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Rostock Quartier Groter Pohl: Lob und Schelte für Viertel-Visionäre
Mecklenburg Rostock Quartier Groter Pohl: Lob und Schelte für Viertel-Visionäre
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00:05 06.05.2017
Zwei Visionäre mit Plan: Werkstattschulen-Vorstand Rainer Pahl und Projektentwicklerin Dorothea Reinmuth möchten den Groten Pohl zum lebenswerten Quartier machen, das den Mensch in den Mittelpunkt stellt. FOTOS (2): OVE ARSCHOLL

Die Vision für den Groten Pohl spaltet den Ortsbeirat Südstadt. Ein Teil der Mitglieder lobt, was zwischen Schlesinger-Straße, Südring und Bahntrasse entstehen soll. Bei anderen kommen die Pläne hingegen schlecht weg. Harsche Kritik üben Vertreter von CDU und SPD.

Teile des Ortsbeirates Südstadt und Kleingärtnerverband kritisieren Baupläne

Der Grote Pohl soll zum „Quartier der Zukunft“werden, kündigt Rainer Pahl, Vorstand der Werkstattschule, an. Gut 2000 Rostocker könnten ab 2021 auf dem 18 Hektar großen Areal ihren Lebensmittelpunkt finden. Wohnen würden sie dann im autofreien Zentrum des Viertels. Rings herum sollen ein Kreativ-Campus mit Kita, ein Schulcampus mit Bibliothek und Parkhäuser mit Gärten auf den Dächern entstehen.

Zudem soll der Zirkus Fantasia eine feste Spielstätte und Künstler auf derzeit ungenutzten Gleisen Waggons als Ateliers bekommen.

„Das Konzept ist nicht ausgereift“, moniert Fred Mrotzek (CDU). Er kritisiert, dass auf „dem Filetstück“ aus Kostengründen kein sozialer Wohnungsbau möglich sein werde. Wenig begeistert ist er davon, dass die Werkstattschule hier ein zusätzliches Gebäude bekommen könnte. „Warum muss da eine Privatschule hin? Das sehe ich nicht ein.“ Bedenken hat er zudem hinsichtlich des autofreien Zentrums. „Wie soll ich denn so meinen Wocheneinkauf nach Hause kriegen?“

„Ein Hipster-Viertel für Besserverdiener“, nennt Thoralf Sens (SPD) das geplante Quartier. Auch er ist mit der angedachten Schule nicht einverstanden. Dadurch würden bereits bestehende Bildungsstätten in der Südstadt „leergezogen“. Pahl kontert: „In den nächsten Jahren sind in Rostock 5000 neue Schulplätze erforderlich. Von Bestandsgefährdung kann überhaupt keine Rede sein.“ Er führe derzeit Gespräche mit Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) darüber, ob auf dem Groten Pohl die Werkstattschule erweitert oder eine öffentliche Schule gebaut werden soll. Was die künftigen Viertel-Bewohner angehe, sei das Ziel, „eine soziale Durchmischung hinzubekommen“. Dafür wären dann jedoch die Wohnungsgenossenschaften verantwortlich, die die 800 Wohneinheiten bauen sollen.

„Wir wollen ein lebendiges Quartier schaffen, keine Schlafstadt“, betont Projektentwicklerin Dorothea Reinmuth. Impulsgeber sei der dänische Architekt Jan Gehl, der den Menschen ins Zentrum der Stadtplanung setzt und für seine Projekte weltweit gefeiert wird.

„Mich überzeugt die Mischung“, lobt Martin Karsten (UFR/FDP) die Pläne für den Groten Pohl. Die Beiratsvorsitzende, Kristin Schröder (Linke), stimmt ihm zu. „Als erste Vision ist das super. Wohnen, Lernen und Arbeiten in einem Viertel, das so grün ist – wann hat unsere Stadtplanung je so etwas gebracht?“

Das viele Grün irritiert jene, die sich damit auskennen: die Kleingärtner. Sie kritisieren, dass interkulturelle Gärten viel Platz bekommen und sie dafür ihre Parzellen aufgeben sollen. Stadt und Kleingärtner hatten sich 2008 darauf verständigt, dass vier Vereine bis 2019 insgesamt 335 Parzellen räumen. Damals sei von einer kompakten, verdichteten Wohnbebauung die Rede gewesen, die keinen Platz für üppige Anlagen ließe, sagt Christian Seifert, Vorsitzender des Verbandes der Gartenfreunde. Umso überraschter sei er von der nun präsentierten Viertel-Vision. Wegen Lärmschutzauflagen sei im Bereich des Bahndammes nur eine Sondernutzung und kein Wohnen möglich, erklärt Dorothea Reinmuth den Grüngürtel. „Dann könnten wir die Kleingärten auch belassen“, findet Seifert. So aber würden Gärten erst geschliffen und quasi gleich wieder neu angepflanzt. „Das kostet doch alles unnötig Geld.“ Besonders ärgerlich sei das für den Verein „Pütter Weg“ mit seinen 101 Kleingärten. „Der Verein hat viele junge Mitglieder, die gern in ihren Parzellen bleiben möchten. Wir sollten darüber reden, inwiefern man ihre Gärten nicht doch erhalten kann“, sagt Seifert.

Platz zum Leben und Lernen

800 Wohneinheiten sollen im Zentrum des Groten Pohls entstehen. Den Projektentwicklern zufolge sollen dabei innovative Lösungen wie Wohnen mit Assistenz umgesetzt werden. Ebenfalls im Viertel geplant sind ein Kreativ-Campus mit pädagogischem Kolleg und Kita, eine Schule, ein Boulevard, Gemeinschaftsplätze und -gärten. Um dafür Platz zu schaffen, müssen Kleingärtner 335 Parzellen räumen.

Betroffen sind die Ernst-Heydemann-Anlage, der Verein Groter Pohl, die Anlage „Pütter Weg“ und der Verein „Pferdewiese“.

Antje Bernstein

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