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Rechtsruck bei der AfD? Kreisverband trifft Identitäre

Rostock Rechtsruck bei der AfD? Kreisverband trifft Identitäre

Der rechte Flügel des Kreisverbandes Rostock will mit der Identitären Bewegung zusammenarbeiten. Führende Köpfe der rechtsextremen Organisation waren nun auch bei einem Bürgerstammtisch dabei.

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Die Rostocker AfD driftet offenbar immer mehr nach rechts.

Quelle: Archiv

Rostock. Die Rostocker AfD sucht offen die Nähe zu Rechtsextremisten - und will nun offenbar mit der „Identitären Bewegung“ zusammenarbeiten: Bei einem Bürgerstammtisch in einem Hotel im Bentwischer Ortsteil Albertsdorf plädierte der kommissarische AfD- Vorstandschef Volker Litke am Mittwochabend für den „Schulterschluss“ mit der Organisation, die vom Verfassungsschutz beobachtet und von Experten als rechtsextremistisch eingestuft wird. Bei der Versammlung ist mindestens ein führender Kopf der „Identitären Bewegung“ (IB) selbst dabei. Im Richtungsstreit der Rostocker AfD scheint sich der rechte Flügel durchzusetzen. 

Einlass nur nach Anmeldung

Im Internet hatte die AfD auch interessierte Bürger zu dem öffentlichen Stammtisch eingeladen. Kurios: Den Ort des Treffens verriet die AfD aber nur nach Voranmeldung mit Name und Kontaktadresse.

Rund 30 Teilnehmer sind schließlich mit dabei. Unter ihnen auch Holger Arppe. Der Landtagsabgeordnete verlor 2017 seine Posten in Bürgerschaft und Landtagsfraktion, weil er sich in Chat-Nachrichten gewaltverherrlichend äußerte und den Umsturz des demokratischen Systems forderte: „Wir müssen ganz friedlich und überlegt vorgehen, uns anpassen und dem Gegner Honig ums Maul schmieren. Aber wenn wir endlich so weit sind, dann stellen wir sie alle an die Wand“, schrieb er damals unter anderem.

„Nummer 2“ der IB dabei

An diesem Abend in Bentwisch hält sich Arppe zurück. Das Reden überlässt er anderen. Litke zum Beispiel macht keinen Hehl daraus, dass er mit den Identitären zusammenarbeiten will. Das erfordere die aktuelle politische Lage. Die Zeit dafür sei reif. Expliziter wird er nicht. Nur so viel: Auch auf Bundesebene gebe es „gute Tendenzen“, so Litke - und nennt Alexander Gauland, den Bundestagsfraktionschef der AfD, als Beispiel.

Erste Bande mit den Identitären wurden geknüpft: Litke spricht von mehreren Zusammenkünften. Beim Bürgerstammtisch ist auch Torsten Görke mit dabei. Er ist nach Einschätzung der SPD-Initiative „Endstation Rechts“ die zweitwichtigste Figur der IB im Land, sagt Torsten Sohn vom Bündnis „Rostock nazifrei“. Seinen politischen Ursprung habe Görke, der aus dem Raum Halle stammt, bei einer Nachwuchsorganisation der NPD. In Rostocker IB-Kreisen ist er seit zweieinhalb Jahren aktiv. In der Hansestadt hält sich Görke bislang im Hintergrund, sagt Sohn. „Er hat bei Aktionen nur die Rolle des Fotografen und Filmers übernommen.“ Auch an „Defend Europe“-Aktionen, mit denen die Identitären sich offiziell gegen illegale Schlepperbanden formieren, nehme er teil.

Konkretes nur unter vier Augen

Wie heikel die Kooperation mit den Rechtsextremisten ist, scheint den Verantwortlichen bewusst zu sein. Görke sitzt bei dem Treffen zwar im Mittelpunkt, sagt aber nicht viel: Über die Zusammenarbeit will er „lieber in Vier- bis Acht-Augen- Gesprächen“ erzählen. Erst nach dem offiziellen Teil und in kleinen Grüppchen im Foyer wird es konkret. Auch Litke mahnt - nach den Enthüllungen der Unterhaltungen von Arppe - zur Vorsicht: „Ich bitte euch, das nicht mehr zu machen. Es gibt immer Spione.“ Andere Teilnehmer nehmen hingegen kein Blatt vor den Mund, es fallen fremdenfeindliche Äußerungen - wie die eines kräftig gebauten Mannes - Mitte 40, Bodybuilder- Typ: „Ich habe nichts gegen Russen oder Rumänen, aber die ganzen Syrer . . . Der Islam ist nicht gut für Deutschland.“ Eine ältere Frau - kurze, dunkle Haare, Doktortitel, um die 60 - erntet zustimmendes Klopfen, als sie über Ausländer schimpft.

Innerhalb der Partei führt der Rechtsruck zu Flügelkämpfen. Denn der gemäßigte Teil des Kreisvorstandes sperrt sich gegen die Zusammenarbeit mit der IB. Auch beim Stammtisch bekennen sich zwei Mitglieder öffentlich zur neuen „Alternativen Mitte“, einer Interessengemeinschaft innerhalb der AfD, die sich als konservativ-bürgerlich bezeichnet und sich von fremdenfeindlichen Strömungen distanziert. Bei vielen Zuhörern stößt das auf Ablehnung, ein Teilnehmer verlässt sogar wütend den Raum. Volker Litke kritisiert den Vorstoß des gemäßigten Flügels als einen „weiteren Grund für die Spaltung der AfD“.

Experten: IB ist bedrohlich

Dass der AfD-Kreisverband mit den Identitären kooperieren will, ist für Torsten Sohn nicht überraschend: „Ich gehe davon aus, dass die Partei sich bald ganz klar zur IB als ihrer Jugendorganisation bekennen wird.“ Als offen gewalttätig ist die Organisation laut Sohn bislang nicht aufgetreten. Doch: „Sie sind meiner Einschätzung nach einen Schritt davor, auch Menschen zu attackieren.“

OZ

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