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Restauratoren kämpfen gegen Steinschlaggefahr in Gotteshaus

Stadtmitte Restauratoren kämpfen gegen Steinschlaggefahr in Gotteshaus

Bis Ende des Jahres sollen die Gewölbe der St. Marienkirche in Rostock aufgearbeitet werden, denn diese bröckeln unter dem Zahn der Zeit vor sich hin.

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Über Plastikstrohhalme spritzt Kerstin Wagner (52) Mörtel in die Mauerlücken.

Stadtmitte. Es ist wohl eine Rettung in letzter Sekunde für die St. Marienkirche in Rostock. Das Gewölbe droht aufgrund des Alters und Baupfusch in den vorherigen Jahrhunderten einzustürzen. Tiefe Risse und eingedrungene Feuchtigkeit lockerten das Mauerwerk bedrohlich.

„Die losen Steine sind gefährlich. Ein großer Knall auf dem Neuen Markt oder eine anderweitige Erschütterung und sie wären herabgefallen“, erklärt Restaurator Peter Wagner (54). Ein nicht einzuschätzendes Risiko für die Besucher des Gotteshauses.

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Über Plastikstrohhalme spritzt Kerstin Wagner (52) Mörtel in die Mauerlücken.

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Das Gewölbe stellt die Arbeiter hierbei vor besondere Herausforderungen. Eisenanker aus dem Mittelalter, die eigentlich das Gewölbe stabilisieren sollten, sind nun eines der Hauptprobleme.

„Normalerweise sind die Gewölbebögen so gebaut, dass sie sich selbst tragen. Der Druck wird zu den Seiten abgeleitet, man bräuchte theoretisch nicht einmal Mörtel“, erklärt Wagner. Die Eisenanker, die in die Rippenbögen eingebracht wurden, hätten nun die Druckverteilung verändert und so die Steine gelockert. Hinzu kommt, dass das Eisen aufgerostet sei. „Wir haben Roststärken von bis zu einem Zentimeter. Da entstehen Tonnen von Druck, die sprengen das einfach alles auf“, sagt Wagner. Der Grund für die heutigen Probleme entstand schon in der Bauzeit der Kirche. „Zuerst wurde der innere Chor der Kirche um 1290 gebaut. Rund hundert Jahre später hat man dann die Chorringe angelegt. In der Zeit war jedoch der innere Chor schon im Erdreich abgesackt. Als dann der äußere nachsackte, brachen die Bögen auf. Daher hat man dann die Eisenanker eingebaut“, erzählt Wagner.

Als erstes muss jedoch die rissige Farbe von Ende des 19. Jahrhunderts entfernt werden. „Wir wollen dann die Schichten bis zum Barock freilegen. Teilweise kommen auch Malereien aus dem Mittelalter zum Vorschein. Die werden dann konserviert und überdeckt“, erklärt Restauratorenkollege Marcus Mannewitz. Er kümmert sich um die Malereien. „Was wir nicht restaurieren können, rekonstruieren wir originalgetreu“, erklärt er. „Ich male zum Beispiel alles von Hand nach. Ohne Schablone, wie zur Entstehungszeit“, erzählt Mannewitz.

Um die auseinandergebrochenen Backsteine und die Fugen im Gemäuer wieder aufzufüllen, haben sich Peter Wagner und Ehefrau Kerstin (52) eine eigenwillige Methode einfallen lassen. Über in das Mauerwerk eingebrachte Strohhalme spritzen sie einen Kalkmörtel in die Zwischenräume.

500 000 Euro kostet die Gewölbesicherung der St. Marienkirche in diesem Jahr. Allein 100 000 Euro sind Patronatsmittel, 40 000 Euro stellt die Kirchgemeinde bereit.Den Rest übernimmt ein Konglomerat aus dem Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege, dem Bund sowie privaten Investoren und Einzelspendern.

Gut angelegtes Geld, denn die Restauration soll vorerst eine Weile halten. „Ich denke, dass das für mindestens 100 Jahre halten wird. So eine umfangreiche Restauration kann man ja nicht alle paar Jahrzehnte machen“, erläutert Mannewitz.

Bauzeit
Die Marienkirche wird erstmals in einer Urkunde von 1232 als Pfarrkirche erwähnt. 1265 genügte der alte Kirchenbau nicht mehr, woraufhin bis etwa 1279 eine dreischiffige größere Hallenkirche aus Backstein errichtet wurde. Heute ist hiervon noch das Sockelgeschoss mit abschließendem Kleeblattbogen und die Giebelwand am Westbau erhalten geblieben. Nach westfälischem Vorbild hatte der Bau ein breites Mittelschiff und schmale Seitenschiffe und einen chorlosen Ostabschluss. Mitte des 14. Jahrhunderts wurde die innere Kirche abgebrochen, nachdem die neuen Außenwände fertiggestellt waren. Anschließend wurde kontinuierlich bis 1398 weitergebaut.

 

Karsten Wilke

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