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Politik Luftwaffenübung in Laage beginnt
Mecklenburg Rostock Politik Luftwaffenübung in Laage beginnt
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20:00 08.10.2018
Tornados im Anflug: Zwei Kampfjets des Luftwaffengeschwaders 33 im Landeanflug auf Laage. Hier kommen sie bei einer groß angelegten Luftwaffenübung zum Einsatz. Quelle: ANTJE BERNSTEIN
Rostock-Laage

Mit ohrenbetäubendem Gedröhne donnern zwei Tornados auf den Airport Laage zu. Die Kampfjets kommen aus der Eifel. In den kommenden zehn Tagen sind sie in Laage stationiert und über Nord- und Ostdeutschland im Einsatz – zusammen mit vier weiteren Tornados und sechs Eurofightern aus den Geschwadern 31 (Nordrhein-Westfalen) und 33 (Rheinland-Pfalz).

750 Soldaten üben für Ernstfall

Auf dem Stützpunkt Laage hat am Montag eine groß angelegte Übung mit rund 750 Soldaten begonnen. Sie trainieren bis einschließlich 18. Oktober für den Ernstfall. Der Fliegerhorst fungiert als Operationsbasis für die sogenannte „Leistungsvergewisserung“. Was sperrig klingt, dient der Luftwaffe als Test. Sie will herausfinden, ob Streitkräfte verschiedener Jagdverbände im Fall einer Osteuropa-Krise schnell innerhalb Deutschlands verlegt, zu einem funktionsfähigen Verbund zusammengeführt und versorgt werden können oder ob Verbesserungen nötig sind. Hintergrund sind die Auslandseinsätze, an denen sich die Bundeswehr im Rahmen internationaler Bündnisse beteiligt. Für die Nato stellt sie Krisenreaktionskräfte bereit. Bisher wurde geübt, wie die entsprechenden Kontingente schnell ins Ausland verlegt werden können. Durch Konflikte an den Nato-Außengrenzen und die Ungewissheit über die russische Außen- und Sicherheitspolitik wurde der Fokus neu gesetzt. Die Bündnis- und Landesverteidigung stehe nun im Fokus, erklärt Kommodore Gero von Fritschen, Kommandeur des in Laage stationierten taktischen Luftwaffengeschwader 73 „Steinhoff“.

16 zusätzliche Flüge pro Tag

Das Luftwaffengeschwader 73 übernimmt eine Doppelrolle. Zum Einen ist es Gastgeber für die Geschwader 31 und 33, die am Montag insgesamt zwölf ihrer Eurofighter und Tornados nach Laage verlegt haben. Neben den Kampfjets nehmen eine Transportmaschine vom Typ A400M und ein Tankflugzeug von ihren Heimatflughäfen bei Hannover und Köln aus am Einsatz teil. Zeitgleich läuft auf dem Fliegerhorst das „Alltagsgeschäft“. „Wir erfüllen unsere Kernaufgabe - die Aus- und Weiterbildung der Eurofighter-Piloten – parallel zur Übung weiter“, erklärt Kommodore Gero von Fritschen. Damit werde sich der Flugbetrieb nahezu verdoppeln. Statt der gewöhnlichen 20 Starts pro Tag werden es ab kommender Woche 36 sein. Unerträglichen Lärm müssten Anwohner aber nicht befürchten, gibt Fritschen Entwarnung. „Es kommt allenfalls zu punktuellen Mehrbelastungen“. Der gesamte Übungsraum erstrecke sich von Niedersachsen bis Sachsen sowie über den an Norddeutschland angrenzenden Seegebiete.Der Flugverkehr auf dem Airport Rostock-Laage bleibe von der Großübung unberührt.

Nato und Bundeswehr wollen sich wieder mehr auf Verteidigung konzentrieren. Die Luftwaffe übt deshalb in Laage den Einsatz bei einem Konflikt in Osteuropa. Anwohner müssen für zehn Tage mit einer fast verdoppelten Zahl der Flüge rechnen. Am Montag trafen zwölf Tornados und Eurofighter in Laage ein. Die Jets aus den Geschwadern 31 und 33 kommen während der Übung ebenso zum Einsatz wie eine Transportmaschine A 400 M und ein Tankflugzeug.

Cyberattacken und Terrorangriffe

Das Gros spielt sich ohnehin am Boden des Stützpunkts ab. Das Hauptaugenmerk der „Leistungsvergewisserung“ liege auf logistischen und technischen Abläufen, sagt Fritschen. Personal und Technik müssen beweisen, dass sie auch dann funktionieren, wenn Saboteure sie angreifen. Das Szenario folgt einem „Drehbuch“. Die „Autoren“ - das Luftwaffentruppenkommando und das Zentrum für Luftoperationen – leiten die Übung. Welche Herausforderungen sie in petto haben, davon muss sich auch der Geschwaderkommandeur überraschen lassen. „Ich bin gespannt, welche Führungsleistungen mir abverlangt werden“, sagt Fritschen. Ihm unterstehen die Objektschutzkräfte. Sie werden es mit sogenannten asymmetrischen Bedrohungen zu tun bekommen. Dazu zählen Cyberattacken auf die computergestützten Logistiksysteme sowie Eindringversuche von Terrorgruppen, die den Betrieb auf dem Fliegerhorst lahmlegen wollen.

Bereits die vergangenen zwei Wochen haben den Logistikern viel abverlangt. Rund hundert Container mit Material sind in Vorbereitung der Großübung auf den Fliegerhorst gerollt. „Das hat reibungslos geklappt“, bilanziert Fritschen. Er ist optimistisch, dass sich die Soldaten auch bei der „Leistungsvergewisserung“ bewähren.

Luftwaffenübung in Laage – die Fakten

750 Soldaten sind an der Luftwaffenübung in Laage beteiligt. Zum Einsatz kommen dabei auch zwölf Eurofighter und Tornados aus den Geschwadern 31 (Nordrhein-Westfalen) und 33 (Rheinland-Pfalz) sowie eine Transportmaschine A400M und ein Tankflugzeug. Letztere zwei nehmen von ihren Heimatflughäfen bei Hannover und Köln aus teil. Die Übung dauert bis 18. Oktober an. In der zweiten Woche wird sich durch die Übung die Zahl der Flüge über Laage nahezu verdoppeln. Sie steigt von 20 auf 36 pro Tag. Der für die Übung nötige Flugbetrieb soll täglich zwischen 9 und 16.30 Uhr stattfinden und erstreckt sich über Nord- und Ostdeutschland.

Antje Bernstein