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Rostock Öko-Gut liefert Eier für Hotel Adlon
Mecklenburg Rostock Öko-Gut liefert Eier für Hotel Adlon
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00:39 17.04.2018
Gutsverwalter Johannes Lampen und seine Mitarbeiter versorgen Ziegen, Rinder, Schafe und Geflügel. Quelle: Foto: Cora Meyer
Vorder Bollhagen

„In Vorder Bollhagen geht es den Tieren echt gut.“ Davon ist Gutsverwalter Johannes Lampen überzeugt – und das will er auch Besuchern vermitteln. Die kommen nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern manchmal sogar aus China. „Das Besondere bei uns ist die Vielseitigkeit.“

Auf einer Fläche von 500 Hektar werden vor allem Getreide, Raps und Kartoffeln angebaut. Hinzu kommt die ökologische Tierhaltung. Außerdem gibt es eine Streuobstwiese. Die Produkte werden im eigenen Hofladen verkauft und außerdem engagieren sich die Betreiber für den Naturschutz und bieten Führungen für Besucher an.

„Dass das alles in einem Betrieb zusammenkommt, ist unüblich und innovativ,“ sagt der Gutsverwalter. Für dieses Gesamtkonzept ist das Gut in diesem Jahr auf der Grünen Woche in Berlin ausgezeichnet worden – mit dem zweiten Platz im Wettbewerb „Bestes Bio aus MV“. „Das ist eine schöne Anerkennung für unsere Arbeit“, sagt Lampen.

Kühe, Schafe, Gänse, Hühner, Ziegen, Honig, Kartoffeln und demnächst auch Schweine: Es gibt seinen Angaben zufolge keinen landwirtschaftlichen Betrieb in MV, dessen Hofladen so gut sortiert ist wie der in Vorder Bollhagen. Hier werden Fleischprodukte, Kartoffeln und Eier direkt verkauft. Seit 2009 gibt es ihn. Damals verkaufte hier eine 450-Euro-Kraft. Heute hat der Laden das ganze Jahr über geöffnet. Hier sind drei Mitarbeiter und zwei Aushilfen beschäftigt. Außerdem bildet das Gut auch einen Einzelhandelskaufmann aus. Im landwirtschaftlichen Betrieb werden im Sommer zwei Azubis anfangen. Insgesamt arbeiten 13 Festangestellte auf dem Gut. „Ökolandbau bedeutet eben viel Arbeit“, sagt der Gutsverwalter. Und braucht viel Platz. Zu DDR-Zeiten lebten auf dem Gut 4000 Rinder.

Jetzt sind es nur noch knapp 300.

2004 hat der Betrieb auf ökologischen Betrieb umgestellt, 2007 gab es das Öko- Zertifikat. Ein Jahr später wurde der Hof als Demonstrationsbetrieb ausgewählt, seitdem werden Führungen für Gruppen angeboten. Insgesamt 200 solcher Höfe gibt es mittlerweile in Deutschland.

Organisation, Zertifikate, Einhaltung von Richtlinien für den Biolandbau: Büroarbeit macht etwa ein Drittel seiner Arbeitszeit aus, schätzt Johannes Lampen. Wenn er nicht am Schreibtisch sitzt, hilft er aus, wo er gerade gebraucht wird. Im Kuhstall, im Hofladen auf dem Feld.

Etwa ein Drittel der täglich produzierten Eier geht in die Hauptstadt ins Hotel Adlon: Die 1800 Frühstückseier für die gut betuchten Gäste stammen also aus Vorder Bollhagen. Und in den Restaurants China Club und India Club stehen Geflügel und Lamm aus dem Landkreis Rostock auf der Speisekarte. „Nur mit den einheimischen Gastronomen kommen wir nicht weiter“, sagt Johannes Lampen. „Den meisten sind unsere Produkte wohl einfach zu teuer.“ Für viele Privatleute gilt das offenbar nicht. „Wir haben Stammgäste im ganzen Land.“ Aus ganz Mecklenburg-Vorpommern stammen auch die Partner des Gutes. So werden beispielsweise die Kühe in Teterow geschlachtet. Grund: Die Vorschriften für ökologische Landwirtschaft besagen, dass auch die Schlachtung ökologisch sein muss.

Außerdem arbeitet das Gut Vorder Bollhaben mit dem Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf zusammen, das hier 25 Bienenvölker zu Versuchszwecken hält. Für die Zukunft hat Johannes Lampen viele Pläne. „Wir prüfen, ob die alten Gewächshäuser, die jetzt leer stehen, wieder genutzt werden sollen.“ Außerdem wird gerade ein Gebäude für Sattelschweine in Stand gesetzt. In dem es den Tieren dann hoffentlich echt gut gehen wird.

Info: Multimediareportage zum Gut auf www.ostsee-zeitung.de

Geschichte

Das Gut Vorder Bollhagen zwischen Bad Doberan und Heiligendamm wurde urkundlich erstmals im 16. Jahrhundert als Schäferei erwähnt.

Zu DDR-Zeiten war es eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft. 1996 erwarb die Familie Jagdfeld das Gut Vorder Bollhagen.

Im Jahr 2004 stellte der Betrieb auf ökologische Bewirtschaftung um. Seit 2009 ist das Gut anerkannter Demonstrationsbetrieb im ökologischen Landbau.

Cora Meyer

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