Volltextsuche über das Angebot:

25 ° / 12 ° heiter

Navigation:
„Reform war ein Rückschritt“

Zwischen Glück und Wunsch: Der Landkreis Rostock ist zwei Jahre alt „Reform war ein Rückschritt“

Der Großkreis startete als „Landkreis Landkreis Rostock“ und sorgte mit dem Namen für Kopfschütteln. Bis heute sind längst nicht alle glücklich mit der Kreisgebietsreform. Die OSTSEE-ZEITUNG fragte nach.

Voriger Artikel
Losverfahren: Nur zehn Presseplätze im Meuterei-Prozess
Nächster Artikel
Laubenpieper helfen Naturschützern

Einfach überklebt: Vor zwei Jahren haben die Ortstafeln im ehemaligen Landkreis Bad Doberan den neue Zusatznamen „Landkreis Rostock" erhalten.

Quelle: Hartmut Klonowski

Fred Ibold, Bürgermeister in Tessin: „Nichts ist billiger geworden. Einspareffekte gibt es nicht. Die Kreisumlage ist stattdessen dramatisch gestiegen. Fachkompetenz in der Kreisverwaltung und die Qualität der Arbeit gingen verloren, weil sich viele Mitarbeiter um Posten nahe ihres Wohnortes bemühten. Die Folge: Turbolenzen und viele unbearbeitete Anträge. Wir müssen das Beste daraus machen. Wir können nicht zurück. Ich bin optimistisch.“

00010g4j.jpg

Nichts ist billiger geworden. Die Politik bemüht sich, Kompromisse zu finden.“Fred Ibold, Tessin

Zur Bildergalerie

Axel Wiechmann, Bürgermeister in Dummerstorf: „Einen Grund zur Freude gibt es nicht. Bürgernähe ist verloren gegangen. Große Probleme gibt es vor allem bei der Förderung und Unterstützung freiwilliger Aufgaben. Den Hut ziehe ich vor den Mitarbeitern der Kreisverwaltung, die trotz ungünstiger Rahmenbedingungen versuchen, gute Arbeit zu leisten. Die Reform ist ein negatives Beispiel, wie man so ein Vorhaben nicht umsetzen sollte.“

Frank Giese, Bürgermeister in Graal-Müritz: „Die beiden alten Landkreise brauchen Zeit zum Zusammenwachsen. Bisher verschiedene Sicht- und Herangehensweisen müssen aufeinander abgestimmt werden. Das nötigt mir Respekt ab. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg.“

Björn Kinner, Feuerwehrmann in Bad Doberan: „Die Ämter, mit denen ich Kontakt hatte, waren zum Glück in Bad Doberan und somit entfiel die Fahrt nach Güstrow. Durch die Reform sind neue Feuerwehrstrukturen entstanden, eine neue Software für die Feuerwehren wurde eingeführt, mit der die Verwaltung einfacher, der Papierkram weniger wurde.“

Cornelia Kanthak, Mitarbeiterin beim DRK: „Dank meines Jobs kann ich Hort- und Kitaplatz für meine Kinder und die Wohnung selbst bezahlen. Aus Gesprächen weiß ich, dass mancher Probleme bei der Beantragung von Sozialleistungen hat. Früher war der Dienstweg zwischen DRK und Jugendamt einmal über die Straße, heute läuft viel per E-Mail und Telefon.“

Roland Dethloff, Bürgermeister in Neubukow: „Bislang hat die Reform außer Unruhe und Missstimmung nichts gebracht. Sofortige Einsparungen hatte ich nicht erwartet. Noch gilt es, das Gute aus dem Altkreis Doberan zu verteidigen.“

Helmut Precht, Bauer in Laage: „Die Erreichbarkeit und Dienstleistung für die Bevölkerung lässt zu wünschen übrig, zum Beispiel warten die Träger von Kitas sehr lange auf Zuwendungen des Kreises. Ergebnis der Reform: mangelhaft.“

