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Rostock Politik macht Druck: Ampel für Nienhagen kommt
Mecklenburg Rostock Politik macht Druck: Ampel für Nienhagen kommt
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00:00 06.12.2017
Wir freuen uns über die Unterstützung aus der Bürgerschaft.Kurt Massenthe, Ortsbeirat Gehlsdorf Quelle: Foto: André Wornowski
Nienhagen

Alle halten es für notwendig, doch das allein reichte zunächst noch nicht aus. Die vom Ortsbeirat Gehlsdorf geforderte Fußgängerampel für die Ortsdurchfahrt Nienhagen kommt so schnell nicht, ginge es nach dem Willen der Verwaltung. Bis 2021 sei dafür kein Geld eingeplant, heißt es in der Stellungnahme, die Senator Holger Matthäus (Grüne) unterschrieb. Es gebe wichtigere Vorhaben. Das sieht die Politik ganz anders und macht Druck.

Mittelfristig muss die Ortsumgehung eingeplant werden.Heiko Tiburtius, Leiter Amt für Verkehrsanlagen Quelle: Foto: Ove Arscholl

Gleich vier Ausschüsse haben sich vor der heutigen Bürgerschaftssitzung mit deutlichen Mehrheiten für den schnellen Bau dieser Ampel eingesetzt. Der Finanzausschuss fordert den Oberbürgermeister unmissverständlich auf, „die Errichtung einer Fußgängerampel in der Ortslage Rostock-Nienhagen, Hinrichshäger Straße unverzüglich in Auftrag zu geben“. Das zuständige Amt solle dafür Geld auftreiben.

Es gehe um die Sicherheit der Schulkinder.

Ortsbeiratschef Kurt Massenthe (UFR) freut sich über die Unterstützung aus der Politik. „Wenn es so eine akute Gefahr gibt, darf nicht nach Stadtsäckel entschieden werden.“ Massenthe hatte in seinem Antrag erst 2019 den Bau vorgesehen. Wenn alles jetzt noch schneller gehe, umso besser, erklärt der Ortsbeiratschef.

Heiko Tiburtius, Leiter des Amtes für Verkehrsanlagen, rechnet mit Kosten zwischen 70000 und 80000 Euro. Die große Gefahr für Kinder an den Bushaltstellen streitet auch der Senatsbereich von Holger Matthäus in der Stellungnahme gar nicht ab. Die Hinrichshäger Straße sei geprägt durch einen hohen Durchgangsverkehr von und nach Rostock insbesondere auch zum Seehafen, nach Peez zum Tanklager, zum Güterverkehrszentrum und dem Hafenvorgelände, erläutert Kurt Massenthe.

Auf der Ortsdurchfahrt der L 22 in Nienhagen werden laut Stadt an normalen Werktagen 8000 Fahrzeuge am Tag und etwa 800 in der sogenannten Spitzenstunde gezählt. In den Sommermonaten liege die Verkehrsbelastung auf der Bäderstraße zum Teil noch deutlich darüber. Dazu komme ein sehr hoher Schwerverkehrsanteil im Bereich von zehn Prozent, so die Zahlen aus dem Amt für Verkehrsanlagen.

Gezählt wurde im Mai und im Juni, erläutert Heiko Tiburtius. Also bevor die Belastung durch die gesperrte Bundesstraße 105 vor einigen Wochen deutlich anstiegen war. Das Fazit nach einem Ortstermin für die Verkehrsplaner: Selbst bei wenig Verkehr sei es schwierig, über die Straße zu kommen und „Querungshilfe für Fußgänger erforderlich“. Zebrastreifen oder Mittelinsel seien ungeeignet.

Erst vor einigen Wochen hatten sich Bewohner aus Nienhagen massiv beschwert, weil die seit langem versprochene Ortsumgehung noch lange nicht in Sicht (die OZ berichtete) und der Weg zum Schulbus für Kinder lebensgefährlich sei. Da hatte beispielsweise Antje Salow erklärt, dass sie ihre neunjährige Tochter nicht allein zur Haltestelle gehen lasse. Sie müsse sie über die viel befahrene Straße bringen, die gleich vor ihrem Haus entlang führt.

Zu den Initiatorinnen des Protests vor einigen Wochen gehörte Elke Holz. Die Nachricht vom möglichen Ampelbau nahm sie höchst erfreut zur Erkenntnis. „Wir sind für jede Verbesserung dankbar“, sagte sie gestern. Ansonsten fühlten sich die Bewohner am nordöstlichen Rostocker Stadtrand bisweilen ein wenig allein gelassen.

Alle Probleme seien damit auch längst nicht gelöst. Insbesondere der Lärm durch den Lkw-Verkehr, sei belastend, erklärt Elke Holz. Für die Nienhäger bleibt das, was seit Jahren versprochen wurde, ganz oben auf der Wunschliste – die Umgehungsstraße für den Ort. Das sei die einzige dauerhafte Lösung, erklärt auch Heiko Tiburtius. Angesichts der Verkehrsbelastung in Nienhagen sollte die Umgehung „mittelfristig“ in die Planungen eingeordnet werden.

8000 Fahrzeuge am Tag

8000 Fahrzeuge am Tag und etwa 800 Fahrzeuge in der Spitzenstunde werden auf der Ortsdurchfahrt der L22 in Nienhagen an normalen Werktagen gezählt, so die Angaben aus dem stäAmt für Verkehrsanlagen. In den Sommermonaten liege die Verkehrsbelastung zum Teil deutlich darüber. Ermittelt wurde zudem ein hoher Schwerverkehrsanteil von etwa zehn Prozent. Der hängt erheblich mit dem benachbarten Güterverkehrszentrum und Hafenflächen zusammen. Heute gibt die Stadt den letzten vierspurig ausgebauten Teil der Hinrichshäger Straße offiziell frei.

Thomas Niebuhr

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