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Rostock Neues Nienhäger Wohngebiet „Am Beiksoll“: Viele offene Fragen
Mecklenburg Rostock Neues Nienhäger Wohngebiet „Am Beiksoll“: Viele offene Fragen
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00:05 10.02.2018
Im neuen Nienhäger Wohngebiet „Am Beiksoll“ hat die Erschließung begonnen. Die Arbeiten sollen Ende Juli abgeschlossen sein. Quelle: Fotos: Lennart Plottke, Sabine Hügelland, Anja Levien
Nienhagen

Bagger und Lkw rollen über das Gelände an der Doberaner Straße, erste Grundstücke sind abgesteckt, Baugruben ausgehoben, einige Rohre sind bereits in der Erde – die Arbeiten für das neue Nienhäger Wohngebiet „Am Beiksoll“ sind trotz der winterlichen Wetterbedingungen in vollem Gange.

„„Ich sehe die große Gefahr, dass viele der Wohnungen zu Ferienimmobilien werden – und die alten Leute stehen am Ende draußen davor.“Wolfgang Lange (BIG) Gemeindevertreter
„„Als alle Messen gesungen waren, kamen Ände- rungswünsche – das kann man im Nachhinein eigentlich nicht mehr verlangen.“Michael Flügel (CDU) Vorsitzender Bauausschuss

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Baugrundstücke

werden aktuell im neuen

Nienhäger Wohngebiet

„Am Beiksoll“ erschlossen.

Der B-Plan

legt eine Bebauung fest, die aus Einfamilien- und Reihenhäusern bestehen kann – wobei die Reihenhäuser in

ihrer Bauart den

Wohnbedürfnissen von Menschen anzupassen sind, die auf besondere Eigenschaften

von barrierefreien und

altersgerechten Wohnungen

angewiesen sind.

Und doch reißen in der Gemeinde die Diskussionen um diese Baumaßnahme nicht ab. Ein Kritikpunkt: Obwohl der Bebauungsplan festlege, dass Gebäude barrierefrei und altengerecht konzipiert werden müssten, habe der Investor diese Maßgabe nicht umgesetzt. „Ich habe schon vor anderthalb Jahren darauf hingewiesen“, sagt etwa Wilfried Kändler. Der Nienhäger ist Mitglied im Beirat für Menschen mit Behinderungen des Landkreises Rostock. „Leider ist bislang nichts passiert.“

Debatte um Planungsziele

Stimmt so nicht, entgegnet Michael Flügel (CDU): „Die Planungen sind mehr als ein Jahr her, die Unterlagen haben öffentlich ausgelegen, jeder Bürger hatte Gelegenheit, sich dazu zu äußern“, macht der Vorsitzende im Nienhäger Bauausschuss deutlich. „Und als alle Messen gesungen waren, kamen Einwände und Änderungswünsche – das kann man im Nachhinein eigentlich nicht mehr verlangen.“

Eine Aussage, über die sich Wilfried Kändler nur wundern kann: „Die Pläne, die im Amt liegen, beschreiben doch nur grob den tatsächlichen Zustand – die Defizite werden erst jetzt richtig deutlich.“

Immerhin: „Obwohl sie es nicht mehr müssten, haben Investor und Planer jetzt noch einige Zugeständnisse gemacht“, erklärt Flügel. So werde etwa bei der Wegeführung zum umgesetzten Buswartehäuschen am Rand des neuen Wohngebietes auf Menschen mit Handicap eingegangen, dazu gebe es erhöhte Bordsteine für eine bessere Orientierung sowie zwei Behinderten-Parkplätze.

Investor am Pranger

Das höre sich alles gut an, meint Wolfgang Lange (BIG): „Nur leider steht davon nichts in der Beschlussvorlage für die Erschließungsplanung – das sind alles nur mündliche Zusicherungen.“ Deshalb plädiere er dafür, die genannten Änderungen schriftlich in die Ausführungsplanung aufzunehmen, so Lange: „Das ist ein großes Stück Papier – und wir haben im Zweifel was in der Hand.“ Denn der Investor habe das Vertrauen der Gemeinde auch bei anderen Bauvorhaben bereits mehrfach missbraucht, stellt der BIG-Chef klar: „Er sollte jetzt einfach den Arsch in der Hose haben, den B-Plan auch umzusetzen.“

Gemeinde wirbt um Vertrauen

Ein Angriff, der nicht nur bei Bürgermeister Uwe Kahl (CDU) für Kopfschütteln sorgt: „Diese öffentlichen Anschuldigungen sollte man lassen – der Investor ist ein Ehrenmann.“ Darüber hinaus werbe er um das Vertrauen in die Gemeindevertretung, sagt Wilhelm Chmiela (SPD): „Wir setzen uns schon ernsthaft mit dieser Sache auseinander – und wenn es auch zeitlich knapp war, haben wir in die Planungen doch die Anregungen des Behinderten-Beirates einbezogen und letztlich eine Menge erreicht.“

Apropos Planungen: „Auf Immobilien-Portalen im Internet werden in diesem Gebiet neun barrierefreie Wohnungen beworben, die auch als Ferien-Domizile geeignet sein sollen“, sagt Wolfgang Lange. „Im B-Plan steht aber ganz klar, dass Betriebe des Beherbergungsgewerbes hier nicht zulässig und mindestens 70 Prozent der Wohneinheiten nach ihrer Bauart barrierefrei und altersgerecht sind.“ Er sehe die große Gefahr, dass viele der Wohnungen zu Zweitwohnsitzen und Ferienimmobilien werden, so Lange: „Und die alten Leute stehen am Ende draußen davor.“

Deshalb solle sich der Investor bei einem gemeinsamen Termin öffentlich zu seinen Plänen äußern: „Dabei müssen wir klar unsere Forderungen darstellen.“ Meint auch Michael Flügel: „Wenn er den Bebauungsplan nicht umsetzt, werden wir ihm als Gemeinde das Leben schwer machen.“

Lennart Plottke

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