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Warnemünde Nicht ohne meinen Assistenzhund

Streit im Hotel Neptun: Blinde Frau wirft Weineck Diskriminierung und Desinteresse vor

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Jutta T. und ihr Mann Burkhard wollten mit Blindenhund Carlos in ein Warnemünder Restaurant gehen, wurden aber verwiesen.

Quelle: Foto: Ove Arscholl

Warnemünde. Jutta T. ist aufgebracht. Eigentlich wollte die Schwerinerin nach einem Winterspaziergang in Warnemünde nur einen Kaffee im Weineck im Hotel Neptun trinken, doch dazu kam es nicht. Das Problem: Sie hatte sich mit ihrem Hund ins Lokal gesetzt. „Ich bin vollkommen blind und bin auf meinen Hund angewiesen.“ Denn bei dem Golden Retriever Carlos handelt es sich um einen ausgebildeten Blindenführhund.

„Seit 1999 bin ich regelmäßig mit meinem Blindenhund im Hotel Neptun gewesen, aber Ärger hatte ich vorher nie.“ Die 49-Jährige und ihre Begleiter hatten sich am Mittwoch bereits gesetzt, als sie aufgefordert wurden, das Lokal mit Hund zu verlassen. Das Ehepaar sieht darin nicht nur eine Diskriminierung, sondern einen Verstoß gegen geltende Gesetze. Denn Assistenz- und Blindenhunde hätten im Gegensatz zu anderen Haustieren besondere Rechte.

Auch als ihr Mann Burkhard T. nach einem Vorgesetzten fragte, habe sich die Situation nicht entspannt. „Der Mann hat sich bei mir weder mit Namen noch mit Funktion vorgestellt. Das spricht für schlecht geschultes Personal“, ist sie sich sicher. Er habe darauf bestanden, dass der Hund draußen angeleint werden müsse, wenn sie im Restaurant bleiben wollen, erklärt Jutta T. die Geschichte aus ihrer Sicht. Das sei für sie keine Option. „Dadurch verletze ich meine Aufsichtspflicht.“ Denn der Wert eines ausgebildeten Hundes betrage rund 25000 Euro. Wenn der Hund ausreißen würde oder gestohlen werde, sei die Chance groß, dass ihr Anspruch auf einen neuen Assistenzhund verfällt. „Dieses Risiko will ich nicht eingehen.“

Schließlich habe der Verantwortliche vom Weineck ihr sogar an den Ellbogen gefasst. Für sie eine Grenzüberschreitung. Burkhard T. beschreibt die Haltung des Vorgesetzten als „provokativ“. „Eine Entschuldigung erwarte ich schon“, sagt dieser. Seiner Frau würde eine schriftliche Erklärung genügen, dass Blindenhunde im Hotel geduldet werden. „Ich möchte nicht noch einmal in solch eine Situation kommen.“ Hotel-Manager Guido Zöllick beschreibt den Vorfall jedoch anders. „Die Dame war in Begleitung zweier erwachsener Personen, sie war nicht allein.“ Grundsätzlich seien Hunde außerhalb der speziellen Bereiche nicht zugelassen. Das habe hygienische Gründe. „Ausnahmen sind solche Assistenz- und Begleithunde. Den Hund hätte man aber im Terrassenbereich anleinen können“, erklärt Zöllick. Das Problem sei, dass sich die Gäste einfach an einen Tisch gesetzt hätten, ohne mit dem Personal über den Blindenhund zu sprechen. „Wir bitten Mitarbeiter, mit dem Gast ins Gespräch zu kommen, um einen entsprechenden Tisch möglichst weit weg von der Speisenzubereitung auszusuchen.“ Rausgeschmissen habe man hier niemanden. „Ich weiß, dass die Gäste extrem laut geschrien und argumentiert haben. Nach meinem Kenntnisstand sind die Mitarbeiter damit ordentlich und seriös umgegangen.“

„Zweimal wurden wir darauf hingewiesen, dass wir leise sprechen sollen. Natürlich habe ich mich etwas aufgeregt, aber wir haben in Zimmerlautstärke gesprochen“, hält die blinde Frau dagegen. Ob das Ehepaar wieder im Hotel Neptun einen Kaffee trinken will, sei fraglich. „Ich weiß nicht, ob ich es genießen kann“, sagt sie. Zöllick betont, dass er mit Jutta T. wegen des Vorfalls Kontakt aufnehmen wolle. Wie das aussehen soll, behält er für sich.

Johanna Hegermann

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