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Rostock Revoluzzer in Turnschuhen
Mecklenburg Rostock Revoluzzer in Turnschuhen
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00:23 18.05.2018
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Stadtmitte

Seine Oberarme sind muskulös, sein Bauch ein Waschbrett: Maik Müller (30) hat einen Körper, um den ihn viele Männer beneiden dürften und für den sich manch einer in der Muckibude abrackert. Für Müller sind XL-Bizeps und Sixpack bestenfalls schöne Begleiterscheinungen seines Trainings. Ihm geht es weder um Körperkult noch darum, jedem Fitnesstrend hinterherzujagen oder immer neue Bestmarken zu knacken. Wenn Maik Müller Sport treibt, verfolgt er eine Lebensphilosophie. Der Rostocker ist ein „Mover“. So nennen sich die Anhänger der „Movement Culture“, jener Bewegung, die derzeit weltweit gehypt wird und Sport ganz neu definiert. Es geht um nichts Geringeres als um die Wiederentdeckung des eigenen Körpers.

Maik Müller holt die „Movement Culture“ nach Rostock / OZ schaut auf einen Sprung bei ihm vorbei

Begründer der „Movement Culture“ ist der Israeli Ido Portal. Sein Konzept: Er kombiniert die Trainingsstile unterschiedlichster Sportarten mit dem Ziel, Kraft, Koordination und Beweglichkeit ganzheitlich zu schulen. Damit verhalf er schon Spitzensportlern zum Erfolg. Maik Müller hat „Movement“ vor vier Jahren für sich entdeckt. Zu diesem Zeitpunkt turnt der gebürtige Neubrandenburger als Parcours- und Freerunning-Profi über jedes Hindernis, das ihm die Stadtarchitektur bietet: Er balanciert auf Geländern, macht Backflips an Hauswänden, legt über den Dächern Rostocks spektakuläre Distanzsprünge hin. „Irgendwann war für mich das Ende der Fahnenstange erreicht, mehr ging nicht. Ich wollte etwas Neues ausprobieren.“ 08-15-Sport reizt ihn nicht, er sucht das Komplettprogramm, das Körper, Geist und Seele gleichermaßen anspricht und fordert. Er findet es im „Movement“: Turnen, Tanzen, Kampfsport, Akrobatik, Yoga – ein „Mover“bedient sich vieler Disziplinen und kreiert daraus ein ganzheitliches Training, das lebenslange Mobilität verspricht. Mobilität ist Maik Müller wichtig. Mehr noch, er ist im positiven Sinne davon besessen. Seit seiner Kindheit ist er ständig in Bewegung: Mit acht Jahren macht er Karate, wird später Leichtathlet, lernt Kung-Fu. Als die ersten Parcours-Videos über das Onlineportal Youtube flimmern, ist Müller sofort Feuer und Flamme.

Sehenswerte Tricks bringt er heute anderen in Kursen bei. Ihm genügen sie allein nicht mehr. „In die Brücke gehe ich nicht weils turnerisch so gut aussieht, sondern weil es sinnvoll ist. Weil ich dabei meinen Körper dehne.“ Strecken, sich mal richtig langmachen, das komme in der Leistungsgesellschaft, die nahezu ununterbrochen vor PCs oder Smartphones hockt, viel zu kurz. „Kaum einer kommt mehr in die tiefe Hocke oder kann sein Gleichgewicht lange halten. Die Fähigkeit, uns organisch zu bewegen, haben wir uns abtrainiert“, beklagt Müller. Er will den Rostockern den Flow, das Fließende, zurückgeben.

Auf allen Vieren krabbelt Maik Müller die Terrassentreppen der Holzhalbinsel zum Ludewigbecken hinunter und bewegt sich dabei so geschmeidig wie eine Eidechse. Animal Flow nennt sich das Ganzkörper-Workout, bei dem Müller Tierbewegungen imitiert. Solche spielerischen Elemente sind ein wichtiger Teil des „Movement“-Konzeptes. Müller versteht sich als Mentor und Schüler. Er reist quer durch Europa. In Workshops lernt er immer wieder neue Bewegungen kennen, als Coach gibt er sein Wissen an andere „Mover“ weiter – in Rostock, bundesweit und via Online-Tutorials. „Das ist Leben, das ist Movement: eine ständige Entwicklung“, sagt Müller. Von Stillstand will er nichts wissen. Lieber reizt er seine Grenzen aus, durchbricht sie. Doch nur, wenn es seinem Körper guttut. Denn darum geht es im „Movement“: empathischer sich selbst gegenüber zu werden. Kids lässt er am Ende eines Kurses auch mal 15 Minuten still auf der Matte liegen, damit sie ihren eigenen Herzschlag erfühlen.

Das Bewusstsein für den eigenen Körper und seinen Rhythmus hätten viele Menschen verloren, meint Müller. Ebenso das Wissen darum, wie man innere Blockaden abbaut. Indigene Stämme wie die Maori Neuseelands drücken Emotionen durch Tänze aus. „Deutschland hat dagegen keine Bewegungskultur. Ein Kleinkind stampft, wenn es wütend ist, mit dem Fuß auf. Wir Erwachsenen wollen immer die Contenance bewahren. Wohin hat uns das gebracht? Die Praxen der Psychologen sind voll.“ Er bringt seinen Schülern bei, sich Frust und Freude und damit Verspannungen von Körper und Seele zu tanzen.

Trainiert wird in Sport- und Kletterhallen, in Parks, im Wald, auf Spielplätzen. Die Motivation seiner Schüler sei unterschiedlich, sagt Maik Müller: Die einen wollen Muskeln aufbauen, andere ihr Wohlbefinden steigern oder bis ins hohe Alter mobil bleiben. „Inspiriert werden sie alle.“

„Movement“ ist für alle Generationen geeignet. Trainingsinhalt und -intensität richten sich nach den individuellen Bedürfnissen. Ob Kind oder Greis, Anfänger oder Fortgeschrittener – Müller hilft jedem dabei, sein Bewegungspotential auszuschöpfen. Kursteilnehmer will er dazu ermutigen, sich auch an Unbekanntes zu wagen. „Keiner hat Bock auf Veränderungen. Dabei sollten wir sie umarmen. Wir machen nur Fortschritte, wenn wir etwas tun, was wir noch nicht können.“Leider lasse sich die Masse zu schnell von Rückschlägen entmutigen. „Man muss Geduld haben. Du kannst keinen Spagat? Dann dehne dich dahin, auch wenn das Jahre dauert.“

Um die „Movement Culture“ in Rostock bekannter zu machen, plant Maik Müller einen Workshop. Am 22. September will er Interessierten eine Kostprobe eines Bewegungstrainings bieten, das an Vielseitigkeit seinesgleichen sucht.

Infos und Trainingsvideos:

youmoveon.de

Die Revolution der Bewegung

Die Movement Culture ist ein globaler Trend, der zunehmend auch in Deutschland Anhänger findet. Begründer der Bewegung ist Star-Coach Ido Portal. Der Israeli trainiert internationale Topathleten und setzt dabei auf Vielfalt: Statt einzelner Workouts kombiniert Portal unterschiedliche Sportarten miteinander. Tanz, Capoeira, Kampfsport, Yoga und Parcours fließen in die Movement-Methode ein.

Die Movers sollen dadurch mehr Körperbewusstsein erlangen und die natürliche Form der Bewegung wiederentdecken.

Antje Bernstein

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