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Trotz Absage: 2000 Rostocker protestieren gegen Rogida

Kröpeliner-Tor-Vorstadt/Stadtmitte Trotz Absage: 2000 Rostocker protestieren gegen Rogida

Demonstranten ziehen zum Hauptbahnhof. Religionsgemeinden treffen sich in der Marienkirche. Bündnis ruft zur Kundgebung am Kröpeliner Tor auf.

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Mehr als 500 Demonstranten ziehen vom Doberaner Platz zum Hauptbahnhof. Fotos (3): Ove Arscholl

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Stille in der Marienkirche, Salsa-Klänge am Kröpeliner Tor: Mit verschiedenen Aktionen haben gestern knapp 2000 Rostocker gegen den islamkritischen Rogida- Protestzug protestiert, der zuvor vom Veranstalter abgesagt worden war. Anette Niemeyer vom Bündnis „Rostocker nazifrei“ spricht von einem Erfolg. „Trotz des Wetters sind mehr als doppelt so viele Teilnehmer gekommen wie in der vergangenen Woche. Das zeigt deutlich: Rostock für alle!“

Mehr als 500 Demonstranten ziehen am Nachmittag vom Doberaner Platz zum Hauptbahnhof. Es nieselt. „Gleiche Rechte für alle“, „No Rogida“, „Asyl ist Menschenrecht“ steht auf Plakaten. Rockmusik dröhnt aus Lautsprecherboxen. Am Bahnhof angekommen, steigen etwa 100 Teilnehmer in den Zug nach Schwerin. Dort soll der Protest gegen die aktuelle Mvgida-Demonstration unterstützt werden.

In der Marienkirche treffen sich Muslime, Christen und Juden. „Es gibt keinen Weltfrieden ohne den Frieden der Religionen.“ Mit einem Zitat eröffnet Tilman Jeremias, Pastor der Innenstadtgemeinde, die interreligiöse Begegnung. Für Jeremias ist klar: „Rogida will die Gesellschaft spalten.“ Der breite Protest am vorherigen Montag habe den Aufmarsch verhindert. „Das war ein großer Erfolg.“ Etwa 800 Besucher sind in der Kirche. Jeremias ruft zur Stille auf. Damit jeder für sich so beten kann, wie er es will. Dann werden Auszüge aus Bibel und Koran vorgetragen. Es geht um Fremdsein, Gastfreundschaft und Solidarität. Die Botschaft: Alle Menschen sind nur Gäste und Fremde auf der Erde.

Am Kröpeliner Tor ergreift Volkstheater-Intendant Sewan Latchinian das Wort. „Menschen zu trennen, ist absurd, dumm und zum Scheitern verurteilt.“ Latchinian sei halb Armenier, halb Deutscher. „Ich müsste mir das halbe Herz rausreißen, wollte ich mich für eine Seite entscheiden.“ Jeder Mensch habe eine Migrationsgeschichte hinter sich. Bei manchen liege diese nur Jahrhunderte zurück. Und:

Keiner wird als Flüchtling geboren, Flüchtlinge werden gemacht. Latchinian habe überlegt, am Theater ein Plakat mit der Botschaft „Vogida“ anzubringen — „Volkstheater gegen die Idiotisierung des Abendlandes“. Das sei aber zum Glück in Rostock nicht notwendig. Der Widerstand sei auch so groß genug.

Rund 400 Zuhörer klatschen Applaus. Trotz Regens kommen immer mehr dazu. „Wir setzen ein Zeichen für Toleranz und Weltoffenheit. Das ist großartig“, sagt Andreas Reinke, Kreisgeschäftsführer der Linken. Peter Hlawaty, Geschäftsführer der IG-Metall Rostock, kritisiert: Pegida missbrauche die Montagsdemos der DDR und die Losung „Wir sind das Volk“. Pegida stehe für Ausgrenzung und Diskriminierung. „Das ist beschämend“, sagt Hlawaty. Gleichzeitig zeige das Phänomen, dass Themen wie Arbeitslosigkeit und Globalisierung lange zu kurz gekommen seien. Das müsse sich ändern.

Drastische Worte vom Vorsitzenden des Migrantenrates, Juri Roszov. Er vergleicht Pegida mit der Pest. „Sie hat um unsere Stadt noch einmal einen Bogen gemacht. Aber die Pest ist noch nicht vorbei.“

Für den kommenden Montag soll eine Rogida-Demo mündlich angekündigt worden sein, heißt es. Ein schriflicher Antrag ist jedoch nötig.

 



André Wornowski

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