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Rostock Witze, Wetter und Musik: Kuhlage seit 25 Jahren auf Sendung
Mecklenburg Rostock Witze, Wetter und Musik: Kuhlage seit 25 Jahren auf Sendung
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12:17 04.09.2018
Andreas Kuhlage sitzt mit einem Fotoalbum auf dem Schulhof seiner früheren Schule. Der Rostocker ist seit 25 Jahren Moderator beim NDR-Radiosender N-Joy. Foto: Ove Arscholl
Rostock

Witze machen, Musik auflegen, sagen wie das Wetter ist. Und „den Leuten erzählen, dass die Welt noch steht“. So beschreibt Andreas Kuhlage seinen Beruf als Radiomoderator. Obwohl der gebürtige Rostocker erst 43 ist, macht er schon seit 25 Jahren Radio beim NDR. Seit 2002 bestreitet er mit Jens Hardeland die Morgenshow von N-Joy. Kuhlage zählt zu den erfolgreichsten Stimmen des Senders. 2015 bekam er den Deutschen Radiopreis, eine Art nationaler Oscar für Radiomacher.

Streng genommen macht Kuhlage schon viel länger Radio. Vor ein paar Tagen besuchte er den Ort, an dem alles begann. Seine ersten Sendungen moderierte er 1989 als 14-Jähriger an der 23. Polytechnischen Oberschule „Kurt Barthel“ in der Gartenstadt. Heute ist hier die Grundschule der CJD-Christophorusschule untergebracht. Die alte Schule ist kaum noch zu erkennen. Ein Gebäude wurde abgerissen, ein anderes steht noch. Im Erdgeschoss zeigt der Moderator auf zwei Türen. „Hier war das Lehrerzimmer, daneben das Sekretariat“. Heute sind hinter den Türen Klassenzimmer.

Im dritten Stock des verschwundenen Schulhauses gab es einst einen Physikraum. Dort holten Kuhlage und zwei Mitschüler, alle mit gleichem Vornamen, in den großen Pausen einen großen Lautsprecher aus dem Vorbereitungsraum und stellten ihn ins Fenster. Auf diese Weise beschallten die drei Andreasse Lehrer und Mitschüler mit ihrer selbst gemachten Live-Sendung. Woraus die bestand? Witze, Musik, Wetter – und „den Leuten erzählen, dass die Welt noch steht.

Mit 18 Jahren beim NDR in Rostock

Im Prinzip war es dasselbe wie heute“, sagt Kuhlage. Die Schulleitung unterstützte das Projekt überwiegend, damals in jenen bewegten Wochen 1989. Die drei Schulfunker konnten vor den Pausen sogar zwei Minuten eher aus dem Unterricht, um ihre Ausrüstung aufzubauen. Weil sein Abschluss an der POS in die Wendezeit fiel, durfte Kuhlage Abitur machen. Als Kind einer gläubigen, katholischen Familie wäre ihm das zuvor verwehrt geblieben. Nach der Schule landete Kuhlage, gerade 18 Jahre alt, beim NDR in Rostock. Er erinnert sich noch gut an das Entsetzen in den Augen des Aufnahmeleiters über seinen ausgeprägten mecklenburger Akzent. Daran arbeitete der Nachwuchsjournalist erfolgreich. Später moderierte er das tägliche einstündige MV-Fenster bei N-Joy, und wurde schließlich nach Hamburg abgeworben.

Mit 43 ist er zwar noch nicht alt, aber auch kein Jugendlicher mehr. Wie lange will Kuhlage den Job noch machen? N-Joy gilt schließlich als Jugendwelle. „Das werde ich oft gefragt“, sagt Kuhlage. Aber noch läuft es gut. Und zu alt fühlt er sich nicht. Das Durchschnittsalter der Hörer liege bei 31 Jahren. „Da bin ich nicht so weit von weg“, sagt der Vater eines 16-jährigen Sohnes. Wenn er das Gefühl hat sich verbiegen zu müssen, um jugendlich zu wirken, dann wäre Schluss. Seine Chefs würden dann sofort den Stecker ziehen. „Es geht darum, authentisch zu sein“, sagt er.

Witze auf Kosten der Mutter

Obwohl er nach eigenen Angaben seinen Traumjob gefunden hat, fällt ihm das frühe Aufstehen noch immer schwer. Um 3.30 Uhr klingelt der Wecker, abends liegt er spätestens um zehn im Bett. Durch diese Lebensweise habe er viele Freunde verloren, weil es keine Zeit mehr gab, sich zu treffen.

Circa alle sechs Wochen kommt er nach Rostock. Gelegentlich auch beruflich. Wie am vergangenen Freitag, als er eine Veranstaltung im Zoo moderierte und seiner alte Schule besuchte. Seine Mutter wohnt noch in der Gartenstadt, sein Vater verstarb schon vor längerer Zeit. In N-Joy-Morgen-Sendung kommt die Mutter hin und wieder vor. Einmal erzählte Andreas Kuhlage seinen Hörern davon, wie er ihr umständlich erklären musste, wie sie ihr neues Handy benutzen soll. Das mag Mutter Kuhlage überhaupt nicht. „Sag mal, Junge, spinnst du?“, sagt sie dann beim nächsten Besuch. Sie weiß immer Bescheid, wenn ihr Sohn in der Sendung über sie geredet hat. Nicht weil sie selbst N-Joy hört, sondern weil es ihr sofort jemand steckt.

Überhaupt, Radio als Beruf: Am Anfang war sie nicht glücklich damit, dass ihr jüngstes Kind – Kuhlage hat drei Geschwister – doch kein Arzt werden will. Inzwischen ist sie aber zumindest ein bisschen stolz auf ihn, glaubt der erfolgreiche Moderator. Richtig sauer wurde sie bisher erst einmal: Als er im Radio einen Papst-Witz erzählte. So etwas gehört sich nicht als guter Katholik! Er werde das nie wieder tun, versprach Kuhlage, nachdem der Zorn verzogen war.

Gerald Kleine Wördemann