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Rostock Roggentin verbietet Häuser im Schutzgebiet
Mecklenburg Rostock Roggentin verbietet Häuser im Schutzgebiet
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00:06 12.04.2018
In einem sind sich alle einig: Der alte LPG-Standort an der Straße am Wald ist ein Schandfleck und sollte aufgewertet werden. Aus Sicht vieler Einwohner in der Gemeinde sollte sich eine Bebauung jedoch nur auf dieses Grundstück beschränken. Quelle: Fotos: André Wornowski/ove Arscholl

Erfolg für die Gegner einer Bebauung im Landschaftsschutzgebiet „Wolfsberger Seewiesen“: Roggentins Gemeindevertreter haben einen Beschluss aus dem Jahr 2015 aufgehoben, der den Bau eines neuen Wohngebiets am Ortsrand von Kösterbeck auf den Weg bringen sollte. Gleichzeitig fällten die Gemeindevertreter mit knapper Mehrheit eine Grundsatzentscheidung:

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Gemeindevertreter lehnen Bebauung in Wolfsberger Seewiesen ab / Bürgerentscheid beantragt

Es soll künftig von jeglicher Art einer Bebauung in dem Landschaftsschutzgebiet abgesehen werden.

Zuvor hatte die Bürgerinitiative Kösterbeck (BI) eine Petition mit 1432 Unterschriften an Roggentins Bürgermeister Erhard Bünger überreicht. Das Ziel: Eine Bebauung des Schutzgebietes zu verhindern.

„637 der Unterstützer sind wahlberechtigte Bürger der Gemeinde“, sagt BI-Sprecher Henrik Holtz. Zeitgleich beantragte die Initiative einen Bürgerentscheid. „Wir werten die neuen Beschlüsse der Gemeindevertretung zwar als Erfolg. Aber wir lassen uns davon nicht täuschen, das kann auch alles noch gekippt werden“, sagt Holtz. Hintergrund: Vorerst sind die neuen Beschlüsse nicht rechtskräftig.

Weil sie so kurzfristig eingereicht worden sind, müssen sie erst noch durch das Amt Carbäk geprüft werden, teilt Bürgermeister Bünger mit. Holtz betont daher: „Die Petition bleibt unsere zweite Schiene. Wir wollen das Thema ein für alle Mal vom Tisch haben.“

Bürgermeister wünscht sich mehr Sachlichkeit

Mehr als 50 Besucher kamen am Montag zur Gemeindevertreter-Sitzung. Die Bebauung im Landschaftsschutzgebiet war zwar von der Tagesordnung genommen worden, doch aufgrund des großen Interesses mussten sich die Gemeindevertreter dennoch mit dem Thema befassen. Bürgermeister Bünger bedauerte, dass die Darstellung der Bürgerinitiative sachlich nicht korrekt sei. So gehen die Gegner einer Bebauung von 70 Einfamilienhäusern aus, die auf 31000 Quadratmetern entstehen sollen (die OZ berichtete). Tatsächlich sind es aber 29, sagt Bünger. Nach OZ-Informationen hatte der erste Investor im Jahr 2015 mit 42 Grundstücken geplant – scheiterte aber am Veto der Behörden. Ein neuer Investor versucht es nun mit einer abgespeckten Variante. „Nur rund 10000 Quadratmeter liegen in den Wolfsberger Seewiesen“, sagt Bünger. Das seien weniger als 0,02 Prozent des gesamten Schutzgebietes in der Gemeinde Roggentin.

Aus Sicht des Bürgermeisters wäre ein Eingriff in die Natur in dieser Größenordnung vertretbar – denn im Gegenzug würde der neue Investor das brachliegende Grundstück des ehemaligen LPG-Stützpunktes an der Straße am Wald bebauen. „Und das wird sündhaft teuer“, betont der Bürgermeister. Die Grundstücke müssten begradigt und Altlasten beseitigt werden. Für den Investor rechne sich daher nur eine umfangreichere Bebauung – sprich eine Erweiterung ins Schutzgebiet. „Der Umweltschutz ist unheimlich wichtig. Wir müssen die Natur schützen, aber wir sprechen hier von keinem gravierenden Eingriff“, sagt Bünger.

Dennoch akzeptiere der Bürgermeister das Votum der Gemeindevertreter. Schließlich sei er das ausführende Organ. Durch die Petition sei zudem deutlich geworden, dass sich eine Vielzahl der Anwohner dafür ausspreche: „Unsere Natur lassen wir nicht zerstören“, so Bünger. Gleichzeitig habe sich gezeigt, dass es offenbar Wachstumsgrenzen gebe. Lebten 1990 noch 506 Einwohner in der Gemeinde sind es heute 2700.

Bünger sagt aber auch, dass sich 2015 noch alle Gemeindevertreter einstimmig für einen neuen Bebauungsplan ausgesprochen hatten. Und im Zuge der Aufstellung müssten Bürger und Behörden ohnehin beteiligt werden. „Zum jetzigen Zeitpunkt liegt noch nicht mal ein Entwurf vor“, so Bünger.

Initiative befürchtet

Anfang vom Ende

Gegner der Bebauung sprechen jedoch davon, dass die Gemeindevertreter bei der Beschlussfassung 2015 überrumpelt worden seien. Die Tragweite des Vorhabens sei nicht klar gewesen, heißt es.

Die Bürgerinitiative sieht auch das Argument kritisch, dass von den 29 Häusern ja nur elf bis zwölf in den Wolfsberger Seewiesen entstehen sollen. „Es bleibt das Problem, dass das Schutzgebiet angefasst wird“, sagt BI-Sprecher Holtz. Aus Sicht von Doris Scheffler wäre das der Anfang vom Ende: „Ein anderer Investor beruft sich dann darauf und will auch im Schutzgebiet bauen.“ Ihre Familie wohne schon seit mehr als 100 Jahren dort. „Für uns ist das eine Herzenssache.“

André Wornowski

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