkwasser in Gefahr?
Mecklenburg Rostock Neue Deponie für Rostocks Müll: Trinkwasser in Gefahr?
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16:30 07.08.2018
Seit 2010 wird an der A 19 bei Güstrow Bauschutt und Schlacke aus Rostock entsorgt. Nun muss die Deponie Spoitgendorf erweitert werden. Quelle: Ove Arscholl
Rostock/Güstrow

Bleiben die Hansestadt und der Landkreis bald auf ihrem Müll sitzen – und das im wahrsten Sinne des Wortes? Eine der wichtigsten Müll-Deponien der Region wird vermutlich noch in diesem Jahr schließen müssen. Weil die ehemaligen Kiesgruben an der A 19 bei Spoitengendorf voll sind. Der Betreiber, die Firma GKM Güstrower Kies & Mörtel, will nun schnellst möglich erweitern. Doch im Genehmigungsverfahren gibt es Widerstand gegen das Vorhaben – ausgerechnet aus der Hansestadt: Umweltschützer fürchten, dass die Deponie Rostocks Trinkwasser gefährdet.

Bauschutt und Schlacke aus der Hansestadt

Seit Ende 2010 betreibt GKM direkt an der Autobahn zwischen Laage und Güstrow eine Deponie der so genannten Klasse I. „Bei uns werden ausschließlich mineralische Abfälle entsorgt“, sagt GKW-Geschäftsführer Jens Eckhoff. Bio-Müll, Hausmüll, „gelbe Säcke“ kommen nicht nach Spoitgendorf. In die Gruben dürfen nur Bauschutt, belastete Böden, (luftdicht verpackte) Asbest-Reste und auch Schlacke. „Und der Bedarf wächst“, so Eckhoff. In und um Rostock boomt die Bauwirtschaft – und damit steigt auch die Menge des „mineralischen Mülls“. Doch: Die Kapazitäten auf den Deponien im Land sind nahezu erschöpft. „Genau deshalb haben wir eine Erweiterung beantragt.“ Möglichst noch in diesem Jahr will die GKM 12,5 weitere Hektar in Betrieb nehmen. „Wo soll der Abfall denn sonst bleiben?“, fragt Eckhoff. Allein beim Bauvorhaben am Glatten Aal in Rostock sind nach früheren Angaben der GKM fast 15 000 Tonnen Erdboden zur Entsorgung angefallen. Aus dem Fischereihafen kamen weitere gut 20 000 Tonnen. „Wenn Rostock das Material zu anderen Deponien fahren muss – nach Ihlenberg an der A 20 zum Beispiel – wird das drei bis vier Mal so teuer“, erklärt Eckhoff.

Genehmigungsverfahren läuft noch

Ob Eckhoff wirklich erweitern darf, ist aber noch offen: „Das Genehmigungsverfahren läuft noch“, sagt Herbert Blindzellner, stellvertretender Leiter des zuständigen Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) in Rostock. Die Unterlagen und Plänen würden noch einige Wochen ausliegen. „Danach schauen wir uns die Einwände und Hinweise von Bürgern an.“ Noch in diesem Jahr dürfte eine Entscheidung fallen. „Bisher jedenfalls hat die Deponie Spoitgendorf alle zulässigen Grenzwerte problemlos und jederzeit eingehalten“, so Blindzellner. Er bestätigt auch: Ein Teil des Mülls, der im Landkreis entsorgt werden soll, stammt aus dem Ersatzbrennstoff-Heizkraftwerk im Rostocker Seehafen. Dort betreibt der schwedische Energie-Riese Vattenfall die größte Müllverbrennung des Landes. 40 bis 50 Lastwagen Restmüll werden dort nach Unternehmensangaben pro Tag verbrannt – insgesamt 180 000 Tonnen pro Jahr. Nur ein kleiner Teil des Abfalls stammt aus Rostock selbst. Nach Berechnung der Hansestadt kommen alle Bürger an der Warnow zusammen pro Jahr auf „nur“ 46 000 Restmüll. Zwei Drittel des Abfalls, bei dessen Verbrennung Vattenfall Fernwärme erzeugt, kommen von außerhalb. Was nach dem Feuer übrig bleibt, ist die so genannte Schlacke. Und die soll nach Spoitgendorf. „Die Schlacke wird bei uns nochmals gesiebt. Wir holen dann Metall raus – Eisen, Stahl, sogar Gold“, so GKM-Chef Eckhoff. „In anderen Bundesländern darf die Schlacke beim Straßenbau eingesetzt werden, in MV muss sie deponiert werden.“

Initiative will Verbrennung und Deponie stoppen

Widerstand – sowohl gegen die Erweiterung der Deponie als auch gegen den Betrieb des Müllheizkraftwerkes – kommt von der „Rostocker Initiative für eine zukunftsfähige Kreislaufwirtschaft“. „Solange die Verbrennung läuft, wird Schlacke anfallen. Und die muss entsorgt werden“, sagt Günter Hering, Sprecher der Umweltschutz-Gruppe. Und er fügt hinzu: „Aber die Schlacke und die übrigen Abfälle dürfen nicht nach Spoitgendorf!“ Denn die Deponie sei aus Sicht der Initiative nicht sicher: „Die Abfälle werden zuvor von einer anderen Firma als GKM sortiert und gelagert. Das geschieht unter freiem Himmel – und auf Flächen, die nicht abgedichtet sind.“ Schad- und Giftstoffe könnten so bei Regen in das Grundwasser gelangen. Die Deponie selbst sei zwar nach unten abgedichtet (nach GKW-Angaben mit Lehm- und Tonschichten sowie Drainagen, die das Sickerwasser in eine Kläranlage abführen), aber das sei nicht ausreichend. Hering: „Die Seiten sind nicht gesichert. Da kann belastetes Wasser weiterhin ablaufen.“ Seine Sorge: „Irgendwann gelangen die Schadstoffe in die Warnow – in unser Trinkwasser.“ Bisher habe das Stalu Einwände der Initiative abgelehnt: „Wir seien nicht direkt und persönlich betroffen. Aber wenn das Trinkwasser bedroht ist, sind wir sehr persönlich betroffen.“ GKM-Chef Eckhoff hingegen bezeichnet diese Bedenken als „groben Unfug“: „Spoitgendorf ist sicher. Rostock braucht Spoitgendorf.“

Andreas Meyer

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