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Rostock Raum für Wohnen und Kultur: Verein will altes Zentrum nutzen
Mecklenburg Rostock Raum für Wohnen und Kultur: Verein will altes Zentrum nutzen
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00:05 28.04.2016

Soziales Wohnprojekt oder städtische Bebauung? Diese schwierige Frage beschäftigt den Ortsbeirat Toitenwinkel, wenn es um die Zukunftspläne für den alten Standort des Stadtteil- und Begegnungszentrums „Zum Lebensbaum 16“ geht. Der Verein Soziales Rostock stellte seine Vision für das Grundstück vor: Eine Kombination aus sozialem Wohnen, Begegnung, Kultur, Arbeit und Bildung. Wenn es hingegen nach der Stadt geht, könnten auf der großzügigen Fläche bald drei Blöcke mit etwa 80 Wohnungen entstehen.

„Das sind natürlich zwei sehr unterschiedliche Nachnutzungsvorstellungen“, sagt Wolfgang Westphal, Chef des Ortsamts Ost. „Beide werden wohl nicht in Einklang gebracht werden können.“

Wie das Grundstück nach Ansicht der Stadt genutzt werden könnte, stellte Patrick Schmidt vom Stadtplanungsamt dem Ortsbeirat vor. „Wir planen, das Gebäude des ehemaligen Begegnungszentrums abzureißen und dort Wohnungen zu errichten“, so der Stadtplaner. Die Fläche sei immerhin sehr groß, genau 9000 Quadratmeter, und könne durch die drei Wohnblöcke optimal genutzt werden.

Das sieht der Verein „Soziales Rostock“ jedoch anders. Nicht nur der Wohnraum werde zunehmend knapp, „sondern auch Flächen für Begegnung, Kultur, Arbeiten und Bildung“, sagt Ellen Fiedelmeier vom Verein. Die Gruppe habe es sich zum Ziel gemacht, das ehemalige Begegnungszentrum in ein Wohn- und Kulturprojekt umzubauen. „Dann plant der Verein, dort auf zwei Dritteln der Fläche zu wohnen und auf einem Drittel der Fläche Räume für Soziales, Freizeit, Kultur und Bildung zu schaffen, um in dem sich entwickelnden Quartier, neue räumliche Möglichkeiten für alle Menschen im Stadtteil zu schaffen.“

Diese Idee des Vereins sei sogar sehr spannend, findet Wolfgang Westphal. „Da war sich auch der Ortsbeirat einig.“ Er sehe da durchaus Bedarf. Jedoch hätten sich auch einige Bedenken ergeben. „Wenn dem Verein das Gebäude zur Nachnutzung überlassen wird, müsste dort viel erneuert und umgebaut werden. Das ist finanziell nicht mal so nebenbei zu machen.“ 2,7 Millionen Euro habe der Verein für den Umbau veranschlagt. Das Geld solle durch einen Bankkredit und Spenden generiert werden. „Selbst wenn das klappt, müssen dann die Tilgungsraten und laufenden Kosten berücksichtigt werden“, so Westphal.

Auch die Ortsbeiratsvorsitzende Anke Knitter (SPD) hat bei diesen Fragen ebenfalls noch Bauchschmerzen. „Ich habe die Angst, dass es mit der Finanzierung nicht klappt und wir uns dann wieder um einen baulichen Missstand mehr im Stadtteil bemühen müssen.“ Ein ähnliches Problem habe der Ortsbeirat bereits mit dem alten Edeka. „Wir möchten so gut wie möglich sicher stellen, dass so etwas nicht wieder passiert“, so Knitter. Laut eigenen Angaben wolle der Verein „bezahlbare Mieten, die unter dem Niveau von Neubau-Mieten liegen“, verlangen. Dass das bei allem finanziellen Aufwand machbar ist, wagt der Ortsamtsleiter zu bezweifeln. Gleichzeitig befinde sich der ganze Stadtteil derzeit im Wandel. „Wenn Toitenwinkel auf lange Sicht attraktiv bleiben will, muss es seinen Plattenbau-Charakter aufbrechen“, so Westphal. Die Fläche „Zum Lebensbaum 16“ sei eines der wenigen freien Grundstücke, das den Stadtteil mit einer lockeren Bebauung aufwerten könnte.

Ob dem Wohnprojekt „Soziales Rostock“ eine Chance gegeben wird und Mietverhandlungen mit dem Verein aufgenommen werden, das muss nun die Bürgerschaft entscheiden. Linke und Grüne haben einen Antrag auf den Tisch gelegt, dass der geplante Abriss bis zur endgültigen Entscheidung nicht durchgezogen wird.

Von Nele Reiber

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