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Rostock „Ohne zusätzliche Lehrer wird es nicht gehen“
Mecklenburg Rostock „Ohne zusätzliche Lehrer wird es nicht gehen“
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16:57 28.03.2018
Rostock/Zurow/Grevesmühlen/Retwisch

Laut Bildungsministerium sind die Schülerzahlen in ganz MV deutlich gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Amtes besuchen aktuell 148 914 Schüler die allgemeinbildenden Schulen. „Dies entspricht einem Anstieg um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr“, sagt Ministeriumssprecher Henning Lipski. Allgemein lasse sich festhalten, dass die Schülerzahlen in Städten wie Schwerin und Rostock stärker gestiegen seien als auf dem Land. „Die Klassen in den Städten sind daher an vielen Schulen größer als an Schulen im ländlichen Raum“, so Lipski.

31 Schüler in einer Klasse am Abendgymnasium

Am Innerstädtischen Gymnasium sind große Klassen keine Seltenheit. „In unserer kleinsten Klasse lernen 21 Schüler, dazwischen gibt es eine große Bandbreite. Unsere stark gefüllten Klassen haben 28 Schüler“, berichtet Dr. Markus Riemer, Koordinator der Schule. Als besorgniserregend stuft Riemer die Zahlen allerdings nicht ein. „Da wir schon immer eine stark nachgefragte Schule waren, sind unsere Schülerzahlen auf hohem Niveau konstant. Daher können wir auch gut damit umgehen und haben uns in unserer Unterrichtskonzeption auch darauf eingestellt.“ Die Arbeit in kleineren Klassen sei natürlich oft angenehmer, um den Bedürfnissen der Schüler gerecht werden zu können. Als realistische Klassengröße, um an einem so nachgefragten Standort wie Rostock gut und ausgewogen zu beschulen, stuft Riemer eine Stärke von 25 Schülern ein. Die größte Klasse in Rostock hat derzeit das Abendgymnasium mit 31 Schülern.

In Rostock gibt es aber nicht nur große Klassen, sondern auch sehr kleine. Das Förderzentrum am Wasserturm – Schule mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung – hat aktuell die kleinste Klasse mit drei Schülern.

Landesschülerrat fordert kleinere Klassen

Maximal 19 Schüler in der Grundschule und maximal 24 in weiterführenden Einrichtungen: Der Landesschülerrat Mecklenburg-Vorpommern fordert bessere Bedingungen im Unterricht. Die Realität zeige:

Die Klassenverbände seien zu groß, um optimal lernen zu können. Teilweise seien bis zu 30 Schüler in einer Klasse. Das machte der Vorstand auf der jüngsten Tagung in Teterow deutlich. „Es ist klar, ohne zusätzliche Lehrer wird es nicht gehen“, merkt der Vorsitzende Torben Knaak an. Denn kleinere Klassen würden auch bedeuten, dass neben mehr Räumlichkeiten auch mehr Personal benötigt werde.

„Kleinere Klassengrößen sind für bessere Ergebnisse im Unterricht notwendig. Sie erleichtern das Arbeiten zwischen Schülern und Lehrern“, erklärt Carla Goltings, stellvertretende Vorsitzende. Sie sieht in kleineren Klassen auch einen wichtigen Punkt, um den Lehrerberuf in Mecklenburg-Vorpommern wieder attraktiver zu machen.

Die derzeit größte Klasse im Gymnasium „Am Tannenberg“ in Grevesmühlen zählt 29 Schüler. Damit gehört die Einrichtung zu den Schulen im Landkreis Nordwestmecklenburg, die mit die größten Klassen hat.

Matthes Busse aus der zehnten Klasse sieht darin aber nicht nur Nachteile. „Je mehr Schüler, umso besser kann man sich absprechen“, meint der 15-Jährige, der mit 27 anderen Schülern am Unterricht teilnimmt. Aber: „Im Laufe des Tages lässt die Konzentration und mit ihr auch die Disziplin der Schüler nach. Dann ist es schwer, in große Klassen Ruhe reinzubringen.“ Für die Lehrer sei die Klassengröße eine Herausforderung, glaubt auch Elisa Kröger. Die 15-Jährige lernt in der 9/1 des Gymnasiums, die 27 Schüler zählt. In einigen Fächern waren sie auch schon einmal mehr, so dass Tische und Stühle in die Räume getragen werden mussten, erzählt sie. „Die Lehrer können nicht auf jeden Schüler eingehen, wenn es zu viele sind. Dadurch müssen wir zu Hause viel nacharbeiten“, weiß Jakob Schultz (18). Als Schülersprecher am Gymnasium ist er zeitgleich im Kreis- und Landesschülerrat engagiert und kennt deshalb die Debatten, die in Teterow geführt wurden. Da er bereits in der Oberstufe ist, lernt Jakob in Kurssystemen. Die Schülerzahl schwankt je nach Unterrichtsfach. „Mal sind wir nur 16, mal 26.“ Die kleineren Kurse findet er persönlich wesentlich angenehmer. „Die Lehrer haben viel mehr Zeit für Fragen.“

