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Rostock Pflanzen dösen noch im Winterschlaf
Mecklenburg Rostock Pflanzen dösen noch im Winterschlaf
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00:05 10.05.2017
Kälte schadet vor allem Obstblüten, wie den Apfelblüten. Wenn sie Frost abbekommen, werden sie zerstört. Quelle: FOTO:

Lang anhaltender Frost, wenig Regen und noch weniger Sonne. Das Frühjahr begann alles andere als vielversprechend. Doch während das Wetter für den Otto Normalverbraucher nur unangenehm ist, kann es für Gärtner und Bauern zur Belastungsprobe werden. „Es ist schwierig“, sagt Susanne Baltzer, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Bad Doberan.

Flora ist 14 Tage im Verzug / Wetter beeinflusst Wachstum in Rostock und Umgebung

Auch der eisige Ostwind lasse scheinbar nicht nach. „Für das Wachstum der Pflanzen sind das keine guten Voraussetzungen“, erzählt Susanne Baltzer. Gerade die Obstbäume habe es getroffen.

„Wir haben vier Frostnächte hinter uns, da war die Entwicklung der Blüte aber noch nicht weit fortgeschritten“, erzählt Rolf Hornig von der LMS Agrarberatung aus Schwerin. Er betreut auch die Obstbaubetriebe in Rostock und Umgebung. Die geschlossenen Knospen seien zwar weniger empfindlich, jedoch nicht frostresistent. „Ein Teil der Knospen ist zerstört worden. Wie hoch der Schaden ist, kann noch nicht beziffert werden“, erklärt Hornig. Immerhin: Wenn nur fünf bis zehn Prozent der Apfelblüten sich zu Früchten entwickeln, könne man noch von einem normalem Ertrag sprechen.

Auch Volker Bredenkamp bleibt trotz des ausbleibenden Frühlingswetters zuversichtlich. Der Landwirt baut vor allem Mais, Getreide und Raps an. „Wenn man diesen Beruf aufnimmt, weiß man, dass man das Wetter nicht beeinflussen kann“, sagt der Bauer aus Bastorf. Doch wer gut ausgebildet sei, wisse auch, wie man darauf reagieren könne. „Nicht alle Pflanzenschutzmittel sind schlecht. Sonst hätten wir mehr Missernten und Hungersnöte“, so Bredenkamp.

Dem Raps gehe es in diesem Jahr sogar besser als im Vorjahr. Seine Blüte ist robuster als die eines Obstbaumes. „Der jetzige Winter hatte einen normalen Witterungsverlauf und das hat die Pflanzen abgehärtet.“ Regen habe es zwar wenig gegeben, doch durch die kalten Temperaturen sei das Wasser im Boden nicht so schnell verdunstet. „Im vergangenen Jahr hatten wir im Mai schon Trockenschäden.“

Dabei würden die Landwirte der Region vom milderen Ostseeklima profitieren. Dennoch sei die Rapsblüte momentan 14 Tage im Verzug. „Sie läuft jetzt erst verhalten an, sonst ist sie um die Zeit schon durch“, erzählt der 54-Jährige. Auf den Ertrag muss sich das jedoch nicht auswirken. „Die Natur kann das wieder aufholen.“

Auch Rostocks Kleingärtner bleiben gelassen. „Wir sind ja keine Jammerlappen, sondern nehmen das Wetter, wie es ist“, sagt Christian Seifert, Vorsitzender der Rostocker Gartenfreunde. „Der Boden ist feucht und ganz so kalt ist es ja auch nicht.“ Das Ostseeklima habe nur in bestimmten Teilen von Rostock den Frost von den Pflanzen abhalten können. Gerade als Hobby-Gärtner sei der Druck jedoch nicht so hoch wie in der Landwirtschaft. „Wir müssen die Ernte nicht kommerziell vermarkten“, sagt Christian Seifert.

Für den naturnahen Kleingärtner Jörg Sedl sind die ungewöhnlichen Witterungsverhältnisse ein Grund dafür, nicht nur Monokulturen anzupflanzen. „Wenn man einen artenreichen Garten hat, kommt immer irgendetwas.“ Wenn man hingegen nur zwei unterschiedliche Sorten anbaue, steige das Risiko eines Totalverlusts. „Wir haben zehn verschiedene Kartoffel- und Bohnensorten in unserem Garten“, erzählt der 57-Jährige. Er betont: „Wir bewegen uns mit der Natur.“

Von einem Verlust möchte Bauer Bredenkamp nicht sprechen. Wenn die nächsten Wochen sommerlich werden, könne auch dieser vergangene „Winterschlaf“ wieder aufgeholt werden. „Es kann eine normale Ernte werden, wir blicken positiv nach vorn“, betont der Landwirt. Eine Bauernweisheit gibt Hoffnung: „Mai kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun und Fass“.

Dafür sei das Wetter in den kommenden Wochen entscheidend, weiß der Landwirtschafts-Berater Rolf Hornig. „Wir brauchen Temperaturen zwischen 18 und 20 Grad Celsius, damit die Honigbiene wieder fliegen kann.“

Johanna Hegermann

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