Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock „Niki“ in Not: Aida bucht 990 Flüge um
Mecklenburg Rostock „Niki“ in Not: Aida bucht 990 Flüge um
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:28 31.01.2018
Im Aida-Kundencenter kümmern sich Josephine Ruml (v. l.), Anna Grüssel, Sylvana Häusler und Svenja Rohde um Flugbuchungen. Quelle: Foto: Ove Arscholl

Im Dezember 2017: Weihnachten wollte Dennis Schrahe eigentlich in Südafrika verbringen. Doch den Trip musste der 44-Jährige streichen – damit 35000 andere Urlauber wiederum nicht auf die schönste Zeit des Jahres verzichten mussten: Schrahe ist VizePräsident beim Rostocker Kreuzfahrt-Riesen Aida, verantwortlich für den Transport der Gäste. Und die vergangenen Wochen herrschte in „seiner“ Abteilung Ausnahmezustand. Auslöser: Die Pleite der Fluggesellschaft „Niki“. Denn die traf auch Aida: Für Tausende Gäste mussten neue Flüge organisiert werden. Die „Niki“-Insolvenz – sie kostet die Rostocker Reederei „enorme Summen“.

Zur Galerie
Pleite der Fluggesellschaft trifft auch Rostocker Reederei / 35000 Passagiere bis April betroffen

Video: QR-Code scannen oder

www.ostsee-zeitung.de anklicken.

Insolvenz im Dezember

musste „Niki“ – wie zuvor die „Mutter“ Air Berlin – Insolvenz anmelden. Dies sorgte gleichzeitig für einen Flugstopp. Eine Übernahme durch die Lufthansa war am Tag zuvor gescheitert. Nun will

Niki Lauda die Airline retten.

Insolvenz mit zwei Tagen Vorwarnung

Über Geld sprechen die Verantwortlichen bei Aida nicht gern. „Nach der Insolvenz von Air Berlin war die ,Niki’-Pleite sicher die größte Herausforderung für uns in den vergangenen Monaten“, sagt Hansjörg Kunze, der Aida- Kommunikationschef. Konkrete Summen nennt er aber nicht. Nur so viel: „Wenn wir die Probleme nicht gelöst hätten, hätten Zehntausende Urlauber ihre Reise nicht antreten können. Das wäre auch für uns noch viel teurer geworden.“ Aida hätte den Reisepreis erstatten müssen. Von den entgangenen Umsätzen der Urlauber an Bord ganz zu schweigen. Der Schaden hätte in den hohen zweistelligen Millionen-Bereich gehen können.

Die Probleme, von denen Kunze spricht – sie begannen am 12. Dezember: „Da haben wir die ersten Signale bekommen, dass nach Air Berlin auch ,Niki’ das Aus droht“, erzählt Schrahe. Zwei Tage später war es dann so weit: Die Fluggesellschaft meldete Insolvenz an, alle Flugzeuge blieben am Boden – und in der Rostocker Aida-Zentrale wurde es fortan hektisch: „Am 15. Dezember sollten nämlich 500 Gäste von uns mit ,Niki’ fliegen – von und nach Palma de Mallorca, zur ,Aidaperla’ und zurück.“ Und wenige Tage später waren dann gleich die nächsten ,Niki’-Flüge im Auftrag von Aida geplant: elf komplett gecharterte Maschinen mit dem Ziel Kanarische Inseln. „Wir hatten nicht mal drei Tage Zeit, um für all diese Gäste neue Flüge zu organisieren“, sagt Schrahe. Und damit nicht genug: Bis April waren „Niki“-Flüge fest bei Aida eingeplant, für 35000 Gäste.

Europaweit auf der Suche nach Ersatz-Maschinen

Am Strande liefen die Notfall- Pläne an: „Unser Kundencenter hat sich per SMS und E-Mail mit allen betroffenen Gästen in Kontakt gesetzt und sie informiert, dass wir an Lösungen arbeiten“, so Schrahe. Die Rechts- und die Finanzabteilung trafen erste Vorkehrungen für den Fall, dass die Transport-Abteilung keinen Erfolg haben würde. „Und mein Team hat sich an die Telefone gesetzt. Wir haben europaweit so ziemlich jede Fluggesellschaft angerufen, ob sie noch Flüge für uns übernehmen kann.“ Zu diesem Zeitpunkt musste Schrahe „nebenbei“ noch seiner Familie beichten, dass es mit dem eigenen Urlaub nichts wird. „Denn es ist ja nicht damit getan, eine Fluglinie zu finden, die einem helfen will: Wir brauchten die Maschinen, die Crews und wir brauchten die Start- und Landegenehmigungen für die Flughäfen. Und das alles im Schnellverfahren.“ In 48 Stunden mussten allein im ersten Schritt 4500 Passagiere umgebucht werden. „Als wir die Flüge hatten, hat das Callcenter Überstunden gemacht – und jeden Gast angerufen.“ In der Spitze seien rund 150 Mitarbeiter nur mit diesem Thema befasst gewesen.

