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Rostock Rettungsgasse dicht: Autofahrer bremsen Helfer in MV häufig aus
Mecklenburg Rostock Rettungsgasse dicht: Autofahrer bremsen Helfer in MV häufig aus
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11:32 03.12.2018
Bei 80 Prozent aller Einsatzfahrten funktioniert die Rettungsgasse nicht, beklagt das Deutsche Rote Kreuz. Quelle: Brigitte Hiss/ DRK
Rostock

Im Notfall zählt für Schwerverletzte jede Sekunde, doch meist verlieren Sanitäter und Notärzte auf dem Weg zum Unfallort wertvolle Zeit. Dem Deutschen Roten Kreuz zufolge werden die Retter bei 80 Prozent aller bundesweiten Einsatzfahrten behindert. Weil Autofahrer Rettungsgassen blockierten, bräuchten sie im Schnitt fünf Minuten länger bis zum Ziel. In Mecklenburg-Vorpommern haben Notfallhelfer oft freie Bahn. Doch zu Ferienzeiten könne es auch hier eng werden, sagt DRK-Landesgeschäftsführer Jan-Hendrik Hartlöhner.

Hannes Möller, Vorsitzender des Landesfeuerverbandes, ist auf Einsatzfahrten schon mehrfach ausgebremst worden. Auf Bundesstraßen müssten Feuerwehren zudem häufig Zickzackkurse einschlagen, weil Autofahrer nicht rechts ranfahren. Auf mehrspurigen Straßen fehle Verkehrsteilnehmern dagegen Geduld. „Dass ein Krankenwagen durchgefahren ist, heißt nicht, dass es vorbei ist. Rettungsfahrzeuge kommen zeitversetzt.“ Häufig aber werde die Gasse voreilig geschlossen, mahnt Möller.

Kommentar zum Thema: Rücksicht nehmen!

Schon kleine Zeitverluste können fatale Folgen haben, sagt der Chef der Unfallchirurgie an der Rostocker Uniklinik, Thomas Mittlmeier: „Von fünf Minuten können Leben und Tod abhängen.“ Er appelliert an alle Verkehrsteilnehmer, mehr Rücksicht auf Rettungskräfte und damit auf Unfallopfer zu nehmen.

Auch im Stadtverkehr gibt es mitunter kein Durchkommen: An roten Ampeln oder Baustellen müssen Retter manchmal bis zum Stillstand abbremsen, weil Autofahrer erst dann Platz machen, wenn das Einsatzfahrzeug mit Blaulicht direkt hinter ihnen steht. Es sei wichtig, schon bei stockendem Verkehr die Rettungsgasse frei zu halten, sagt Hans Pieper vom ADAC. „Wer erst einmal steht, hat meist nicht mehr genug Platz, um sie zu bilden.“ Dass Autofahrer Rettern den Weg versperren, sei in der Regel keine böse Absicht. „Oft ist es schlicht und ergreifend Unwissen oder Vergessen.“ Eine von den Asklepios-Kliniken in Auftrag gegebene Umfrage bestätigt Pieper. Demnach weiß nur jeder Zweite in Deutschland, wie die Rettungsgasse gebildet wird. Darum müsse in Fahrschulen intensiv trainiert werden, wie es richtig geht, sagt Pieper.

Eine Rettungsgasse kann Leben retten – denn durch sie gelangen Helfer schneller zur Unfallstelle. Die Bildergalerie zeigt, wie Sie im Ernstfall eine Gasse für die Retter bilden.

Rettungsgasse bilden: So geht’s

Es gilt die Rechte-Hand-Regel: Jeder Finger der rechten Hand steht für eine Fahrspur. Die Rettungsgasse wird zwischen Daumen und Zeigefinger gebildet. Das heißt: Autos, die auf dem linken Fahrstreifen fahren, weichen nach links aus, die auf einem der übrigen Fahrstreifen nach rechts. Der Standstreifen ist grundsätzlich freizuhalten und darf nur im Notfall, etwa wenn die Polizei es anordnet, befahren werden. Wenn es nicht anders geht, dürfen Autofahrer rote Ampeln missachten, um Rettungsfahrzeugen Platz zu machen.

Um es Autofahrern leichter zu machen, sind vor einem Jahr die Regeln zum Rettungsgasse-Bilden vereinfacht worden. Zeitgleich wurden die Strafen für Blockierer drastisch erhöht. Seither müssen Verkehrssünder mindestens 200 Euro berappen – zehn Mal soviel wie vorher – und kassieren zwei Punkte in Flensburg. Wer dabei einen Sachschaden verursacht, muss sogar 320 Euro zahlen, bekommt zwei Punkte und einen Monat Fahrverbot. Das wirkt, sagt Hannes Möller. „Es klappt jetzt viel besser, aber noch lange nicht so gut wie es könnte.“ Er plädiert für mehr Aufklärungsarbeit verbunden mit strengeren Kontrollen bei Staus.

Im vergangenen Jahr hat die Polizei im Bereich des Polizeipräsidiums Rostock 23 Rettungsgassen-Blockierer abgestraft. Mit Bußgeldern allein werde man das Problem nicht lösen, sagt ADAC-Sprecher Pieper. Er setzt auf Gruppendynamik. „Häufig ist es so, dass, sobald einer anfängt, die Rettungsgasse zu bilden, die anderen Autofahrer auch mitziehen.“

Wie gefährlich sind Mecklenburg-Vorpommerns Straßen? Seit Anfang 2018 starben bereits mehr als 70 Menschen bei Verkehrsunfällen im Land. Klicken Sie sich durch die Fotostrecke zu Unfällen, die sich 2018 in Mecklenburg-Vorpommern ereignet haben, und fahren Sie bitte rücksichtsvoll.

Antje Bernstein

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