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Rostock Ostseeluft inspiriert Autorinnen
Mecklenburg Rostock Ostseeluft inspiriert Autorinnen
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00:00 03.08.2018
Nach einer Lesung im Garten der Bäderbibliothek sind die Kinder begeistert von den Geschichten der Autorinnen.
Graal-Müritz

„Dieser Ort hier ist magisch“, sagt Tanja Dückers. Sie meint nicht nur die Bäderbibliothek, das ehemalige Sommerhaus „Ithaka“ des Schriftstellers Rudolf Presber, in dem auch Herbert Nachbar von 1963 bis 1969 lebte, und in das sich nun die Berliner Autorin zum Schreiben zurückzieht. Es ist der historische Schriftstellerort an sich, in dem der heutige Autoren-

Drei Frauen schreiben Kinderbücher und entdecken Schriftstellerort Graal-Müritz zum Arbeiten

nachwuchs es namhaften Kollegen wie Franz Kafka, Willi Bredel, Hans Fallada oder Walter Kempowski gleich tut – sich erholt, nach Muße und Muse sucht.

„Wir sind zufällig in der ’Villa Martha’ gelandet, dem Haus, in dem Erich Kästner im Juli 1914 seine Sommerferien verbrachte“, erzählt Anna Lott. Die Autorin aus Bremen verbringt derzeit zusammen mit Freundin und Kollegin Lissa Lehmenkühler aus Berlin eine Arbeitswoche im Ostseeheilbad. „Im Garten läuft ein Pony frei herum, es gibt Katzenbabys hier, wir fühlen uns ein bisschen wie in der Villa Kunterbunt“, sagen die Frauen. Die Umgebung inspiriert sie.

Alle drei schreiben Kinderbücher. Lustige, tierische Geschichten über Porki, das Schweinchen, das das Glück sucht (Lissa Lehmenkühler) oder Moppi und Möhre, die im Urlaub ihrer Besitzer ins Meerschweinchenhotel müssen und dort viele Abenteuer erleben (Anna Lott). Um das Grün in allen Tönungen und Sprachvarianten von Wackelpuddinggrün bis Seekrankgrün geht es in dem illustrierten Bilderbuch von Tanja Dückers. Eine Lese-Kostprobe haben die Autorinnen in dieser Woche im Garten der Bäderbibliothek gegeben und damit die Zuhörer erfreut. Den Zwillingen Paul und Hannah (7) aus Berlin haben die Erlebnisse von Moppi und Möhre besonders gefallen. „Da müssen wir die Bücher wohl bald besorgen“, sagt Mutter Beate Boenick, „unsere Kinder sind nämlich richtig lesewütig“. Das hören die Autorinnen gern.

Nach Theaterstücken und Drehbüchern hat Lissa Lehmenkühler im März dieses Jahres ihr erstes Kinderbuch herausgebracht. Vier Jahre sind vergangen von der Idee bis zum Erscheinen der Heldenreise eines Hausschweins. „Porki trifft Schweine aller Art“, verrät die 39-Jährige und nennt „Wolltraut, die Wollmilchsau, Pigasso, das Pinselohrschwein, oder Praline, das Trüffelschwein.“ Sie habe viel mit Wortspiel und Wortwitz gearbeitet: Schweinachten oder Meerjungsau – da lachen nicht nur die Kinder. In Graal-Müritz feilt Lissa Lehmenkühler nun an einem „gereimten Bilderbuchtext, der sich um einen Zauberer dreht“ und im Magellan-Verlag erscheinen soll. Und gerade hat sie auch die Zusage für eine Weihnachtsgeschichte bekommen. „Ich freue mich riesig.“

Seit 2014 ist die ehemalige Radiomoderatorin Anna Tollkötter als freie Autorin tätig und schreibt unter ihrem Künstlernamen Anna Lott. Sieben Kinderbücher sind von ihr schon auf dem Markt, liebenswert verrückte Geschichten über Luzie oder Tildas Tierbande. Ihre schärfsten Kritiker sind dabei die Söhne, acht und elf Jahre alt. „Sie müssen sich die Kapitel anhören und wenn sie was bemängeln, gehe ich noch mal drüber“, sagt Anna Lott. Die Themen würden oft in Absprache mit den Verlagen entwickelt. Gerade arbeitet die 43-Jährige an einer Mädchengeschichte, die im nächsten Sommer im Arena-Verlag erscheinen soll. „Im Mittelpunkt steht Lilo, die in einer kuriosen Familie lebt: Der Vater ist Vampir, die Mutter eine Hexe, das Kind ganz normal.“ Mehr will Anna Lott nicht verraten.

Tanja Dückers war in diesem Jahr schon vier Mal in Graal-Müritz. Zuerst auf Einladung der Bibliotheksleiterin Susanne Graf. „Ich sollte hier an der Schule lesen.“ Und dabei habe sie entdeckt, wie viele Literaten sich schon im Ort getummelt haben. „Wieso weiß ich das nicht“, diese Frage habe sich die studierte Literaturwissenschaftlerin gestellt, um dann tiefer einzutauchen in den traditionellen Schriftstellerort. „Graal-Müritz ist eine Perle“, schwärmt Tanja Dückers, „noch nicht so ausgetreten, keine Schickeria, alles so normal .“ Das gefalle ihr.

Nun sind die Dückers in Familie hier. „Mein Mann und unser Sohn liegen am Strand, ich arbeite im Ithaka-Haus.“ Eigentlich an einem Roman für Erwachsene. „Aber heute morgen habe ich erstmal ein Gedicht für Kinder geschrieben“, sagt die 49-Jährige, die schon während des Studiums ihre ersten beiden Bücher, zwei Lyrikbände veröffentlichte. Inzwischen sind es 16 Bücher geworden, zumeist für Erwachsene, aber eben auch für Kinder. „In den Romanen spielen Kinder immer eine Nebenrolle, dabei haben sie so eine phantasievolle Sprache“, erklärt Tanja Dückers. Ihr Sohn Emil (9) habe sie darauf gebracht, dies mehr in den Fokus zu rücken, und so sei die Idee des unterschiedlichen Grüns aus Sicht der Kinderaugen entstanden. „Literatur ist ein Zufluchtsort für Kinder, für ihre Phantasie, ihre Gedanken“, betont Tanja Dückers. Und dafür sammeln die Autorinnen in Graal-Müritz neue Ideen.

Ein Ort der Literaten

Literaten lieben Graal-Müritz von jeher, fanden und finden hier Ruhe, Muße und Inspiration. Franz Kafka, der sich an der Ostsee Linderung seiner ewigen Kopfschmerzen erhoffte, lernte hier seine letzte große Liebe kennen. Erich Kästner verbrachte in Müritz den letzten unbeschwerten Sommerurlaub seiner Jugend und schrieb gleich drei Bücher über den Ort. Walter Kempowski verdankt das Kennenlernen seiner Eltern der Stimmung auf der Graaler Seebrücke. Alfred Kerr kam 1915 und notierte: „Scheint mir das schönste Ostseefleckchen.“ Uwe Johnson beschreibt die Landschaft, durch die er hier so gern wanderte, in seinen „Jahrestagen“. Hans Fallada fuhr als Kind mit Familie regelmäßig in die Graaler Sommerfrische. Kurt Tucholsky war mit seiner zweiten Frau auf Hochzeitsreise hier.

Doris Deutsch

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