Adriane van Loh, Regionalvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt: „Bürgerunfreundlich, da die Ämter bis auf wenige Ausnahmen nur an einem Standort erreichbar sind. Damit wurden auch noch ohne Not Personalprobleme inszeniert, die schädlich für Einwohner und Verwaltung sind. Persönlich habe ich viele neue Menschen kennengelernt, andere Lösungsansätze erfahren und empfinde dies als Bereicherung.“

Harry Klink, Lehrer in Rostock, Stadtvertreter in Doberan: „Dieser über die Köpfe der Menschen von Landesregierung und Landtag durchgepeitschten, aber — wegen des Bevölkerungsrückgangs — notwendigen Gebietsreform hätte eine Funktionalreform vorangehen müssen. Hier hat die Politik den Bürger wiederholt ignoriert.“

Arno Gutzmer, Chef der Doberaner Wohnungsgesellschaft: „In Sachen Kosten der Unterkunft gibt es eine zuverlässige Zusammenarbeit. Anträge im Bauamt werden jetzt in Güstrow ohne Qualitätsverlust bearbeitet, die Zusammenarbeit mit dem Katasteramt ist positiv, dies ist ja weiterhin in Bad Doberan. Die Wohnraumnachfrage hat sich durch die Ausdünnung der Kreisverwaltung nicht verschlechtert.“

Detlef Lindemann, Geschäftsführer beim Bauernverband Bad Doberan: „Im Moment habe ich noch nicht den Eindruck einer erfolgreichen Gebietsreform. Wie vermutet, wurde durch die Reform viel Unruhe in die Altkreise reingebracht, die immer noch zu spüren ist. Mitarbeiter müssen sich neu finden, es ist kein ausgeglichener Haushalt in Sicht, es gibt noch viel zu tun. Berufliche und persönliche Kontakte nach Güstrow hatte ich schon vor der Reform, das ist so geblieben.“

Detlef Galda, Lehrer in Satow: „Beide Altkreise bewegen sich aufeinander zu, spürbar ist der zunehmende Verkehr zwischen Güstrow und Doberan. Probleme gibt es beim Schülerverkehr.

Eltern, die ihre Kinder aus dem alten Nachbarkreis zu uns schicken wollen, haben Probleme. Als Hobbyfußballer betrachte ich die Reform so: Was politisch erst träge ins Laufen kommt, wird im Kreisfußballverband seit Jahren praktiziert. Aber auch hier ist der immens gestiegene Aufwand für den Spielbetrieb für viele kleine Vereine ein hoher Satz, der zu stemmen ist.“

Birgit Mersjann, Stadtvertreterin in Doberan: „Ich meine, dass der Kreis und die Verwaltung noch dabei sind, sich zu finden. Daher ist es noch etwas zu früh, ein Resumee zu ziehen. An mein neues Autokennzeichen habe ich mich gewöhnt.“

Landkreis in Zahlen
3421 Quadratkilometer groß in der Landkreis Rostock, etwa so groß wie die spanische Mittelmeerinsel Mallorca.

86 Kilometer ist die größte Ost-West-, 79 Kilometer die größte Nord-Süd-Ausdehnung, 62 km lang ist die Küste.

120 Städte und Gemeinden mit derzeit 214 889 Einwohnern gibt es.

 

Claudia Haiplick/Klaus Walter

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Rostock

Vor 25 Jahren wütete vor dem Sonnenblumenhaus der Mob. Vier Tage lang flogen Steine und Brandsätze gegen Flüchtlinge, Vietnamesen und Polizeibeamte. Die Anwohner applaudierten. Der Ausnahmezustand überforderte alle – Politik, Polizei und auch die Presse.

Hier finden Sie eine Multimedia-Reportage zum Thema. mehr

Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Beilagen
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

OZ-Bild
Florian Silbereisen feiert großes Schlagerfest in neuer Stadthalle

Mit 3800 Gästen haben Jürgen Drews, Ben Zucker, Klubbb3, Helene Nissen und Ross Antony gestern mit Party-Hits ein Fest der guten Laune gefeiert.