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Rostock Ponys dursten auf der Koppel
Mecklenburg Rostock Ponys dursten auf der Koppel
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00:00 14.03.2013
Auf der Koppel macht sich Wolfgang Neumann ein Bild von den Ponys. „Denen fehlt eine richtige Wasserversorgung“, kritisiert er. Quelle: Fotos: Antje Bernstein
Graal-Müritz

Dicht drängen sich die Ponys an den rostigen Maschendraht. Wolfgang Neumann streicht einer Scheckstute über die Blesse und lässt seinen Blick über die verschneite Koppel streifen. Kein Unterstand, keine Tränke, nur ein paar gammelige Fetzen alten Heus. Neumann schüttelt den Kopf. „Diese Tiere sind hier nicht artgerecht gehalten. Sie haben kein Wasser, keinen Offenstall und sind nicht tierärztlich versorgt“, kritisiert der Tierschützer vom Verein „Streuners Arche“.

Auf der weitläufigen Koppel am Graal-Müritzer Hufenweg stehen zehn Pferde, darunter auch ein erst wenige Tage altes Fohlen. Neumann will sie sich genauer ansehen. Von einer Urlauberin ist der Tierschützer aus Hastorf alarmiert worden. Die Tiere seien schutzlos der Witterung ausgesetzt, hätten weder Wasser noch anständiges Futter, hieß es.

Kritisch mustert Neumann das scheue Fohlen. „Das sieht eigentlich ganz gut aus. Aber der Jährling da drüben macht mir Sorgen.“ Mehrere Wunden zeichnen sich im Fell des Tieres ab. „Bisswunden, oder er hat sich verletzt. Vielleicht sind es aber auch Haarlinge oder Milben, und er hat sich aufgeschubbert. Da muss ein Tierarzt ran“, sagt Neumann. Aus seinem Lieferwagen holt er Heu, Möhren und frisches Wasser. Die Tiere halten begierig die Köpfe in den Eimer. „Die Tiere brauchen regelmäßig Wasser — das brackige aus dem Graben da drüben reicht nicht.“Es sei schon lange bekannt, dass die Tiere schlecht gehalten würden, berichtet ein Nachbar. Der Besitzer überlasse die Tiere größtenteils sich selbst. „Dem ist das so egal“, sagt er und winkt ab.

Der Halter, ein Mann um die 80, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will, wohnt nur wenige Straßen von der Koppel entfernt. Wolfgang Neumann will ihn zur Rede stellen. Der Mann aber ist sich keiner Schuld bewusst. Zweimal täglich fahre er mit seinem Sohn zur Koppel, um die Tiere zu versorgen, sagt er. Auch zu saufen hätten die Pferde genug. Der Graben reiche. „Die würden ja ausbrechen, wenn es nicht so wäre“, sagt der Graal-Müritzer. Als Neumann ihm von den Verletzungen des Jährlings erzählt, gibt sich der Rentner überrascht. Das sei ihm neu, er wolle aber einen Tierarzt einschalten.

Den Versprechungen glaubt Wolfgang Neumann nicht. „Das sind alles Schutzbehauptungen. Der kümmert sich überhaupt nicht um die Pferde“, sagt er nach dem Gespräch. Er wolle jetzt das Veterinäramt einschalten. Das war bereits vor drei Tagen von besagter Spaziergängerin kontaktiert worden. Am Sonntag habe sie sich selbst ein Bild von den Tieren gemacht, sagt Amtstierärztin Elisabeth Dey. Die Ponys seien in einem guten Zustand. „An der Haltung gibt es nichts zu bemängeln“, sagt Dey. Einen Kritikpunkt der Tierschützer unterstützt sie dann aber doch: Der nahe Graben als natürliche Wasserquelle will auch ihr nicht recht behagen. „Das kann man sicherlich so machen. Aber besonders gut find‘ ich das nicht — gerade jetzt im Winter.“ Sie will künftig ein Auge auf die Wasserversorgung der Ponys haben. „Da wird der Besitzer eine Auflage kriegen, dass er das ordentlich macht“, sichert Dey zu. Zudem sollen regelmäßige Stippvisiten garantieren, dass es den Tieren an nichts mangele.

Darauf besteht auch der Tierschutzverein „Streuners Arche“. „Wir werden die Amtstierärztin auffordern, nochmals rauszufahren“, sagt Wolfgang Neumann. Zwar habe der Pferdehalter bis dahin wohl genug Zeit, gröbste Missstände zu beheben. Doch Neumann will mit Fotomaterial beweisen, wie die Tiere hier tatsächlich gehalten werden. Dennoch: „Es wird nicht reichen, die Pferde amtlich zu beschlagnahmen. Dafür sind die Missstände nicht groß genug“, bedauert der Tierschützer.

Hilfe für Tiere in Not
Der Tierschutzverein „Streuners Arche“ kümmert sich seit 2000 um hilfsbedürftige Tiere in der Region. Der von Heide Tehrani-Neumann und Wolfgang Neumann gegründete Verein und seine 35 Mitglieder betreuen 700 freilebende Katzen in Rostock und Umgebung, werden aber auch bei verwahrlosten Tieren aktiv. Schon in ihrer alten Heimat — dem Wendland in Niedersachsen — hatten sich die Neumanns im Tierschutz engagiert. Nach ihrem Umzug nach Hastorf 1995 setzten sie ihre Arbeit in Mecklenburg-Vorpommern fort und gründeten einen Gnadenhof.

Antje Bernstein