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Rostock Requisite des Volkstheaters Rostock: Wo das Kunstblut spritzt
Mecklenburg Rostock Requisite des Volkstheaters Rostock: Wo das Kunstblut spritzt
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17:47 27.09.2018
Requisiteur Steffen Münse „rammt“ Ausstattungsassistentin Sarah Wolters ein Messer in den Hals, die Klinge verschwindet nach innen. Quelle: Dietmar Lilienthal
Rostock

Flaschen, die auf Köpfen zersplittern, Kunstblut, das im richtigen Moment aus einem Theatermesser oder einem Puppenkopf spritzt, Sparschweine, die immer wieder zu Bruch gehen, Nebel, Kunstschnee, Lichtblitze oder Feuerwerkskörper, die fontänenartig Funken in die Luft sprühen: Seit 2014 sorgt Chefrequisiteur Steffen Münse am Rostocker Volkstheater dafür, dass es an den richtigen Stellen knallt, zischt oder brennt. So auch in der aktuellen Produktion „Der Liebestrank“ – die Komische Oper von Gaetano Donizetti hat Freitag Premiere.

Am Rostocker Volkstheater sorgt Chefrequisiteur Steffen Münse dafür, dass es im richtigen Moment knallt oder brennt. Er verwaltet rund 50 000 Requisiten, viele davon selbst gebaut. Freitag hat die aktuelle Produktion „Der Liebestrank“ Premiere.

Erst bei genauem Hinsehen fällt auf, dass die Strohballen auf der Bühne nicht echt sind. Die rechteckigen Attrappen hatten Münse und sein Team bereits mit echtem Stroh umwickelt. „Wegen einer Allergie mussten wir das Stroh durch Packband ersetzen“, sagt Münse. Nicht das einzige Mal, dass er improvisieren muss. „Es ändert sich eigentlich täglich etwas. Für den Beruf muss man geboren sein und Nerven aus Granit haben“, sagt er und lacht. Dennoch: Einen Bürojob zu machen, kann sich der 29-Jährige nicht vorstellen.

Spezielle Effekte und besondere Requisiten

Liebevoll tüftelt er mit seinem vierköpfigen Team an Ideen für spezielle Effekte oder besondere Requisiten. „Einiges kommt aus dem Fundus, anderes kann ich bestellen, viele Dinge müssen wir aber auch selbst bauen“, sagt er. Dabei ist vor allem Kreativität gefragt. Aus einem Stück Kunststoffrohr, einer Grabvase, einer Styroporkugel, Papier und Leim hat Münses Team für „Der Liebestrank“ vier Aida-Trompeten nachgebaut. „Die echten zu kaufen, würde das Budget deutlich übersteigen“, sagt Münse. Anregungen holt er sich unter anderem im Baumarkt.

Unten im Spritzraum verpasst Requisiteurin Julia Krämer in einem aufwendigen Verfahren einem neuen Metallkoffer eine Rost-Optik. Auf der Bühne ist Nadin Hübner dabei, mehrere hundert bearbeitete Plastik-Ähren per Hand in ein künstliches „Feld“ einzusetzen. Eine Fleißarbeit, „damit der Opernchor in jeder Bühnenprobe das Ernten üben kann, so dass es später realistisch aussieht“, sagt Münse.

Popcorn, das per Druckluftexplosion aus dem Kessel schießt

Natürlich gibt es auch im „Liebestrank“ spezielle Effekte, die Münse und sein Team vor besondere Herausforderungen stellen: „Aus einem großen Kessel soll Popcorn herausschießen. Das haben wir mittels Druckluftexplosion gelöst“, sagt er. „Dabei gab es am Anfang viele Rückschläge.“ Doch davon lässt sich der gelernte Veranstaltungstechniker, der seit zwölf Jahren als Requisiteur arbeitet und am Volkstheater aktuell seine fünfte Spielzeit bestreitet, nicht entmutigen.

„Wenn es sein muss, lege ich auch mal eine Nachtschicht ein“, sagt er. Und das ist gar nicht so unwahrscheinlich, denn: Drei Bühnen müssen Münse und sein Team bestücken – zwei im Großen Haus, eine in der kleinen Komödie in Warnemünde und im Sommer zusätzlich die Halle 207. Bei bis zu sechs parallel laufenden Produktionen und Requisiten, die bis zu 15 Aufführungen überstehen sollen, bedeutet das besonders in der Endprobenphase jede Menge Stress.

Hüter von rund 50 000 Requisiten

„Viele denken, man stellt einfach ein paar Sachen auf die Bühne, aber damit ist es längst nicht getan“, sagt Münse. Sein Beruf erfordert nicht nur handwerkliches Geschick, er muss sich auch mit Waffengesetzen und Brandschutzverordnungen auskennen, hat einen Waffen- und einen Pyroschein und muss alle fünf Jahre zur Prüfung für Pyrotechnik. Zudem verwaltet er die rund 50 000 Requisiten, die in fünf Fundusräumen im Volkstheater und einem Außenlager aufbewahrt werden. Der 29-Jährige weiß genau, wo er nach künstlichen Hühnchenbeinen, Krückstöcken oder gruselig gestalteten Leichenteilen suchen muss. 2015 hat er begonnen, den Fundus neu zu strukturieren.

Auch mit den Eigenheiten der Schauspieler kennt er sich aus: „Einige Darsteller kleben Spickzettel auf die Requisiten. Wenn man das nicht weiß und die Requisite durch eine neue ersetzt, kann es auch mal Ärger geben“, verrät er und lacht. Und wie sieht es bei ihm zu Hause aus? „Man sagt immer, Requisiteure sind Berufsmessies“, sagt Münse. „Ich kann am Sperrmüll vorübergehen, ohne etwas mitzunehmen. Es gibt aber auch Kollegen, bei denen das anders ist.“

Büssing Stefanie

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