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Rostock Opfer-Gruppe kritisiert Bewährungsstrafen nach Messerangriff auf Syrer
Mecklenburg Rostock Opfer-Gruppe kritisiert Bewährungsstrafen nach Messerangriff auf Syrer
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14:51 19.12.2018
Die Bewährungsstrafen in einem Messerstecher-Prozess in Rostock sorgen jetzt für Kritik (Symbolbild). Quelle: picture alliance/dpa
Rostock

Die Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt, Lobbi, hat das Urteil des Rostocker Amtsgerichts wegen eines Messerangriffs auf einen Syrer als eine Entscheidung „mit verheerender Signalwirkung“ kritisiert. Der 29 Jahre alte und vielfach polizeibekannte Haupttäter hatte knapp zwei Jahre Haft auf Bewährung erhalten, weil er laut Gericht in Rostock mit einem Messer auf den 21-jährigen Syrer eingestochen und ihn lebensgefährlich verletzt hatte. Sein Mittäter erhielt ein Jahr und vier Monate auf Bewährung. Vor dem Angriff sollen sie ihr Opfer rassistisch beleidigt haben. Die Staatsanwaltschaft prüft nach eigenen Angaben noch, ob sie Berufung einlegen wird. Sie hatte eine Haftstrafe ohne Bewährung gefordert.

Die Akte des Haupttäters weist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur 21 Einträge auf, darunter Körperverletzungsdelikte. „Im Prozess zeigte er keinerlei Reue. Vielmehr prahlte er im Verhandlungszeitraum in sozialen Medien mit seiner Tat und machte dabei aus seiner politischen Gesinnung erneut keinen Hehl“, kritisierte eine Lobbi-Sprecherin. Die Bewährungsstrafe sei nicht nachzuvollziehen. Das Opfer hatte ursprünglich in Rostock studieren wollen, sei nun aber weggezogen und leide bis heute unter der Tat.

Das Gericht habe einem Zeugen und dem Betroffenen, der auch als Nebenkläger auftrat, wohl nicht geglaubt, dass sie vor der Tat rassistisch beleidigt worden seien. Der Richter habe ihnen unterschwellig eine Mitverantwortung unterstellt, weil sie beide Täter hatten zur Rede stellen wollen, kritisierte Lobbi. Es sei nicht vermittelbar, warum sich Betroffenen vorwerfen lassen müssten, auf rassistische Beleidigungen reagiert zu haben.

Hannes Stepputat.