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Neue Spurensuche am Primelberg?

Dierkow Neue Spurensuche am Primelberg?

Archäologen beenden Ausgrabungen im Sommer / Stadt will weiteres Forschungsprojekt anstoßen

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Besucher haben die Ausgrabungsstätte am Primelberg beschädigt. Die Stadt will nun wieder Ordnung herstellen. Im Sommer gehen die Ausgrabungen für vier Wochen weiter.

Quelle: Foto: Ove Arscholl

Dierkow. Die Suche nach Rostocks Wurzeln soll weitergehen: Dass die Hansestadt älter ist als bisher angenommen, haben Archäologen bereits im vergangenen Jahr durch Ausgrabungen am Primelberg herausgefunden. Ihre Funde stammen aus dem 8. Jahrhundert. Erstmalig urkundlich erwähnt wurde Rostock jedoch erst 1161. Für generelle Aussagen zu der Siedlung sind die untersuchten Flächen jedoch zu klein, sagt Rostocks Kulturamtschefin Michaela Selling. Auch Grabungsleiter Dr. Sebastian Messal vom Deutschen Archäologischen Institut (DAI) betont, dass die Befunde so einzigartig seien, dass man überlegen müsse, ob das nicht weitergehe.

OZ-Bild

Archäologen beenden Ausgrabungen im Sommer / Stadt will weiteres Forschungsprojekt anstoßen

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Die Stadt werde daher nun versuchen, die Forschungen am Primelberg auszubauen, sagt Selling. Eine Möglichkeit sei ein weiteres Forschungsvorhaben durch das DAI. Denkbar seien aber auch Untersuchungen durch den neuen Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Rostock. „Die Stadt ist bereit, als Kooperationspartner auch materielle und finanzielle Beiträge zu leisten“, betont die Kulturamtsleiterin.

Gleichzeitig sollen in den kommenden Jahren Konzepte entwickelt werden, wie die Grabungsergebnisse bekannter gemacht werden können. An den Ideen dazu sollen auch die Dierkower Bevölkerung, ehrenamtliche Gruppen und Studenten mitarbeiten.

In einem ersten Schritt soll zum 800-jährigen Stadtjubiläum eine Informationstafel am Fundort aufgestellt werden. Vielen gehe das jedoch nicht weit genug, sagt Steffen Ohm, Leiter des Stadtteil- und Begegnungszentrums (SBZ) Dierkow. „In zahlreichen Gesprächen mit Interessierten wird deutlich, dass weitere Ideen gefragt sind.“ So könnten zum Beispiel mehrere Tafeln oder ein Informationsweg erklären, was an dem bedeutenden Hafen- und Handelsplatz früher passiert ist. „Wir wollen dazu auch Informations- und Gesprächsabende anbieten“, so der SBZ-Chef.

Johanna Petzoldt (Grüne) vom Ortsbeirat Dierkow Neu fordert zudem Hinweisschilder, wo die Ausgrabungsstelle ist. „Für Außenstehende ist das nur schwer zu finden“, sagt Petzoldt. Ortsamtsleiter Wolfgang Westphal hat damit jedoch „Bauchschmerzen“, wie er sagt. „Wir müssen aufpassen, dass die Stelle nicht zerstört wird, wenn dort auch andere anfangen zu graben.“ Es sei noch zu früh, den Fundort auszuweisen. Erst müssten die Arbeiten endgültig abgeschlossen sein, so Westphal. Aus dem gleichen Grund könne laut Kulturamtschefin Selling am Primelberg auch noch kein Ausstellungsgebäude entstehen, wie es sich viele Hobbyarchäologen wünschen.

Insgesamt misst der Fundort 125 Quadratmeter. Bei den Ausgrabungen wurden unter anderem ein Grundstück mit Feuerstelle und Werkzeuge sowie Teile von Waffen gefunden. Diese Grabungsergebnisse und noch weitere herausragende, bisher nicht gezeigte Fundstücke sollen in einer Sonderausstellung des Kulturhistorischen Museums zum Stadtjubiläum 2018 gezeigt werden. Mittelfristig ist geplant, die Objekte im Archäologischen Landesmuseum unterzubringen – vorausgesetzt, es erhält seinen Standort in Rostock. Die Grabungsergebnisse könnten hier beispielhaft einen slawischen Seehandelsplatz präsentieren, so Selling.

Für Martin Lau (CDU), Chef des Ortsbeirates Dierkow Neu, hätte ein Landesarchäologisches Museum am Stadthafen dadurch noch mehr Charme. „Es wäre in Sichtweite zum Primelberg“, so Lau. Andererseits seien die Kosten sehr hoch. Bezogen auf die Präsentation der Grabungsergebnisse habe Lau ein gutes Gefühl. „Wir stehen zwar am Anfang, aber hier wird in Zukunft noch viel passieren.“

Die DAI-Archäologen beenden ihre Ausgrabungen mit einer vierwöchigen Arbeit im Sommer. Dafür werden noch ehrenamtliche Helfer gesucht.

Hafen und Handelsplatz

Archäologen haben im vergangenen Jahr zwischen Dierkower Damm und Warnowufer Siedlungs- und Hafenreste aus dem 8. Jahrhundert ausgegraben. Es sind Spuren einer ersten dauerhaften Besiedlung der späteren Hansestadt Rostock. Die Schiffe der dort ansässigen Händler und Handwerker konnten den Handelsplatz bei Dierkow über einen Nebenarm der Warnow erreichen. Um auch den unmittelbar an den Hafen angrenzenden moorigen Untergrund überbauen zu können, hat man damals vielfältige Holz- und Flechtwerkkonstruktionen genutzt, die bis heute erhalten geblieben sind. Die Archäologen haben zudem Steinhaufen freigelegt, die damals als Fundamente für Öfen oder Feuerstellen dienten.

André Wornowski

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