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Rostock Paul Panzer: „Ich mag Leute, die einen an der Waffel haben“
Mecklenburg Rostock Paul Panzer: „Ich mag Leute, die einen an der Waffel haben“
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12:37 03.12.2017
Für jeden Spaß zu haben: Komiker Dieter Tappert alias Paul Panzer macht im Rostocker Radisson-Blu-Hotel Faxen für die OZ. Quelle: Frank Hormann
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Rostock

Um Paul Panzer in der Lobby des Radisson-Blu-Hotels zu entdecken, muss man genau hinschauen: versteckt in einer Ecke sitzt der Mann mit der lustigen Nerdbrille und dem orange-gelben Blümchenhemd, spricht seinen Text in Mikrofone und Aufnahmegeräte und beantwortet geduldig Fragen. Am 27. April 2018 kommt er mit seinem neuen Programm „Glücksritter“ ... Vom Pech verfolgt“ in die Rostocker Stadthalle.

Kurzes Live-Interview mit Paul Panzer in Rostock.

Gepostet von Ostsee-Zeitung am Donnerstag, 23. November 2017

„Ich freu mich“, sagt der 45-Jährige zur Begrüßung. Und schiebt dann auf Wunsch schnell noch ein „Panzer, ich begrüße sie“ mit dem unverwechselbar-liebenswerten Sprachfehler hinterher. Mit seiner Kunstfigur Paul Panzer ist Dieter Tappert – so sein bürgerlicher Name – längst untrennbar verwachsen. „Morgens ruft der Postbote über die Straße 'Paul, ich begrüße Dich', dann stehe ich da noch in Unterhose und Schlappen und winke halt zurück“, sagt er. „Schlimm wäre es eher, wenn mich keiner mehr erkennt.“

Seit 2005 tritt Tappert als Stand-Up-Comedian in ganz Deutschland auf. Dabei ist die Figur Paul Panzer, die vor allem durch dessen Scherzanrufe auf verschiedenen Radiosendern bekannt wurde – eher durch Zufall entstanden. „Ich habe früher viel Hörspiel und Radio gemacht, da braucht man ständig neue Charaktere. Irgendwann ist der Paul aufgetaucht, der war so nett und so verrückt und ist dann geblieben“, erinnert sich Tappert.

Schräger Blick auf die Dinge

„Invasion der Verrückten“ heißt eines seiner Programme. Heißt das Paul Panzer hat auch leicht einen an der Klatsche? „Ja, auf jeden Fall“, sagt Tappert. „Aber im positiven Sinne. Es ist der schräge Blick auf die Dinge, der neue Blickwinkel zulässt. Ich mag einfach Leute, die einen an der Waffel haben“, sagt er. Gerade das macht die Figur Paul Panzer so sympathisch. „Er ist einfach normal, ich wollte nie einen Superstar. Bei Paul denken die Leute, Mensch, der ist ja noch eine größere Pfeife, als ich. Eine Figur mit Schwächen eben. Das mag ich.“

Und so kommen mit Tapperts Alter Ego Paul auch die eigenen Schwächen wieder ans Licht: Als Kind habe er wirklich einen Sprachfehler gehabt und sich diesen beim Logopäden mühsam abtrainiert, verrät Tappert. Ansonsten sei Dieter Tappert genau das Gegenteil von Paul Panzer: „Ruhig, eher grau gekleidet, lieber allein statt unter Menschen, eigentlich kurios.“

Man merkt schnell, Tappert lediglich auf den dauer-lustigen Typen zu reduzieren, greift zu kurz. Mit seiner grellen Arbeitskleidung legt er auch die Frohnatur-Attitüde ab. Hinter der schrillen Fassade verbirgt sich ein nachdenklicher Mensch. „Es gibt auch bei mir melancholische Momente, das gehört dazu“, sagt der 45-Jährige. „Für viele Künstler ist die Bühne auch ein Ventil.“ In solchen Momenten ist er einfach nur der Dieter aus Düren. Es klinge, wie das Klischee vom traurigen Clown, das wolle er eigentlich nicht bedienen, sagt er, tut es aber irgendwie doch.

