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Altersgerechtes Wohnen: Zoff um B-Plangebiet

SIEVERSHAGEN Altersgerechtes Wohnen: Zoff um B-Plangebiet

In Sievershagen soll eine Wohnanlage für ältere Bürger entstehen. Nicht alle können sich mit der Vorstellung anfreunden.

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Bleiben resolut: Hans Dethloff und Enkel Ole Franke.

Quelle: Jens Barkhorn

Sievershagen. Künftig sollen Senioren in der Gemeinde Lambrechtshagen einen neuen Platz zum Wohnen erhalten. Auf dem Gelände der Kleingartenanlage „Am Heydenholt“ im Ortsteil Sievershagen sollen bis zu 60 Wohneinheiten entstehen. Die Gemeindevertreter leiteten am Mittwoch das Verfahren für einen Bebauungsplan in die Wege. Widerstand kommt von Anwohnern und Kleingärtnern.

„Wir müssen erst einmal sehen, welche Parzellen betroffen sind“, sagt Annette Roeßler, Geschäftsführerin des Kreisverbands der Gartenfreunde Rostock-Land. „Aber es stellt sich die Frage, ob eine Wohnanlage für altersgerechtes Wohnen überhaupt notwendig ist.“

Ole Franke bezweifelt, dass die Maßnahme nur Senioren zugute kommen wird. „Hier wird wohl nicht nur altersgerechtes Wohnen entstehen.“ Er hegt stattdessen den Verdacht, dass auch ganz normale Häuser für jüngere Bürger entstehen könnten. Und noch etwas anderes regt den 30-Jährigen auf. Eine mögliche Zuwegung zum B-Plangebiet könnte bald über die Ampelkreuzung nahe dem Baumarkt erfolgen.

Doch genau dort befindet sich das Wohnhaus seines Großvaters. Seit jeher ist das 1874 erbaute Haus in Familienbesitz. „Hier wurde ich 1935 geboren“, berichtet Eigentümer Hans Dethloff. Nur nach dem Verkauf könnte die Gemeinde die Zufahrt bauen. Sie hat das Vorkaufsrecht, sobald der Eigentümer sein Grundstück loswerden möchte. Doch das sei ausgeschlossen, sagt Franke: „Wir haben keineswegs Bestrebungen, das Grundstück zu verkaufen.“

Besonders pikant: Bürgermeister Gerhard Matthies (CDU) ist offenbar persönlich an den 78-jährigen Dethloff herangetreten. „Der Bürgermeister meinte zu meinem Großvater, dass er ja das Haus abreißen und das Grundstück dann verkaufen könne. Anschließend könne er in das altersgerechte Wohnen umziehen“, berichtet Ole Franke. Er verurteilt den Besuch des Bürgermeisters: „Das ist skrupelloses Handeln.“

Matthies widerspricht dieser Darstellung: „Ich habe ihn als Bürgermeister angesprochen und ihn von der Maßnahme unterrichtet. Solch ein Gespräch ist ein ganz normaler Vorgang.“ Dabei habe er auch mitgeteilt, dass die Gemeinde irgendwann einmal die Zufahrt über dieses Grundstück bauen wolle. Derzeit sei dies aber noch kein Thema, gibt der Bürgermeister an. Erst wenn die Familie verkaufen wolle, werde sich die Gemeinde damit genauer befassen. Als sicher gilt eine Zufahrt über Alt Sievershagen.

An der Diskussion und der Abstimmung zum Thema nahm Matthies nicht teil. Er setzte sich währenddessen in den Zuhörerbereich. Über seine Beweggründe dafür schweigt der Kommunalpolitiker. Gerüchte, er selbst sei Investor für die Wohnungen, weist Matthies zurück: „Ich bin nicht persönlich befangen.“

Wie die Häuser für das altersgerechte Wohnen aussehen sollen, steht noch nicht fest. „Das können auch Eigenheime sein“, sagt der stellvertretende Bürgermeister Joachim Jürß (CDU). Es sei aber darauf zu achten, dass beispielsweise Türen und Bäder seniorengerecht gebaut würden.

Für besonderen Bedarf
„Heydenholt“, der bisher eine Grünfläche mit Kleingärten vorsieht, soll geändert werden. Die neue Bezeichnung heißt dann „Altersgerechter Wohnungsbau Am Kirchstieg in Sievershagen“.

Gebaut werden dürfen nur Wohngebäude für Personen mit besonderem Bedarf — in diesem Fall Senioren. Bis zu 60 Wohnungen sollen in dem B-Plangebiet entstehen.

Außerdem sollen Fußwege zur Querung der B 105 gebaut werden. Zwischen der Wohnanlage und der Bundesstraße soll ein Bürgerpark angelegt werden.

 

Jens Barkhorn

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