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Rostock Neuer Militärpfarrer für das Korvettengeschwader
Mecklenburg Rostock Neuer Militärpfarrer für das Korvettengeschwader
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11:45 11.09.2018
Christian Moritz (links) und Pfarrhelfer André Schröder kümmern sich um das Seelenheil der Seeleute in hohe Düne. Quelle: Dietmar Lilienthal
Rostock

Das kleine Kreuz aus Birkenästen ist vor dem Hintergrund der großen grauen Korvetten kaum zu sehen. Direkt am Kai des Rostocker Marinestandortes Hohe Düne markiert es den Ort, an dem Pfarrer Christian Moritz zum Freiluft-Gottesdienst lädt. Seit dem 1. September ist er der erste evangelische Militärseelsorger eigens für Hohe Düne und das Korvettengeschwader.

Für den 44-Jährigen, der zuvor eine Gemeinde im thüringischen Meiningen betreut hatte, ist die neue Stelle eine spannende Herausforderung: „Hier wird das Pfarramt komplett neu aufgebaut, während andernorts Pfarrämter zusammengelegt oder geschlossen werden“, sagt Moritz. Außerdem habe es ihn gereizt, wieder stärker in der Seelsorge zu arbeiten.

Christian verweigerte Kriegsdienst

Ein Uniformträger sei er nicht, betont Moritz – auch wenn er zu bestimmten Anlässen dann doch Uniform trägt. Einerseits diene der schwer entflammbare „Bordgefechtsanzug“ dem Schutz. Andererseits will Moritz bei Einsätzen an Bord auch nicht herausstechen: „Es würde für Verwirrung sorgen, wenn einer in zivil rumläuft.“

Für Moritz ist es eine neue Herausforderung, denn er selbst hatte den Kriegsdienst verweigert. Dies sei aber kein Widerspruch zu seiner neuen Funktion: „Ich wurde ja nicht an der Waffe ausgebildet und trage auch im Einsatz keine Waffe – anders als etwa die Sanitäter.“ Zudem habe er als Jugendlicher nicht das Militär als solches abgelehnt: „Ich konnte mir nur nicht vorstellen, einen Menschen zu verletzen oder sogar zu töten.“

Beim oft diskutierten Thema des Segnens von Waffen reagiert Moritz ein wenig genervt: „Waffen segnen wie zu Kaisers Zeiten, das gibt es nicht mehr. Wir evangelischen Pfarrer segnen ohnehin keine Dinge, sondern nur Menschen. Denn es sind die Menschen, die entscheidende Dinge tun.“ Dementsprechend werde er auch die fünf neuen Korvetten, die in den nächsten Jahren in Rostock stationiert werden, nicht segnen. „Aber einen Gottesdienst zur Indienststellung würde ich gerne abhalten.“

Liebe, Freundschaft, Trennung von zu Hause

Die Soldaten, die künftig bei ihm seelischen Beistand suchen, könnten jedoch durchaus in diese Situation kommen. Darauf will Moritz sie vorbereiten – etwa im lebenskundlichen Unterricht, neben dem Gottesdienst und der Seelsorge die dritte Säule seiner Tätigkeit. „Das ist kein Religionsunterricht, sondern ich will den Soldaten mitgeben, wie sie Entscheidungen treffen, die sie mit ihrem Gewissen vereinbaren können.“ Allerdings räumt er auch ein: „Es ist schwer, vom Schreibtisch aus zu sagen, was ich in einer absoluten Notsituation tun kann.“ Seit 1. Juni ist Moritz am Standort. Die ersten drei Monate dort dienten der Eingewöhnung, erst jetzt darf er ganz offiziell als Militärpfarrer arbeiten. „Ich wohne bislang auf dem Stützpunkt. Das ist eine gute Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und das Leben der Soldaten hautnah mitzuerleben.“ Mit dem einen oder anderen Seemann hat er auch schon ein Feierabendbierchen getrunken. „Es ist spannend, mit jungen Erwachsenen zu tun zu haben, die im Alter meiner Kinder sind. In der Kirchengemeinde hatte ich es eher mit der Generation 60plus zu tun.“

Korvette „Oldenburg“ zum Einsatz vor dem Libanon

Mit rund 60 Soldaten an Bord ist die Korvette „Oldenburg“ am Montag von ihrem Heimathafen Rostock-Hohe Düne in Richtung Libanon ausgelaufen. Das Schiff ist Teil der Unifil-Mission, mit der unter anderem der Schmuggel von Waffen unterbunden werden soll. Das Schiff wird neun Monate vor dem Libanon unterwegs sein.

Die jungen Soldaten kommen mit Fragen zu Liebe, Freundschaft oder Trennung von zu Hause zur Seelsorge in Pfarrer Moritz’ Büro. Dabei kann er auch gut vermitteln, denn er selbst gehört nicht der Truppe an und muss daher nicht auf die militärische Hierarchie Rücksicht nehmen. „Wir haben keinen Rang, sind aber mit jedem auf Augenhöhe“, erklärt er. So kann er sich etwa Probleme von einfachen Soldaten anhören und, ohne den Dienstweg einzuhalten, beim Kommandeur vorbringen.

Im Einsatz auf einer Korvette sei das besonders wichtig: „An Bord herrscht noch eine strengere Trennung der Ränge. Da setzt sich der Kommandant nicht einfach in die Mannschaftsmesse und sagt: ,Komm, wir reden mal.’ Ich kann das.“ Und er fügt lachend hinzu: „Wir Himmelskomiker sind einfach nur da, wenn uns die Soldaten brauchen.“

Büssem Axel