Komiker für den zweiten Blick

Sein neues Programm „Glücksritter ... vom Pech verfolgt“ sei sein bisher persönlichstes. „Weil ich mein Leben lang das Gefühl habe, ich bin immer auf der Suche nach dem Glück“, so Tappert. „Ich habe mal ein russisches Sprichwort gelesen - wenn das Glück in der Stube ist, wartet das Pech schon im Flur - und Paul steht irgendwie immer im Flur.“

Vor Publikum aufzutreten sei wie ein Geschenk. „Weil man da alles um sich herum vergisst. Auch, wo einen selbst gerade der Schuh drückt. Alle lachen, alle haben Spaß, das ist wie eine Parallelwelt.“ Sinnfragen sind es auch, die Tappert – lustig verpackt – in seinen Programmen verarbeitet. „Es sind Fragen, auf die ich selber keine Antwort habe. Ich glaube, deshalb darf ich auch seit 14 Jahren auf der Bühne rumturnen, weil die Fans erkannt haben, dass Paul - inhaltlich betrachtet - mehr ist, als er scheint. Er ist  ein Komiker für den zweiten Blick.“

Und wie anstrengend ist es, auf Knopfdruck witzig zu sein? „Wenn ich auf die Bühne gehe, dann will ich auch“, sagt er. „Wenn man in der Halle ankommt, ist das ein Prozess – die Jungs sind fertig mit dem Aufbau, machen noch ’nen Soundcheck, ich sehe draußen die ersten Leute, dann komme ich langsam rein. Um acht bin ich auf Betriebstemperatur. Dann kommen zwei Stunden Rock’n Roll, alles raus und dann bin ich  auch platt aber glücklich.“

Nach Freizeitwahn, Weltrettung und Evolution beschäftigt sich Paul Panzer aktuell mit der Suche nach dem Glück. „Das Potenzial hat jeder von uns, die Schwierigkeit ist es, in sich reinzuhören und zu erkennen, was einen glücklich macht.“

Das gilt auch für den Komiker, dessen Mama ihm letztlich den Weg  Richtung Glück wies: „Sie hat mir den besten Ratschlag meines Lebens gegeben, nämlich das zu tun, was mich glücklich macht“, sagt Tappert. So kam er von Schweißerlehre und Studium zum Radio. „Ich war ein kein guter Schweißer, aber alle fanden mich lustig“, erinnert er sich und kündigte schließlich seinen sicheren Job. „Mein Vater ist ausgeflippt, aber es hat funktioniert.“

Heute bedeute Glück für ihn: „Familie, Freunde, aber eben auch die Tour – live unterwegs zu sein. Ich sage immer die Bühne ist meine große Liebe.“ Dennoch sei die Suche längst nicht abgeschlossen: „Glück ist immer eine Momentaufnahme, eine Formel mit vielen Unbekannten. Vielleicht ist dann, wenn die Suche zu Ende ist, auch das Leben zu Ende.“

Glück ist es auch, dass Tappert das Programm rechtzeitig fertigbekam: „Ich hab den ganzen Sommer vorm leeren Blatt Papier gesessen und überlegt und das ganze Programm dann in zwei Wochen geschrieben, weil es fertig werden musste“, verrät er und lacht. „Leute die Paul Panzer kennen, werden natürlich wieder Paul Panzer bekommen. Aber für mich ist es das Programm, was am nächsten nicht nur am Paul sondern auch am Dieter dran ist.“

Dieter Tappert wurde 1972 in Düren (Nordrhein-Westfalen) geboren und lebt seit den 90er Jahren in Köln, wo er eine Lehre als Schweißer absolvierte und später Musik und Medienpädagogik studierte. Seit 2005 tritt Tappert als Stand-Up-Comedian in ganz Deutschland auf. Am 27. April 2018 um 20 Uhr ist er mit seinem neuen Programm „Glücksritter ... vom Pech verfolgt“ in der Rostocker Stadthalle zu sehen.Tickets unter: 0381/38 30 30 17 oder www.oz-tickets.de

Stefanie Büssing

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