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Ohne Parolen gegen Rechts

SANITZ Ohne Parolen gegen Rechts

Sanitzer Gymnasiasten setzen sich für Toleranz, kulturelle Vielfalt, Zivilcourage und Demokratie ein.

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Mit ihrem Projekttag setzten die Sanitzer Gymnasiasten mit vielen Gästen ein starkes Zeichen gegen Rechts. Fotos (5): Claudia Haiplick

Sanitz. „Immer nur Antinazi-Parolen zu brüllen, bringt gar nichts“, sagt Hannes Hilbrecht (20). Besser aus seiner Sicht: „Miteinander sprechen und aufzeigen, welche Chancen kulturelle Vielfalt bietet. Das bedeutet hinschauen, aufklären und informieren.“ Wobei die Menschen dem Rechtsextremismus nur als große Gemeinschaft begegnen könnten.

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Mit ihrem Projekttag setzten die Sanitzer Gymnasiasten mit vielen Gästen ein starkes Zeichen gegen Rechts. Fotos (5): Claudia Haiplick

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Gesagt, getan. Einen ersten Schritt haben die Schüler des Sanitzer Gymnasiums gestern übernommen.

Mit ihrem Projekttag „Gymnasium Sanitz gegen Rechts!“ setzten sie in Vorträgen, Workshops und Podiumsdiskussionen ein unmissverständliches Zeichen. In 17 verschiedenen Einzelprojekten sprachen sie mit Politikern, Bürgern und Vertretern von Institutionen sowie mit Vereinen, die alle ihr Engagement gegen rechte Gewalt eint, über rechte Ideologien, Zivilcourage, Rechtsextremismus, rechte Symbolik, Asylpolitik, die Förderung des Demokratiebewusstseins und Alternativen für Deutschland.

„Es muss aufgehört werden, immer nur mit dem Zeigefinger von oben auf die NPD zu zeigen“, sagt Alina Seysen (19) und plädiert für eine andere Vorgehensweise. „Wir müssen in ihr Programm inhaltlich reingehen und zeigen, was für Konsequenzen dahinterstehen.“ Fakt sei für sie: „Viele Rechte sind nur Mitläufer. Die rechte Positionierung fängt oft mit sozialer Ausgrenzung und Mobbing an. Dort müssen wir ansetzen.“

Mit Hannes Hilbrecht und Tim Lopens gehört Seysen zum Organisationsteam des Projekttags gegen Rechts, den die Gymnasiasten, unterstützt durch die Sozialkundelehrer, organisierten. Acht Monate harter Arbeit liegen hinter dem Team. Bereits 2007 gab es einen ersten Informationstag am Gymnasium über Neonazis und Rechtsextremismus. Damals störten Rechte die Veranstaltung mit einem Info-Stand vor der Schule. Die Folge: Die Schüler stellten sich dem Thema noch intensiver. Ihrem Gymnasium wurde dafür sogar im letzten Schuljahr der Titel „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ verliehen.

Die Sanitzer Gymnasiasten setzen sich ein für Freiheit, Gleichheit, Solidarität und kulturelle Vielfalt. Und sie sehen genau hin. Sie sehen, dass die demokratischen Parteien viele Dörfer in Sanitz‘

Umgebung längst verlassen haben. „Die rechte Szene hier bei uns ist relativ verbreitet. Agiert aber eher im Verborgenen. Viele rennen hinterher. Die wenigsten wissen, was es tatsächlich bedeutet“, sagt Hannes Hilbrecht.

Für mehr Zivilcourage warb Horst Lohmeyer bei den Schülern. 2003 war er mit seiner Frau nach Jamel in Nordwestmecklenburg gezogen. Nichts ahnend, dass sie in einen Ort kamen, in dem sich Neonazis ausgebreitet hatten. Das Ehepaar wehrt sich mit kulturell-künstlerischen Aktionen — und ist Anfeindungen ausgesetzt. „Vielleicht waren wir 2003 zu naiv. Wer hat schon das Parteiprogramm der Neonazis in seiner Tasche zum schnellen Nachlesen? Entscheidend ist, nicht gegen, sondern für etwas zu sein, einzustehen für Toleranz und Demokratie“, so Lohmeyer.

Die 15-jährige Jenny findet es bewundernswert von ihm, dort wohnen zu bleiben. „Ich hätte bestimmt Angst um mein Leben“, sagt sie. Schulleiterin Angela Schulz findet es „bemerkenswert, wie stark sich hier junge Leute für ihre Mitschüler engagieren“. Das beweise, „dass sehr viele von ihnen politisch interessiert sind“. Mit dem Projekttag habe die Schule wieder unter Beweis gestellt, dass sie ihren Titel zu Recht trage.

 

 

Claudia Haiplick

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