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Rostock Ohne Ausländer wäre Rostocks Wachstum vorbei
Mecklenburg Rostock Ohne Ausländer wäre Rostocks Wachstum vorbei
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02:27 27.04.2018
Rostock wächst weiter - obwohl in der Hansestadt nach wie vor mehr Menschen sterben als Babys geboren werden (Symbolfoto). Quelle: Marcus Brandt/dpa
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Rostock

Die Hansestadt wächst weiter – und nimmt Kurs auf die 210000-Einwohner-Marke: Bereits in diesem Jahr könnte Rostock auf Platz 37 der größten deutschen Städte vorrücken und dabei Erfurt (211113 Einwohner) und Oberhausen (211382) überholen. Ihr enormes Wachstum verdankt die Hansestadt vor allem ausländischen Mitbürgern, die an die Warnow ziehen. Denn ohne die würde Rostock sogar schrumpfen. Das geht aus neuesten Zahlen der Statistikstelle im Rathaus vorher.

1024 neue Einwohner in nur einem Jahr

Für die Stadt(kasse), Vermieter und die Wirtschaft dürften die neuen Erhebungen positiv sein: Exakt 208516 Einwohner waren am 31. Dezember 2017 in der Hansestadt gemeldet – 1024 mehr als zwölf Monate zuvor. Das Wachstum geht weiter, scheint sich aber zu verlangsamen. Denn im Jahr 2016 konnte Rostock sogar 1459 neue Bürger vermelden. Und: Rostock wächst nicht „aus eigener Kraft“. Noch immer sterben mehr Menschen als neue Erdbürger geboren werden. Im Jahr 2017 standen 2051 neugeborene Rostocker insgesamt 2364 Todesfällen gegenüber. Ohne Zuzug aus anderen Kommunen und Ländern hätte Rostock also 313 Bürger verloren.

Enorme Wanderung von und nach Rostock

Auch 2017 registrierten die Statistiker im Rathaus enorme „Wanderungsbewegungen“, wie es im Fachdeutsch heißt. 12230 Menschen zogen zwischen Januar und Dezember an die Warnow, genau 10902 Bürger verließen im gleichen Zeitraum Rostock wieder. Ein genauer Blick in die Statistik zeigt, wie wichtig Ausländer für das Wachstum der Stadt sind: Denn das „Plus“ an deutschen Staatsbürgern, die sich 2017 neu in Rostock angemeldet haben, reicht nicht mehr aus. Es liegt gerade mal bei 294 Personen, kann das Minus zwischen Geburten und Todesfällen nicht ausgleichen. Denn auch mit dem großen Zuzug aus anderen, ländlichen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns ist es vorbei: Das Plus in dieser Statistik liegt sogar nur bei 214 Personen.

Aber: Rostock scheint für ausländische Staatsbürger weiterhin attraktiv zu sein – nicht nur für Flüchtlinge, sondern auch für Fachkräfte und Spezialisten aus anderen Ländern: Insgesamt 1034 neue Bürger aus anderen Staaten konnte die Hansestadt 2017 begrüßen. Der Zuzug aus dem Ausland – er macht rein statistisch betrachtet mittlerweile das komplette Wachstum Rostocks aus.

Ausländer-Anteil bei sechs Prozent

Von einer angeblichen „Überfremdung“ kann aber keine Rede sein: Genau 12598 ausländische Staatsbürger lebten am Stichtag 31. Dezember in Rostock, der Ausländer- Anteil liegt bei gerade Mal sechs Prozent. Und auch das Gerücht, bei den neuen ausländischen Mitbürgern würde es sich ausschließlich um Flüchtlinge handeln, kann die Statistik nicht bestätigen: Beispielsweise zogen 2017 elf „neue“ und zusätzliche US-Bürger an die Warnow, 49 polnische Staatsbürger, 30 Litauer, 18 Brasilianer, 156 Rumänen und 69 Inder. Viele davon sind Studenten oder Fachkräfte in internationale Unternehmen. Die größte Gruppe unter den Rostockern mit ausländischem Pass stellen aber weiterhin die Syrer: 2126 Menschen aus dem Bürgerkriegsland leben in Rostock.

Senator Bockhahn: Rostock muss sich einstellen

Aus Sicht von Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) stellen die Statistiken auch die Stadt vor Herausforderungen: „Das erfreuliche Wachstum zeigt, dass wir im Ausbau der sozialen Infrastruktur weiter zulegen müssen. Das betrifft nicht nur Kitas.“ Jede Altersgruppe, die nach Rostock ziehe, habe ihre eigenen Bedürfnisse: Aus den anderen Landkreisen in MV würden vor allem ältere Bürger in die Stadt ziehen. Familien ziehe es derzeit eher ins Umland. „Für die ältere Generation benötigen wir Angebote aus dem geriatrischen Bereich, aber auch Treffpunkt - zum Beispiel in den Stadtteilzentren.“

Für die Mitbürger mit ausländischem Pass müssten Integrations- und auch Kulturangebote geschaffen werden. Bockhahn: „Wir sollten in den Bereichen vielleicht mehr als das gesetzlich Verpflichtende tun. Es zahlt sich am Ende für alle aus.“

Auch Wohnungsmarkt muss sich anpassen

Das stete Wachstum der Stadt wird nach Ansicht der Forschungs- und Beratungsfirma Empirica noch bis mindestens 2035 anhalten – mit gravierenden Folgen auch für den Wohnungsmarkt in der Hansestadt: Laut der neuesten „Nachfrage-Prognose“, die von den Berliner Demoskopen im Auftrag der Hansestadt erstellt wurde, müssen in Rostock in den kommenden 17 Jahren fast 26000 neue Wohneinheiten geschaffen werden. Den größten Nachholbedarf sehen die Analysten im Bereich der Eigenheime: Gerade mal 13000 der mehr als 118000 Wohneinheiten sind – Stand 2016 – Einfamilienhäuser. Laut der Prognose müsse Rostock aber bis 2035 rund 6000 Bauflächen für Häuslebauer ausweisen, um der Nachfrage gerecht werden zu können. Anderenfalls drohe ein weiterer Fortzug von jungen Familien mit Kindern in das Umland. Ein deutliches NachfragePlus erwartet Empirica auch bei den Single-Wohungen mit ein, maximal zwei Zimmern. Der Grund: Die Bevölkerung Rostocks wird trotz des Zuzugs immer älter. Damit steige auch die Zahl der alleinlebenden Bürger.

Hansestadt legt noch zu

Exakt 1024 zusätzliche Bürger – in das in nur zwölf Monaten: Rostock setzt seinen Wachstumskurs fort. Auch 2017 konnte die Hansestadt in puncto Einwohnerzahl zulegen, nimmt nun Kurs auf 210 000 Bürger.

Doch: Das Plus hat Rostock allein dem Zuzug aus dem Ausland zu verdanken. Das jedenfalls geht aus neuen Zahlen der Statistikstelle des Rathauses hervor. Denn nach wie vor sterben an der Warnow mehr Menschen als neue Babys geboren werden.

Nach Angaben von Stadtsprecher Ulrich Kunze starben im Jahr 2017 2364 Rostocker, bei den Geburten kam die Stadt aber „nur“ auf 2051. „Auch der Zuzug aus anderen Landkreisen in MV oder anderen Bundesländern reicht nicht aus, um dieses Minus auszugleichen“, so Kunze.

Aber: Rostock wird auch für Fachkräfte aus dem Ausland immer attraktiver. So zogen 2017 beispielsweise elf US-Amerikaner und 18 Brasilianer in die Hansestadt.

Andreas Meyer

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