Insgesamt 441 Schüler lernen derzeit an der Conventer Schule in Rethwisch (Kreis Rostock) – verteilt auf 22 Klassen. Was zunächst positiv klingt, entwickelt sich für die Amtsschule mehr und mehr zum Problem. „Wir bewegen uns auf eine sehr angespannte Raumsituation zu“, sagt Schulleiterin Elke Lemke. „Vor allem die Grundschüler lernen in relativ großen Klassenverbänden – vielfach müssen wir bis zu 30 Kinder in einem Raum unterbringen.“ Das sei gerade für die Erstklässler schwierig, die sich an die neue Situation erst noch gewöhnen müssten, so Lemke. Was erschwerend hinzu kommt: „Es gibt künftig für den Grundschulbereich keine Förderschulen mehr. Fast alle Kinder werden an der Regelschule eingeschult.“ Dabei würden nicht selten Voraussetzungen für die Schulreife fehlen, betont Lemke.

„So gibt es etwa Probleme beim Hören und Sehen sowie in der körperlichen Entwicklung.“ Zunehmend sei auch das sozial-emotionale Verhalten einiger Kinder problematisch: „Die sind teilweise gar nicht gruppenfähig. Das ist dann bei 28 Schülern schwierig.“

Vielen Schulen fehlen Unterrichtsräume

Für dieses Schuljahr habe es mehr als 60 Anmeldungen gegeben, sagt die Leiterin. „Dabei wollten wir aufgrund der Raumsituation eigentlich nicht drei erste Klassen bilden.“ Und: Nach Berechnungen des Amtes müsse man bis zum Jahr 2023 jährlich mit dieser Zahl an neuen Bewerbungen rechnen, so Elke Lemke. „Dann wären wir also immer bei drei Klassen. Deshalb müssen wir perspektivisch schauen, wo zusätzliche Räumlichkeiten herkommen könnten.“ Eine andere Möglichkeit: „Wir könnten die Aufnahmen beschränken – das wollen wir aber eigentlich nicht.“

Jahrgangsübergreifende Klassen an freier Dorfschule

Was sich viele Erstklässler wünschen, gehört für Paul, Ida und Milla zum Schulalltag. Sie lernen auf einem Öko-Hof. In der Dorfschule Wismarer Land in Zurow stehen neben Lesen und Schreiben auch Landwirtschaft und Handwerk auf dem Stundenplan. Erst 2016 ist der Schulbetrieb in der nordwestmecklenburgischen Gemeinde Zurow, einem kleinen Ort nahe der Autobahn 20, gestartet worden – damals mit 14 Kindern, Erst- und Zweitklässlern, die seither gemeinsam lernen. „In einer Dorfschule sind Doppelklassen möglich“, sagt Jan Dobbelmann. Mit anderen Eltern hat er die Waldorf-Schule gegründet. Die hat seit dem vergangenen Sommer neun weitere Erstklässler mehr – darunter Paul, Ida und Milla. Ihre Klasse wird in diesem Sommer mit den Abc-Schützen 2018 aufgefüllt. Zwölf Anmeldungen liegen vor, sodass dann 21 Mädchen und Jungen in der Klasse 1/2 sind. Doch bis dahin gehören Paul, Ida und Milla mit sechs anderen Kindern zu einer der kleinsten Klassen in Nordwestmecklenburg.

Handwerk und Landwirtschaft auf dem Stundenplan

Langfristiges Ziel ist es, dass in ein paar Jahren 80 Schüler im umgebauten Wohn- und Geschäftshaus lernen. Da Handwerk und Landwirtschaft den Schulalltag bestimmen, gibt es Kooperationen mit Betrieben – wie mit dem benachbarten Öko-Hof in Kahlenberg. Drei Tage die Woche sind die Kinder dort – von Ostern bis zum Herbst. „Im Winter gibt es einen anderen Stundenplan“, erklärt Jan Dobbelmann. Auch Rollenspiele und Bewegungskunst seien wichtige Bestandteile des Unterrichts. „In den ersten Jahren sollen die Kinder vor allem Selbstbewusstsein tanken für ihre weitere Entwicklung.“

Jeder könne irgendwas gut und solle nicht durch schlechte Erfahrungen den Spaß an der Schule verlieren.

Bis zur 8. Klasse können die Schüler in Zurow bleiben. Danach geht es auf andere weiterführende Schulen – auf Wunsch auch für das Abitur an die Waldorf-Schule in Schwerin.Viel Geld für Personal gibt es noch nicht. Denn drei Jahre lang muss sich jede freie Schule bewähren, bevor sie Zuschüsse vom Land bekommt. Darum haben Eltern eine Träger-Genossenschaft gebildet und haben einen Bankkredit aufgenommen. Außerdem muss Schulgeld gezahlt werden – 130 Euro im Monat für jedes Kind.

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