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Rostock Neue Treppe soll Gutshaus retten
Mecklenburg Rostock Neue Treppe soll Gutshaus retten
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00:19 13.04.2018
Philipp Kaszay zeigt eine Stufe der alten Treppe. Im Hintergrund sind die neu eingesetzten Fenster zu sehen. Quelle: Fotos: André Wornowski
Laage

Die neuen Fenster sind im Turmzimmer des Gutshauses Kobrow bei Laage schon eingebaut. Nun muss der Raum nur noch zugänglich gemacht werden:

Philipp Kaszay will in Kobrow weitere Räume zugänglich machen / Spendenaufruf gestartet

Es fehlt eine Treppe. „Leider hat der Einbau der herrlichen Fenster das Budget etwas aufgebraucht“, sagt Besitzer Philipp Kaszay. Er und Freunde haben nun eine Spendenaktion im Internet gestartet: Über ein sogenanntes Crowdfunding wollen sie die nötigen 9900 Euro für den Treppenbau zusammenbekommen. Bis zum 1. Mai läuft die Aktion noch.

„Wir haben inzwischen 2200 Euro zusammen“, sagt Kaszay. Er will mehr Räume in dem Gutshaus nutzbar machen, um durch Vermietung Geld einzunehmen, das für den Erhalt des Gebäudes gebraucht wird. Eine Ferienwohnung hat der gelernte Bauzeichner bereits fertig. „Ich bin jetzt dabei, für den Sommer eine zweite herzurichten“, sagt der 40-Jährige. Zusätzlich soll es drei Zimmer mit einem Gemeinschaftsbad geben. Sein Antrieb: „Ich will ein Kulturgut des Landes erhalten, indem ich es bewohne und benutze. Es ist wichtig, dass Bewegung in dem Haus ist.“

2011 hat Kaszay das Gutshaus gekauft. Er habe sich schon immer für Architektur und Historie interessiert. „Ich komme ursprünglich aus Süddeutschland. Da gibt es solche Gutshäuser wie in Mecklenburg- Vorpommern nicht. Mich hat diese Landschaft in Kombination mit den alten Häusern gleich bei meinem ersten Besuch fasziniert.“

Mit seiner Tochter (10) ist er 2012 in Kobrow eingezogen. Zuvor habe das Haus zehn Jahre lang leer gestanden. „Vandalismus, Wind und Wetter haben dem Gebäude in dieser Zeit stark zugesetzt.“ Fenster waren eingeworfen, die Fußböden teilweise verfault, Treppen zertreten und Kloschüsseln zerbrochen. Das Grundstück auf der Rückseite des Hauses war komplett zugewachsen. Auch habe die Nutzung durch Jugendclub, LPG-Verwaltung oder Kindergarten Spuren hinterlassen.

Als Erstes schuf Kaszay Wohnraum für sich und seine Tochter. „So konnten wir dem Vandalismus Einhalt gebieten.“ Dann klopfte er Putz ab, ließ das Gewölbe mit Druckluftstrahlen säubern und riss Zwischenwände heraus. „Ein Großteil der bisherigen Arbeit ist nicht zu sehen, weil ich die meiste Zeit damit beschäftigt war, die nachträglichen Einbauten zu entfernen“, sagt Kaszay. Er will die ursprüngliche Struktur wieder herstellen. Besucher sollen so einen authentischen Eindruck von dem Gutshaus bekommen.

Beim Herrichten des Hauses hat Kaszay schon einige böse Überraschungen erlebt: „Ich dachte, dass nach dem Entfernen des PVC-Fußbodens die alten Dielen wieder genutzt werden können. Die waren jedoch völlig vergammelt.“ Am schlimmsten seien die Tage, wenn es so aussieht, als komme er nicht voran. „Das Abkratzen der Farbe von einer Tür dauert sehr lange – hat aber keinen großen Effekt.“ Beim Herausreißen einer Wand sei der Erfolg dagegen viel sichtbarer.

Seit einigen Jahren beteiligt sich Kaszay an der traditionellen Mittsommer-Remise, bei der Schlösser und Gutshäuser in MV ihre Türen öffnen. „Viele Besucher kommen zu uns, um zu sehen, was aus ihrem alten Arbeitsplatz oder ihrer früheren Wohnung geworden ist.“ Dorfbewohner und andere hätten ihm dabei schon viel über die Geschichte des Hauses erzählt.

Neben der diesjährigen Mittsommer-Remise am 23. Juni plant Kaszay ein Sommerfest am 7. Juli. Es ist als Dankeschön für die Teilnehmer des Crowdfundings gedacht. Einige haben bei der Spendenaktion kritisch nachgefragt, warum die Treppe denn so teuer sei. Das habe mit der Raumhöhe von 3,70 Metern zu tun, erklärt Kaszay. „Wir brauchen im Prinzip auch zwei Treppen. Diese entsprechen jedoch drei Treppen eines normalen Wohnhauses.“

Das Crowdfunding ist über die Seite des Gutshauses im sozialen Netzwerk Facebook erreichbar. Das Wort Crowdfunding setzt sich aus den englischen Wörtern crowd (deutsch: „Menge, Menschenmasse“) und funding („Finanzierung“) zusammen. Im Deutschen wird es „Schwarmfinanzierung“ genannt.

1865 erbaut

Das Gutshaus Kobrow ist nach Auskunft von Besitzer Philipp Kaszay im Jahr 1865 erbaut worden. Bauherr war die Familie von Bülow. Im Jahr 1930 geriet der Sohn der Familie jedoch in wirtschaftliche Schwierigkeiten – das Haus wurde zwangsversteigert. Eine Schule zog ein.

Zu DDR-Zeiten wurde dann LPG-Büros, ein Speisesaal und eine Küche eingerichtet. Nach der Wende folgten kurzfristig ein Kindergarten und ein Jugendclub. Bis Anfang der 2000er Jahre war das Haus noch bewohnt. Danach stand es leer.

André Wornowski

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