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Rostock Politologe: „AfD als geistige Brandstifterin“
Mecklenburg Rostock Politologe: „AfD als geistige Brandstifterin“
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14:24 29.08.2018
Wolfgang Muno, Politologe an der Uni Rostock Quelle: Universität Rostock
Rostock

OZ: Herr Prof. Muno, Sie sind Politologe an der Uni Rostock. Hetzjagd auf Ausländer – kann das auch in Mecklenburg-Vorpommern passieren?

Prof. Wolfgang Muno: Ich bin der Ansicht, dass dies überall geschehen kann, wenn auch nicht in diesem Ausmaß.

Worin sehen Sie Ursachen?

Der Staat hat sich in den letzten Jahren in vielen Bereichen zurückgezogen, Krankenhäuser, Schulen oder Polizeidienststellen geschlossen. Viele glauben, Politik und Staat hätten versagt. In den neuen Bundesländern zeigt dies deutlich größere Wirkung, da der Staat in der ehemaligen DDR stärker wahrgenommen wurde. Viele Menschen vertrauen Staat und Medien nicht mehr. Die Lücke versuchen Populisten zu schließen, mit einfachen Lösungen, die natürlich nicht richtig sind.

Was tun?

Der Staat muss wieder mehr Präsenz zeigen, mit Investitionen und Personal. Er muss wieder sichtbarer werden. Mit Ärzten oder öffentlichen Haltestellen. Man muss aber auch ehrlich erklären, wo kommen die Flüchtlinge her und was passiert mit denen. So kann man, glaube ich, die meisten Menschen erreichen. Und die, die man nicht erreichen kann, muss man mit dem Gesetz bekämpfen.

Die AfD sammelt den Unmut ein, befeuert ihn gar in Mecklenburg-Vorpommern.

Im Chemnitzer Fall hat die AfD eher die Rolle des Trittbrettfahrers übernommen. Sie hat aber zuletzt die Rhetorik verschärft und viele Tabus gebrochen. Da ist es von Rhetorik bis zu Ausschreitungen nicht mehr weit. Die AfD ist geistige Brandstifterin.

Im Internet verbreiten sich Halb- und Unwahrheiten rasend schnell. Was kann man gegen Fake News tun?

Studien zeigen: Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit hat es bei einem Teil der Bevölkerung immer gegeben. Das Internet gibt diesen jetzt eine Stimme. Die gesamte Gesellschaft ist gefragt, dass dies nicht stärker wird. Jeder Einzelne kann etwas tun, indem er zum Beispiel auf Veranstaltungen Präsenz zeigt und das Signal aussendet: bis hierher und nicht weiter! Man sollte auch in der Familie bewusst auf sein Vokabular achten. Und politische Bildung muss ausgebaut werden, etwa der kritische Umgang mit Medien an Schulen.

Interview: Frank Pubantz

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