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Rostock Dieser Däne will Rostocker Oberbürgermeister werden
Mecklenburg Rostock Dieser Däne will Rostocker Oberbürgermeister werden
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13:39 03.11.2018
Claus Ruhe Madsen will Rostocks OB werden. Quelle: OVE ARSCHOLL
Rostock

Der Däne Claus Ruhe Madsen will für ein Novum sorgen. Geht der Plan des 46-Jährigen auf, wird er Ende Mai als erster Ausländer zum Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt gewählt. Eine Konstellation, die es nach Angaben des Deutschen Städte- und Gemeindebundes so noch nicht gegeben hat. Madsens Botschaft könnte mit „viel reden, viel lachen und dann entscheiden“ zusammengefasst werden. Damit möchte er in den kommenden sieben Monaten Wahlkampf machen.

Fünf Kandidaten für das Amt

Bis zur Wahl Ende Mai muss sich der parteilose Madsen, der von CDU und FDP nominiert wurde, mit Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke), dem grünen Fraktionschef Uwe Flachsmeyer, dem Personalchef der Stadtverwaltung Dirk Zierau (Wählerbündnis UFR) und voraussichtlich mit Finanzsenator Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) messen. Ein Rennen, bei dem Beobachter noch keinen Favoriten ausgemacht haben. Trotz aller politischer Unterschiede werde er seinen ruhigen kommunikativen Stil beibehalten, bekräftigt Madsen.

Die Hansestadt wird am 26. Mai 2019 einen neuen Rathaus-Chef wählen. Amtsinhaber Roland Methling (parteilos) wird dann nach 14 Jahren in den Ruhestand gehen. Er darf aus Altersgründen nicht mehr antreten.

Vor mehreren Monaten war der Präsident der IHK zu Rostock und Chef einer Möbelkette mit fünf Standorten und 100 Mitarbeitern „aus dem politischen Raum“ angesprochen worden, ob er sich nicht um den Posten des Verwaltungschefs von Mecklenburg-Vorpommerns größter Stadt bewerben wolle. „Das habe ich zunächst nicht ernst genommen, aber als dann konkrete Nachfragen kamen, habe ich mich ernsthaft damit beschäftigt“, erzählt Madsen.

„Er hat durchaus gute Chancen“

Lange habe es nicht gedauert und Madsen, der seit 1998 in Rostock lebt und hier seine Karriere aufgebaut hat, war nach Gesprächen mit der Familie und den Partnern in seiner Firma bereit. „Ich könnte nun nach 20 Jahren ein Buch schreiben, aber nach weiteren 20 Jahren als Möbel-Unternehmer wäre es nicht dicker“, verweist er auf seinen Tatendrang.

„Er hat durchaus gute Chancen“, sagt der Rostocker Politologe Jan Müller. Madsen vertrete den wichtigen Wirtschaftsbereich in der Region und könne sich wegen seiner Parteilosigkeit den Wählern als unabhängig darstellen. Zudem sei in der politischen Mitte viel Platz für einen Kandidaten wie ihn.

Zusammensetzen und Kaffee trinken

Hintergrund der Kandidatur sei, dass es richtig viel zu tun gibt in der Hansestadt, die in den vergangenen 14 Jahren vom parteilosen Roland Methling geführt wurde, sagt Madsen. Methling hatte die Stadt mit mehr als 210 Millionen Euro Kassenkredite übernommen und die Zeit genutzt, diesen Schuldenberg vollständig abzubauen. Madsen möchte dies zwar als gute und richtige Arbeit, aber nicht ausschließlich als Verdienst betrachten. „Es ist ein Trugschluss, dass wir nun eine heile Welt haben“, verweist er auf den teils indiskutablen Zustand von Straßen, das fehlende Radwegenetz, Probleme im Wohnungsbau oder die unzureichende Digitalisierung in Schulen. „Da blieb viel zum Schuldenabbau liegen.“

Mitverantwortlich dafür seien auch die Dauerkonflikte Methlings mit der Bürgerschaft und dem umliegenden Landkreis Rostock. Sollte er gewählt werden, läge seine Priorität in diesen Gesprächen. „Wir müssen uns zusammensetzen und Kaffee trinken“, sagt Madsen, bei dem täglich zwei Liter Kaffee Standard sind. Dabei müssten auch geplante Großprojekte wie Volkstheater, Buga 2025, Museum oder Sporthallen auf den Prüfstand gestellt werden. „Wenn aber die Dinge festgezurrt sind, gilt, dass Verträge zu halten sind.“

Madsen fehlt es an Erfahrung

„Natürlich erwarten wir von allen Kandidaten, dass das Klima zwischen Politik und Verwaltungsspitze besser wird“, sagt auch Eva-Maria Kröger, Vorsitzende der linken und damit der größten Bürgerschaftsfraktion. Eigentlich sollten gute und respektvolle Gespräche auf Augenhöhe eine Selbstverständlichkeit für alle sein, verweist sie auf Defizite der Vergangenheit.

Beobachter sehen in Madsens Unerfahrenheit im Umgang mit der Verwaltung das größte Handicap. Denn der Job beinhaltet auch die Führung von rund 2500 Angestellten im Rathaus. Doch Madsen ist sich sicher, dass da seine Fähigkeiten zur Kommunikation weiterhelfen. „Mitarbeiter müssen geschätzt werden, Verantwortung und echte Entscheidungskompetenz erhalten. Dann werden sie ihr Bestes geben. Mehr kann man nicht verlangen.“

RND/dpa