Sechs Schiffe, 65 Touren und 1000 Flüge

Für „Niki“ sprangen Fluggesellschaften aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden, aus Spanien, England und aus Tschechien ein. Unter anderem wurden von der Lufthansa und SunExpress, von Tuifly und Germania, Eurowings und SmallPlanet KreuzfahrtGäste transportiert. Und auch eine Fluggesellschaft aus MV half Aida in der „Niki“-Not: „Wir haben auch Flüge von ,SundAir’ aus Stralsund durchführen lassen“, sagt Aida-Sprecher Kunze.

„Insgesamt 990 Flüge mussten wir neu organisieren. Das wäre ohne das ganze Team gar nicht möglich gewesen. So viele Leute bei uns haben auf ihre Familien, auf Weihnachten in Ruhe verzichtet – damit unsere Gäste nicht die Leidtragenden sind. Das ist unser Job, deshalb machen wir das alles hier“, ergänzt Transport-Chef Schrahe. „Das ging zum Teil bis in die späte Nacht – nicht nur bei uns, sondern auch im Kundencenter.“ Dort waren pro Tag mehrere tausend zusätzliche Anrufe von verunsicherten Gästen eingegangen. Sechs Aida-Schiffe waren von der „Niki“-Pleite betroffen – neben der „Perla“, auch die „Blu“, „Sol“, „Prima“, „Vita“ und „Bella“. Insgesamt 65 Abfahrten standen „auf der Kippe“. „Und dann sind da noch unsere Crews: Die müssen auch zu den Schiffen kommen.“

Aida bleibt auf den Zusatzkosten sitzen

Die Mehrkosten, die der Reederei durch die „Niki“-Pleite entstanden sind, muss Aida allein tragen. Dazu zählen nicht nur die Ausgaben für die „neuen“ Flüge: Vielen Gästen mussten Hotelzimmer am Flughafen, Mietwagen oder Bahn-Tickets zur Verfügung gestellt werden – damit sie ihre neuen Flüge auch erreichen konnten. „Aber das ist immer noch besser, als wenn wir Reisen hätten streichen müssen. Andere Anbieter – auch große – haben komplette Reisen abgesagt. Das wollten wir in jedem Fall vermeiden“, so Hansjörg Kunze. Nur all jene, die ihren Flug nicht über Aida oder separat gebucht hatten, hätten ein Problem gehabt: „Die bleiben auf den Kosten für die abgesagten Flüge und den neuen Transfers sitzen.“ Aber das sei zum Glück nur ein kleiner Teil der Gäste: Seit die Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull 2010 tagelang den Flugverkehr über großen Teilen Europas lahmlegte, würden immer mehr Gäste die Flüge direkt über Aida buchen: „In solchen Fällen sind die Veranstalter nämlich für die Ersatz-Transfers verantwortlich“, so Kunze.

Andreas Meyer

Mehr zum Thema
Rostock Rostock/Zurow/Grevesmühlen/Retwisch - „Ohne zusätzliche Lehrer wird es nicht gehen“

Schülerrat fordert bessere Unterrichtsbedingungen / Bis zu 30 Kinder in einem Klassenraum

28.03.2018

Im vergangenen Jahr nur fünf gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften in Wismar umgewandelt

28.02.2018

Postkarten-Idylle - das muss eine Insel ja haben, deren Name die bekannteste Briefmarke der Welt ziert: Mauritius. Vielerorts hat dieser Anblick seinen Preis. Die Insel lässt sich aber auch günstig erleben - ein paar Ideen für Urlauber im Paradies.

03.03.2018

Jetzt ist es endlich soweit: Am heutigen Mittwoch, dem 31. Januar, wird die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des KMG Klinikums Güstrow um 11 Uhr von Schülerinnen ...

31.01.2018

Veranstaltung mit Hexentanz und Dracula

31.01.2018

Markgrafenheider Brandschützer planen Tag der offenen Tür / Positive Bilanz gezogen

31.01.2018
Anzeige