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Rostock Perfekt für Pinguine: Eis-Fisch bei sommerlichen Temperaturen
Mecklenburg Rostock Perfekt für Pinguine: Eis-Fisch bei sommerlichen Temperaturen
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04:30 13.09.2013
Sechs bis sieben Kilo Fisch verputzen die Pinguine im Zoo täglich.
Barnstorfer Wald

Prügeleien, Eifersucht und Bequemlichkeit — bei den Humboldtpinguinen im Rostocker Zoo ist mehr los, als man den „Frackträgern“ auf den ersten Blick zumuten mag.

Essenzeit auf der Pinguinanlage. „Heute gibt es Sprotte und Lotte, weil der Ostsee-Hering derzeit etwas zu groß ist“, sagt Tierpflegerin Petra Reemer, als sie die sechs bis sieben Kilo gefrorenen Fisch vorbereitet. Die Größe der Fische ist für die Pinguine kein Problem. „Sie können sogar Atlantik-Heringe verputzen, aber dann sind sie schon nach zwei Fischen satt und das Publikum hat nichts davon“, erklärt die 47-Jährige, die sich seit zehn Jahren um die Tiere kümmert. Damit die Pinguine große Fische schlucken können, hat die Evolution etwas besonderes hervorgebracht. „Wenn man die Dimensionen vergleicht, ist das so, als würden wir ein Kaninchen auf einmal schlucken. Bei den Pinguinen ist es so, dass sich Luft- und Speiseröhre aber nicht kreuzen. Die Luftröhre teilt sich nach einem kurzen Stück und läuft seitlich an der Speiseröhre vorbei“, erklärt die Pflegerin von derzeit elf männlichen und zehn weiblichen Pinguinen.

Auch dafür, dass die Vögel ihre Beute immer im Ganzen schlucken, gibt es eine Erklärung. „Pinguine jagen in Kleingruppen. Sie kreisen Fischschwärme ein. Damit die anderen der Jagdtruppe ihnen den Fisch nicht wegschnappen, wird gleich geschluckt und nicht abgebissen“, erklärt sie.

Eine Hierarchie gibt es bei den Tieren nicht. Dennoch droht von Zeit zu Zeit Ärger im Gehege. Schuld sind meist die Mädels. Im vergangenen Jahr haben sich Momo und Willi um Emma gestritten, weil sie erst mit einem, dann mit dem anderen „rumgemacht“ hat. „Das kann auch mal blutig werden — nicht schön“, weiß die Pflegerin. Momo sei daraufhin separiert worden. „Nach der Mauser hat sich Emma dann gänzlich für Willi entschieden“, erzählt Reemer und lächelt. Sie selbst hat auch einen tierischen Verehrer in der Gruppe. „Man hat kein Lieblingstier, weil man keines bevorzugen will. Es ist aber schon so, dass der eine oder andere Pinguin auf einen geprägt ist“, sagt sie. Bei ihr ist das Ecki. „Tiere sehen uns teilweise als Gruppenmitglied“, erzählt die 51-Jährige. Ecki folgt ihr auf Schritt und Tritt, wenn sie auf der Anlage unterwegs ist. Auch Kuscheln oder auf den Schoß will er von Zeit zu Zeit. „Er wird sich aber bald abnabeln und eine Pinguinfreundin suchen. So war das auch bei den bisherigen Tieren“, sagt sie.

Pinguine seien sensible Tiere. „Das wichtigste ist, dass sie keinen Stress haben“, berichtet sie. Stressfrei könnten die Vögel in Gefangenschaft 25 bis 30 Jahre alt werden. Der Senior der Rostocker Gruppe ist 24 Jahre alt. „Hier haben sie keine Fressfeinde, wie Orcas oder Robben, konstant Futter und sauberes Wasser“, erklärt die Pflegerin.

Damit das so bleibt, wird einmal am Tag das Areal geschrubbt, wöchentlich kommt der Wasserwechsel im Becken hinzu. Dass die Becken oft nicht sauber aussähen liege an Algen an den Beckenwänden. „Mit dem Wasser hat das nichts zu tun“, sagt sie.

Zur Unterscheidung der Tiere gebe es verschiedene Möglichkeiten. „Zum einen haben Pinguine ein individuelles Punktemuster auf der Brust. Das ist wie der Fingerabdruck des Menschen. Wir markieren die Tiere aber zusätzlich mit Farbringen um die Flügel, so kann man sie auch auseinanderhalten, wenn sie im Wasser sind.“ Die Pinguine erkennen einander an der Stimme.

Winter mag die Rostocker Gruppe übrigens gar nicht. „Das kommt daher, dass der Humboldtpinguin an der Küste von Chile und Peru beheimatet ist. Er ist die einzige Art die schwitzen kann. An den Schnäbeln und an den Füßen haben die Vögel Schweißdrüsen. Dadurch verlieren sie im Winter natürlich Wärme und frieren dann“, erklärt Reemer. Daher sei den Tieren der Sommer wesentlich lieber.

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Tierfreunde, aufgepasst: Der Rostocker Zoo und die OSTSEE-ZEITUNG laden zwei Interessierte zu einer besonderen Führung ein: quasi ein Meet & Greet mit den putzigen Tierchen. Sie dürfen am Nachmittag des 27. September zu den Pinguinen ins Gehege, sie füttern und noch mehr. Interesse? Dann schicken Sie uns eine E-Mail und begründen möglichst originell, warum gerade Sie zu den kleinen Frackträgern sollen. E-Mails bitte an: lokalredaktion.rostock@ostsee-zeitung.de, Stichwort „Pinguine“.

Karsten Wilke