Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Ringen um die Freiwilligen: „Bufdis“ in Rostock heiß begehrt

Stadtmitte Ringen um die Freiwilligen: „Bufdis“ in Rostock heiß begehrt

Sie arbeiten beim Radio, fahren Senioren oder sortieren Lebensmittel für Bedürftige — doch die Zahl der Helfer ist aus finanziellen Gründen auch in der Hansestadt begrenzt.

Voriger Artikel
Glätte: Auto prallt gegen Laterne
Nächster Artikel
Nordex macht mehr Verlust

Auf Sendung: Felix Koll ist Bufdi beim Rostocker Lokalradio Radio Lohro.

Quelle: Fotos: Frank S�llner, Tanja Bodendorf (2)

Stadtmitte. Christine Geist sortiert Lebensmittel — bei einigen ist das Verbrauchsdatum schon abgelaufen, andere kann man noch ohne Bedenken verzehren. 25 Stunden in der Woche ordnet die 55-Jährige bei der Rostocker Tafel eine grüne Futter-Kiste nach der anderen. Und freut sich über die Beschäftigung: „Der ganze Kontakt zu den Menschen hier, das Gefühl, gebraucht zu werden — das ist toll.“ Christine Geist ist eine von 245 Bufdis in der Hansestadt. So heißen Männer und Frauen, die einen Bundesfreiwilligendienst absolvieren. Dieser hat 2011 den abgeschafften Zivildienst ersetzt.

0000xvto.jpg

Christine Geist sortiert Lebensmittel bei der Rostocker Tafel .

Zur Bildergalerie

Bei der Rostocker Tafel sind derzeit 16 solcher Bufdis aktiv. Allerdings nur noch bis Juni. „Danach kriegen wir keine Stellen mehr bestätigt“, bedauert Wolfgang Bruhn, Chef der Tafel. „Dann fallen 16 gute Helfer weg, die kriegen wir nicht so schnell ersetzt.“ Bruhn befürchtet, dass die Tafel dann ihre Aufgaben einschränken muss und die Qualität leidet.

„Das war immer eine gute Sache mit den Bufdis“, so Bruhn weiter. „Wir hatten vor allem Langzeitarbeitslose über 50 Jahre, die auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht mehr unterkamen. Die waren froh, dass sie wieder etwas zu tun hatten und nicht zu Hause rumsitzen mussten.“ Das trifft auch auf Christine Geist zu: Bevor sie Anfang 2012 zum Bufdi wurde, war die gelernte Anlagentechnikerin zehn Jahre lang arbeitslos und ohne Perspektive: „Ich habe alles versucht, mich überall beworben: nichts. Wie es hiernach weitergeht, weiß ich nicht.“

Deutschlandweit werden derzeit 31000 Bufdi-Stellen von der Bundesregierung gefördert. Allein in Mecklenburg-Vorpommern sind 1181 vergeben. Laut Antje Mäder, Sprecherin vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben in Köln, ist das tatsächliche Angebot der Träger allerdings um ein Vielfaches größer: „Es gibt bundesweit bestimmt 100 000 Plätze. Die können aber nicht alle bezahlt werden.“

Genau das wünscht sich aber Wolfgang Bruhn: „Ein Umdenken in der Politik muss her. Gerade ältere Arbeitslose müssen beschäftigt werden, dafür muss es Mittel geben.“

Mehr Bedarf als finanzierte Stellen — und mehr Bewerber als freie Plätze. Das Problem kennt auch Katrin Guhl, Personalleiterin des Deutschen Roten Kreuzes in Rostock. Hier gibt es im Moment 80 Bufdis. Zu wenig, findet Guhl: „Wir könnten noch gut 20 davon gebrauchen. Allerdings sind immer nur soundsoviele Stellen freigegeben.“

Kai Schmechel konnte sich noch eine der beliebten Positionen sichern. Der 19-jährige Abiturient fährt seit Feburar Kinder und ältere Menschen mit Behinderungen. Schon immer hat er sich beim DRK ehrenamtlich engagiert: Ob bei der Wasserwacht oder im Katastrophenschutz. Da kam ihm die Idee mit dem Bundesfreiwilligendienst: „Man lernt hier fürs Leben. Ich tue was Gutes und komme mit Menschen in Berührung. Es ist unglaublich, wie glücklich die sind, wenn man ihnen ein bisschen hilft.“ Sechs Monate dauert sein Dienst beim DRK. Danach will Kai Schmechel studieren — am liebsten bei der Bundespolizei.

Freie Bufdi-Stellen im Internet:

www.bundesfreiwilligendienst.de

43 Prozent jünger als 27
Viele der Rostocker im Bundesfreiwilligendienst sind jünger als 27 Jahre. Ungewöhnlich: So sind in ganz Mecklenburg-Vorpommern knapp 66 Prozent über 27 Jahre alt — in der Hansestadt nur etwa 43 Prozent. Neben Tätigkeiten im sozialen oder ökologischen Bereich gibt es hier auch Bufdi-Plätze in Kultur- und Bildungseinrichtungen. Die Spanne reicht von der Rostocker Tafel, dem Deutschen Roten Kreuz und dem Universitätsklinikum bis zum Lokalradio Lohro. Der Dienst wird mit einem Taschengeld von bis zu 348 Euro entlohnt.

Tanja Bodendorf

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Rostock

Vor 25 Jahren wütete vor dem Sonnenblumenhaus der Mob. Vier Tage lang flogen Steine und Brandsätze gegen Flüchtlinge, Vietnamesen und Polizeibeamte. Die Anwohner applaudierten. Der Ausnahmezustand überforderte alle – Politik, Polizei und auch die Presse.

Hier finden Sie eine Multimedia-Reportage zum Thema. mehr

Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Beilagen
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

OZ-Bild
Orang-Utan-Baby kam vor Augen der Zoo-Besucher zur Welt

Miri (13) wurde erstmals Mutter / Geschlecht des Äffchens noch unbekannt