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Rostock Profi-Tipps für Patienten
Mecklenburg Rostock Profi-Tipps für Patienten
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08:36 21.04.2018
Yvonne Schönmottel (31) ist eine von drei Beratern, die bei der Rostocker UPD Patienten berät. Quelle: Foto: Ove Arscholl
Stadtmitte

Was kann ich tun, wenn mir meine Versicherung das Krankengeld verweigert? Wie und wo beantrage ich eine Reha? Welche Rechte habe ich, wenn mein Arzt gepfuscht hat? Mit Fragen wie diesen fühlen sich viele Patienten überfordert. Zu komplex ist das deutsche Gesundheitssystem. Durch den für Laien schier undurchdringlichen Dschungel aus Vorschriften, Fachbegriffen und Formularen will Yvonne Schönmottel (31) Verbraucher lotsen. Sie und ihre Kollegen Kendy Temme (43) und Rolf-Dieter Becker (59) bilden das Team der Unabhängigen Patientenberatung (UPD) in Rostock. Ob gesetzlich, privat oder gar nicht versichert – wer Fragen zu gesundheitlichen und gesundheitsrechtlichen Themen hat, bekommt bei ihnen kostenlos Antworten.

In ihrem Job muss Yvonne Schönmottel sowohl Sachverstand als auch Einfühlungsvermögen und Geduld beweisen. „Die Meisten , die zu uns in die Beratungsstelle kommen, sind dankbar, dass ihnen endlich jemand zuhört, sich Zeit für sie und ihre Probleme nimmt“, beschreibt Schönmottel. In Arztpraxen und bei Behörden kämen Aufklärung und Beratung meist viel zu kurz. Stattdessen fühlten sich viele Patienten allein gelassen, verunsichert oder auf die Schnelle abgespeist – mit Befunden, die sie nicht verstehen oder in rätselhaftem Kauderwelsch verfassten Behördenbriefen. „Viele suchen Rat im Internet, doch das ist groß. Und längst nicht alles, was online steht, stimmt auch“, warnt sie. Schönmottel fungiert als Dolmetscher, wenn Otto-Normal-Patient nur Bahnhof versteht. Sie klärt Verbraucher zudem über ihre Rechte auf oder gibt ihnen Tipps zu kostengünstigen Behandlungsalternativen, die Mediziner gern unter den Tisch fallen lassen. Mitunter ist sie dann auch als Mutmacher gefragt. „Viele wissen zwar in etwa, was ihnen zusteht, brauchen aber Zuspruch, ihre berechtigten Ansprüche auch einzufordern. Gerade Älteren fällt das schwer.“

Aktuell holten Patienten bei der UPD vor allem Informationen zu den Themen Krankengeld und Pflege ein, sagt Rolf-Dieter Becker. Auch kämen mit dem Verdacht, falsch behandelt worden zu sein. Ob Ärztepfusch oder Streit mit der Kasse – die meisten Probleme werden am Telefon erörtert. In gut 90 Prozent der Fälle greifen Ratsuchende zum Hörer. Dennoch seien in Mecklenburg-Vorpommern Vor-Ort-Termine im Vergleich zu anderen Bundesländern gefragt, sagt Becker. Als Grund vermutet er, dass sich viele Krankenkassen aus der Fläche zurückgezogen haben. „Aber die Leute wollen das individuelle Gespräch von Mensch zu Mensch.“ Doch das kennt Grenzen: Medizinische Fachfragen können Becker und seine Kollegen – alle drei aus der Versicherungsbranche – nicht beantworten. In solchen Fällen schalten sie Experten aus der Berliner UPD-Zentrale per Video-Chat zu. Ad hoc klappt so etwas nicht: Wer Dienstleistungen der UPD in Anspruch nehmen möchte, muss zuvor telefonisch einen Termin vereinbaren (siehe Infokasten).

Die UPD versteht sich als Hilfe zur Selbsthilfe. Sie wolle dem Patienten Lösungswege für Probleme aufzeigen und ihn so dazu befähigen, die für sich richtigen Entscheidungen zu treffen, erklärt UPD-Sprecher Jann Ohlendorf. Dabei hielten sich die Berater mit ihrer eigenen Meinung zurück. „Wir ersetzten nicht den Arzt. Wir füllen weder Anträge aus, noch schreiben wir Widersprüche an die Krankenkasse“, stellt Yvonne Schönmottel klar. Wer solche Hilfe wünsche, dem würden jedoch die passenden Ansprechpartner vermittelt.

Die UPD-Beratungsstelle in der Grubenstraße ist eine von dreien im Land. Bundesweit hat die UPD 30 feste Standorte. Hinzu kommen drei Beratungsmobile, die quartalsweise kleinere Orte anfahren.

Mit Unabhängige Patientenberatung hat der Gesetzgeber 2016 den privatwirtschaftlichen Dienstleister Sanvartis betraut. Zuvor hatten der Sozialverband VdK Deutschland, der Bundesverband der Verbraucherzentralen sowie der Verbund unabhängige Patientenberatung e.V. diese Aufgabe gemeinschaftlich übernommen. Finanziert wird die UPD von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen.

Beratung – persönlich, telefonisch oder online

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Beratungen hat die Unabhängige Patientenberatung (UPD) im vergangenen Jahr in MV durchgeführt. Die Rostocker Beratungsstelle befindet sich in der Grubenstraße 20. Die drei Mitarbeiter übernehmen auch die Gespräche in Schwerin und Neubrandenburg.

Die Beratung bei der UPD ist kostenlos und persönlich (mit Anmeldung) sowie online und telefonisch möglich. Telefonberatung (kostenfrei aus allen Netzen): ☎ 0800/ 0117722, montags bis freitags 8-22 Uhr, sonnabends 8-18 Uhr. Beratung vor Ort oder im UPD-Beratungsmobil nach telefonischer Abstimmung (Nummer siehe oben) oder nach Vereinbarung via Mail an terminvereinbarung@patientenberatung.de

Onlineberatung: www.patientenberatung.de

Antje Bernstein

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